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Home -- German -- 04. Sira -- 8 The Mekkanians acceptance of Muhammad

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04. DAS LEBEN MUHAMMADS NACH IBN HISCHAM

8 - Muhammads KRIEGE UM MEDINA -- (625 bis 627 n.Chr.)

Weitere Feldzüge -- Die Anerkennung Muhammads durch die Quraischiten -- Vor der Eroberung Mekkas



8.01 -- Aerkennung Muhammads durch die Mekkaner -- (627 bis 629 n.Chr.)

nach Muhammad Ibn Ishaq (gest. 767 n.Chr.) bearbeitet von Abd al-Malik Ibn Hischam (gest. 834 n.Chr.)

Aus dem Arabischen übersetzt von Dr. Gustav Weil

Eine Auswahl mit Anmerkungen von Abd al-Masih und Salam Falaki

8.02 -- Weitere Feldzüge (627 n.Chr.)

8.02.1 -- Der Rachefeldzug gegen die Banu Lihyan in Ghuran* (September 627 n.Chr.)

Muhammad blieb bis zum Monat Djumada al-Ula (5. Monat) in Medina. Als der sechste Monat nach seinem Sieg über die Banu Quraiza begann, zog er gegen die Banu Lihyan. Er wollte für die Kämpfer von Radji, Khubaib ibn Adi und seine Gefährten, Rache nehmen. Um den Feind zu überraschen, gab er vor, nach Syrien zu reisen. Er setzte nach Ibn Hischam Ibn Umm Maktum über Medina und schlug den Weg über den Ghurab ein (der Ghurab ist ein Berg, der in der Nähe von Medina auf der Straße nach Syrien liegt). Dann zog er weiter über Mahis und Batra, wandte sich dort nach links und kam über Bin und Sukhairat al-Jamam auf dem direkten Weg nach Mahadjdja, das auf der Straße nach Mekka liegt. Von dort zog er in Eilmärschen nach Ghuran, den Lagerplätzen der Banu Lihyan. Ghuran ist ein Tal zwischen Amadj und Usfan. Dort, in dem Ort Sa'ya, ließ er sich nieder. Der Feind aber war auf der Hut. Er hatte sich bereits in den Bergen verschanzt. Als Muhammad seinen Plan gescheitert sah, sagte er: “Wenn wir nach Usfan hinabsteigen, werden die Mekkaner glauben, wir zögen nach Mekka.” Er machte sich daher mit zweihundert Reitern auf den Weg und stieg nach Usfan hinab. Von hier sandte er zwei seiner Reiter nach Kura al-Ghamim. Als sie zurückgekehrt waren, trat auch Muhammad den Rückweg an. Djabir ibn Abd Allah berichtet: “Ich habe gehört, wie Muhammad bei seiner Heimkehr sagte: ,Wir kehren um (bereuen diesen Fehler), so Allah will,’ und er pries Allah und flehte seinen Beistand an gegen die Beschwerden der Reise, gegen die Unannehmlichkeiten des Wechsels und das böse Auge**, das auf unsere Gemeinschaft und unser Gut geworfen wird.”

* "Ghuran" liegt ca. 80 km nordwestlich von Mekka.
** Der Aberglaube, daß der Blick eines Neiders die Geschicke des Betroffenen negativ beeinflussen könne, ist bis heute im Nahen Osten weit verbreitet. Muhammad selbst hat an die Wirkung des bösen Blicks geglaubt.

8.02.2 -- Der Feldzug von Dhu Qarad* (August 627 n.Chr.)

Muhammad kehrte wieder nach Medina zurück, blieb aber nur wenige Nächte dort, weil Uyayna ibn Hisn, der Fasarite, mit Reitern von Ghatafan die Kamele Muhammads im Buschland (ca. 15 km nördlich von Medina) überfiel, einen Mann von den Banu Ghifar tötete und dessen Frau samt den Kamelen fortschleppte. Der Aslamite Salama ibn Amr war der erste, der Kunde von dem Überfall erhielt. Er eilte sogleich in Begleitung eines Dieners von Talha ibn 'Ubaid Allah, der eine Stute mit sich führte, in das Buschland und nahm Bogen und Pfeile mit. Als er den Hügel von Wada erklomm, entdeckte er etliche feindliche Reiter. Er bestieg daraufhin eine Seite von Sal und rief: “Herbei, am Morgen!” Dann lief er ihnen wie ein reißendes Tier nach, holte sie ein, trieb sie mit seinen Pfeilen zurück und rief jedesmal, wenn er einen Pfeil abschoß: “Nimm ihn hin! Ich bin Ibn al-Aqwa! (der Kräftigste, eine Selbstbezeichnung von ihm). Heute ist der Tag für die Niederträchtigen.” Sobald die Reiter auf ihn zukamen, floh er. Bald trat er ihnen erneut in den Weg, schoß auf sie, sooft er konnte, und rief dabei: “Nehmt sie hin! Ich bin Ibn al-Aqwa! Heute ist der Tag für die Niederträchtigen.” Einer der Feinde entgegnete: “Du wirst heute noch unser Sklave werden, der Tag fängt erst an!” Muhammad hatte den Ruf Ibn al-Aqwas vernommen und in Medina Alarm ausrufen lassen. Schnell sammelten sich die Reiter bei Muhammad. Er setzte Sa'd ibn Zaid über sie und sagte zu ihm: “Ziehe aus, um den Feind ausfindig zu machen. Ich werde mit der Reitertruppe folgen.”

* "Dhu Qarad" liegt ca. 20 km nördlich von Medina.

Muhammad bemerkte Abu Aijasch gegenüber: “O Abu Aijasch! Du solltest dein Pferd einem besseren Reiter geben. Er würde den Feind einholen.” Jener erwiderte jedoch: “O Gesandter Allahs, ich bin der beste Reiter!” Er trieb sein Pferd an, hatte aber kaum eine Strecke von fünfzig Ellen zurückgelegt, als es ihn abwarf. Er wunderte sich nun über Muhammads Worte.

Die Reitertruppe setzte dem Feind nach, bis sie ihn eingeholt hatte. Asim berichtete, Muhriz, den man auch “al-Akhzam” oder “Qumair” nannte, habe den Feind zuerst eingeholt. Dies geschah folgendermaßen: Im Garten des Muhammad ibn Maslama tänzelte unruhig eine Stute herum, sobald sie das Gewieher der anderen Pferde hörte. Sie war ein vortreffliches und ausgeruhtes Tier. – Als einige Frauen der Banu Abd al-Aschhal sahen, wie die an einer Dattelpalme befestigte Stute herumtänzelte, fragten sie Qumair, ob er die Stute nicht besteigen möchte, um sich Muhammad und den andern Gläubigen anzuschließen. Er bejahte. Da gaben sie ihm das Pferd. Es hatte bald die anderen Reiter weit hinter sich gelassen und den Feind eingeholt. Qumair blieb stehen und rief: “Haltet, ihr Söhne einer Niederträchtigen, bis die Auswanderer und Hilfsgenossen euch einholen!” Einer der feindlichen Reiter drang auf ihn ein und tötete ihn. Das Pferd jedoch lief davon. Man konnte es nicht fangen, bis es bei einem Stall der Banu Abd al-Aschhal stehenblieb. Außer Muhriz wurde kein Moslem getötet. Ukkascha holte Awbar und dessen Sohn ein, die zusammen auf einem Kamel saßen. Er durchbohrte beide mit seiner Lanze, so daß sie miteinander umkamen. Auch konnten wieder einige Kamele erbeutet werden. Muhammad zog bis zu einem der Berge von Dhu Qarad, wo sich die Reiter um ihn sammelten. Dort stieg er auch ab und brachte einen Tag und eine Nacht zu. Er ließ ein Kamel für je hundert Mann schlachten, damit seine Truppen sich stärken konnten. Dann kehrte er nach Medina zurück.

8.02.3 -- Der Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq* (Januar 627/8 n.Chr.)

Muhammad blieb einen Teil des Djumada al-Akhira (6. Monat) (6. Monat) und Radjab (7. Monat) in Medina. Im Sch'aban (8. Monat) des (sechsten) Jahres** nach der Auswanderung zog er gegen die Banu al-Mustaliq, einen Zweig der Khuza'a. Er setzte zuvor Abu Dharr al-Ghifari über Medina.

* Die Banu al-Mustaliq wohnten in einem Gebiet etwa 200 km südlich von Medina, etwa 160 km nördlich von Mekka. Dort fand auch der Kampf statt.
** Bei der Datierung dieses Feldzugs gibt es Meinungsverschiedenheiten unter den Muslimen. Einige gehen davon aus, daß er ein Jahr zuvor, im 5. Jahr nach der Hidjra stattgefunden hat.

Muhammad vernahm, daß die Banu Mustaliq unter der Führung von Harith ibn Abi Dhirar, des Vaters seiner Gattin Djuwairiyya, Truppen gegen ihn zusammenzogen. Muhammad zog ihnen daher bis zur Quelle Muraisi in der Gegend von Qudaid entgegen. Hier fand der Kampf statt. Allah trieb die Banu al-Mustaliq in die Flucht, ließ manche von ihnen erschlagen und ermöglichte Muhammad, ihre Kinder, Frauen und Güter zu erbeuten. Von den Moslems wurde Hischam ibn Subaba von den Banu Kalb ibn Auf getötet. Ein Hilfsgenosse vom Geschlecht des Ubada ibn al-Samit hielt ihn für einen Feind und tötete ihn versehentlich.

Während Muhammad bei der Quelle Muraisi lagerte, trieb auch ein Tagelöhner Umar ibn al-Khattabs, Djahdjah ibn Mas'ud genannt, sein Pferd zur Tränke. Er stieß im Gedränge an Sinan ibn Wabr al-Djuhani, einen Schutzgenossen der Banu Auf ibn al-Khazradj. Darauf kam es zu Tätlichkeiten zwischen ihnen. Da rief der Djuhanite: “Herbei ihr Hilfsgenossen!” Djahdjah aber schrie: “Herbei ihr Auswanderer!” Abd Allah ibn Ubayy geriet in Zorn und sagte zu den Seinigen, die um ihn herumstanden – unter ihnen auch ein junger Mann namens Zaid ibn Arqam: “Haben sie dies getan? Sie wetteifern mit uns an Zahl und Ruhm in unserem Lande. Bei Allah, ich betrachte uns und diese niedrigen Quraisch genauso, wie ein Alter sagte: ,Mäste deinen Hund, so wird er dich auffressen. Aber, bei Allah, "wenn wir nach Medina zurückkehren, soll der Starke den Niedrigen austreiben" (Sure al-Munafiqun 63,8)’”. Er wandte sich dann an diejenigen von seinem Geschlecht, die bei ihm standen, und fuhr fort: “Das habt ihr euch selbst angetan. Ihr habt sie in euer Land kommen lassen und habt euer Gut mit ihnen geteilt. Bei Allah, hättet ihr ihnen versagt, was ihr besitzt, so wären sie in ein anderes Land gezogen.”*

* Eine kritische Stunde für alle Moslems war gekommen, als die mekkanischen Asylanten und Alteingesessenen von Medina aneinandergerieten. Alter Haß und Vorurteile brachen auf. Der Streit rührte an die Existenz des Islam.

Zaid ibn Arqam hörte sich alles mit an und berichtete es Muhammad, nachdem die Feinde geschlagen waren. Umar ibn al-Khattab, der zugegen war, sagte: “Befiel Abbad ibn Bischr, ihn umzubringen!” Muhammad erwiderte: “Wie soll ich dies tun, Umar? Sollen die Leute sagen, Muhammad tötet seine Gefährten?” Er erteilte dann den Befehl zum Aufbruch. Es war zu einer Zeit, in welcher Muhammad sonst nicht aufzubrechen pflegte.

Abd Allah ging, als er hörte, Zaid habe seine Worte dem Propheten hinterbracht, zu diesem und schwor bei Allah, er habe dies nicht gesagt. Da Abd Allah unter seinem Volk hochgeehrt und angesehen war, sagte einer seiner Gefährten zu Muhammad: “Vielleicht hat sich der Junge geirrt und nicht recht zugehört.” Er sagte dies aus Liebe zu Abd Allah und zu dessen Entschuldigung.

Als Muhammad aufgebrochen war und weiterzog, kam ihm Usayd ibn Hudhair entgegen und grüßte ihn, wie man den Propheten zu grüßen pflegte. Dann sagte er: “O Prophet Allahs! Bei Allah, du bist zu einer unheilvollen Stunde aufgebrochen!” Muhammad antwortete: “Hast du nicht vernommen, was euer Freund gesagt hat?” – “Welcher Freund, Gesandter Allahs?” – “Abd Allah ibn Ubai.” – “Was hat er gesagt?” – “Er behauptet, wenn er nach Medina zurückkehre, solle der Starke den Niedrigen austreiben.” – “Bei Allah, wenn du willst, Gesandter Allahs, so kannst du ihn austreiben, denn er ist der Niedrige und du der Starke. Aber habe Mitleid mit ihm, denn als Allah dich zu uns führte, ordneten seine Leute bereits die Perlen, um ihn zu krönen, und er glaubt, du habest ihm sein Reich geraubt.”

Muhammad zog dann den ganzen Tag und die Nacht hindurch und den folgenden Morgen weiter, bis die Sonne lästig wurde. Dann stieg er ab. Kaum hatten sie die Erde berührt, als sie der Schlaf überwältigte. Er hatte diesen Gewaltmarsch unternommen, damit sie sich nicht weiter mit der Sache Abd Allahs beschäftigten. Nach der Rast brach Muhammad erneut mit den Leuten auf und durchzog das Hidjaz bis zu einem Gewässer oberhalb von Naqi, das Baq'a hieß. Als er weiterzog, kam ein heftiger Sturm auf, der sehr lästig war und den Leuten Furcht einflößte.

Muhammad bemerkte: “Fürchtet nichts, der Sturm* bedeutet den Tod eines der angesehensten Ungläubigen.” Als sie nach Medina kamen, hörten sie, daß Rifa'a ibn Zaid ibn Tabut von den Banu Qaynuqa', einer der angesehensten Juden, eine Stütze der Heuchler, am selben Tage verschieden sei.

* Jesus hatte die Macht, den Sturm zu stillen, um seine Nachfolger zu retten (Matthäus 8,23-27). Muhammad hatte keine Macht über die Naturgewalten und deutete den Sturm abergläubisch als Zeichen des Todes eines seiner jüdischen Feinde.

Aus diesem Anlaß erschien die Sure, in welcher Allah die Heuchler erwähnt und sich auf Ibn Ubayy und seine Anhänger bezieht (Gemeint ist die 63. Sure des Qur’an, welche denselben Namen trägt: al-Munafiqun.) .Als sie geoffenbart wurde, faßte Muhammad das Ohr von Zaid ibn Arqam und sagte: “Er ist mit seinen Ohren Allah treu gewesen.” Als Abd Allah, der Sohn von Abd Allah ibn Ubai, hörte, was sich mit seinem Vater zugetragen hatte, ging er – nach dem Bericht Asims – zu Muhammad und sagte: “O Gesandter Allahs! Ich habe vernommen, du wollest meinen Vater töten lassen wegen dem, was du von ihm gehört hast. Verhält es sich wirklich so, dann erteile mir den Befehl, und ich bringe dir sein Haupt. Bei Allah, die Khazradjiten wissen, daß keiner unter ihnen reinere Gefühle gegen seinen Vater hegt als ich. Ich fürchte, du könntest einem andern den Tötungsbefehl erteilen. Ich könnte den Mörder meines Vaters nicht unter den Leuten sehen. Ich würde ihn auch töten und damit einen Gläubigen für einen Ungläubigen erschlagen und in die Hölle kommen.”

Muhammad erwiderte: “Nicht so, wir wollen gnädig gegen ihn sein und ihn als Gefährten gut behandeln, solange er unter uns weilt.”

Nach diesem Vorfall wurde Abd Allah, sooft er ein Unrecht beging, von seinen eigenen Stammesgenossen getadelt und zurechtgewiesen. Als Muhammad dies sah, sagte er zu Umar: “Was meinst du, Umar? Wenn ich ihn an dem Tage, als du es wolltest, erschlagen hätte, so wären deswegen viele Leute in Aufruhr geraten, die ihn heute sofort töten würden, wenn ich es haben wollte.”* Umar erwiderte: “Ich weiß, bei Allah, daß die Befehle des Gesandten Allahs mehr Segen bringen als die meinigen.”

* Für viele Moslems war es eine Ehre, den Wunsch Muhammads zur Tötung einzelner Widersacher auszuführen. Muhammad veranlaßte immer neue Meuchelmorde.

Am selben Tage kam Miqyas ibn Subaba aus Mekka zu Muhammad und sagte, er habe sich zum Islam bekehrt und verlangte das Sühnegeld für seinen irrigerweise getöteten Bruder Hischam. Muhammad ließ ihm das Sühnegeld auszahlen. Er blieb aber nur kurze Zeit bei Muhammad, überfiel dann den Mann, der seinen Bruder getötet hatte, erschlug ihn und kehrte als Abtrünniger nach Mekka zurück.

8.02.4 -- Djuwairiyya von den Banu al-Mustaliq wird eine der Frauen Muhammads (Januar 627/8 n.Chr.)

Muhammad hatte viele Gefangene gemacht, die er unter den Gläubigen verteilen wollte. Unter ihnen befand sich auch Djuwairiyya, seine spätere Gattin. Als Muhammad die Gefangenen der Banu al-Mustaliq verteilte, fiel Djuwairiyya dem Thabit ibn Qays zu. Sie aber schloß einen Befreiungsvertrag mit ihm.

Djuwairiyya war eine angenehme, hübsche Frau, die jeden für sich einnahm, der sie sah. Sie kam zu Muhammad und bat ihn um Hilfe bei ihrem Loskauf. Aischa hatte sie kaum an der Schwelle ihres Gemachs bemerkt, als sie sie auch schon haßte.* Aischa wußte, daß diese Frau Muhammad so eindrücklich wie sie selbst erscheinen würde. Als Djuwairiyya bei ihm eintrat, sagte sie: “O Gesandter Allahs! Ich bin Djuwairiyya, Tochter Hariths, Sohn Abu Dirars, des Herrn seines Volkes. Mein Unglück ist dir bekannt. Das Los hat mich dem Thabit ibn Qays zugewiesen. Ich habe einen Befreiungsvertrag mit ihm geschlossen und komme, dich um deine Hilfe bei meinem Loskauf zu bitten.” – “Willst du etwas Besseres?” – “Was denn?” – “Ich will deinen Loskauf besorgen und dich heiraten.” – “Recht gern, Gesandter Allahs!” – “Nun, es sei so!”

* Im Harem Muhammads mit seinen zeitweise bis zu neun Frauen ging es oft nicht friedlich zu. Aischa und Hafsa hielten zusammen, um gegen Umm Salama und Djuwairiyya zu intrigieren und zu kämpfen. Es ist verständlich, wenn Muhammad offenbarte, daß die Mehrzahl der Höllenbewohner undankbare Frauen seien.

Als bekannt wurde, daß Muhammad Djuwairiyya heiraten werde, wurden die Gefangenen als seine Schwäger betrachtet und von den Gläubigen freigelassen. Mehr als hundert Familienhäuptern, so erzählt Aischa, wurde bei der Hochzeit die Freiheit geschenkt. Nie hat eine Frau den Ihrigen größeren Segen gebracht als Djuwairiyya.

Als Muhammad vom Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq heimkehrte, übergab er Djuwairiyya in Dhat dem Hilfsgenossen al-Djaisch und befahl ihm, acht auf sie zu geben, während er selbst nach Medina vorausging. Inzwischen kam Djuwairiyyas Vater al-Harith mit dem Lösegeld für seine Tochter. Als er in 'Aqiq war, warf er einen Blick auf die Kamele, die er mitgebracht hatte. Da ihm zwei besonders gefielen, verbarg er sie in einer der Schluchten bei Aqiq. Dann ging er zu Muhammad und sagte zu ihm: “Ihr habt meine Tochter gefangengenommen. Hier ist das Lösegeld!” Da fragte Muhammad: “Und was ist mit den beiden Kamelen, die du in der Schlucht von Aqiq verborgen hast?” Al-Harith rief hierauf: “Ich bekenne, daß es keinen Gott gibt außer Allah und daß du, Muhammad, sein Gesandter bist. Bei Allah, niemand konnte dies wissen außer Allah.” Mit al-Harith bekehrten sich auch zwei seiner Söhne und mehrere von seinem Stamm. Er ließ hierauf die beiden Kamele holen und gab sie Muhammad. Man brachte ihm dann seine Tochter, die eine rechte Gläubige wurde. Muhammad hielt bei ihrem Vater um sie an, und als er sie ihm gewährte, schenkte er ihr eine Morgengabe von vierhundert Dirham.

8.02.5 -- Wie Aischa verleumdet wurde (Januar 627/8 n.Chr.)

Aischa erzählt selbst: “Sooft Muhammad eine Reise unternahm, loste er unter seinen Frauen und nahm die mit, welche das Los traf.* Bei dem Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq wurde ebenfalls gelost. Das Los traf mich, und Muhammad reiste mit mir ab. Zu jener Zeit nährten sich die Frauen nur mit dem Nötigsten. Sie wurden nicht stark und schwer vom Genuß des Fleisches. Wenn mein Kamel zur Reise bereit war, setzte ich mich in die Sänfte. Dann kamen die Kameltreiber, faßten die Sänfte, hoben sie auf den Rücken des Kamels und banden sie fest. Dann nahmen sie das Kamel am Zügel und führten es fort. Als Muhammad von diesem Feldzug heimkehrte, ritt er bis zu einer Station in der Nähe von Medina. Dort stieg er ab und verbrachte hier die Nacht. Tags darauf gab er wieder den Befehl zum Aufbruch, und die Leute zogen weiter. Ich aber entfernte mich wegen eines Bedürfnisses und hatte eine Halskette aus Steinen von Zafar an.** Als ich fertig war, fiel sie mir von meinem Hals, ohne daß ich es spürte. Als ich zu den Kamelen zurückkehrte und nach meiner Kette griff, war sie nicht mehr da. Nun ging ich zu der Stelle zurück und suchte sie, bis ich sie fand. Meine Kameltreiber hatten aber mein nochmaliges Weggehen nicht bemerkt, denn mein Kamel war schon bereit. Und da sie fest geglaubt hatten, ich sei, wie gewöhnlich, in die Sänfte gestiegen, hatten sie sie auf das Kamel gehoben, festgegurtet und das Kamel fortgetrieben. Als ich daher zum Lager zurückkehrte, war kein Mensch mehr da. Alle waren schon aufgebrochen. Da hüllte ich mich in mein Oberkleid und legte mich an dem Ort, wo ich war, nieder, denn ich wußte, daß man zu mir zurückkehren würde, sobald man mich vermissen werde. Während ich so dalag, kam Safwan ibn al-Muattal, der Sulamite, vorüber, der wegen eines Geschäftes hinter dem Heer zurückgeblieben war und die Nacht nicht bei ihm zugebracht hatte. Als er mich bemerkte, ging er auf mich zu, bis er vor mir stand, denn er hatte mich früher schon gesehen, ehe wir uns verschleiern mußten. Er rief: ,Wir gehören Allah und kehren einst zu ihm zurück***, es ist die Gattin des Gesandten Allahs!' Ich hüllte mich in mein Gewand, und als er fragte: ,Warum bist du zurückgeblieben? Allah sei dir gnädig,’ gab ich keine Antwort. Er aber führte mir sein Kamel vor und sagte: ‘Besteige es!' Dann trat er zurück. Als ich es bestiegen hatte, führte er es schnell fort, um die Leute einzuholen, aber, bei Allah, wir konnten sie nicht erreichen. Auch wurde ich bis zum anderen Morgen, als die Leute abstiegen, nicht vermißt.

* Muhammad hat auch bei Reisen und Feldzügen keine Enthaltsamkeit geübt und seine Frauen selbst in Gefahrenzonen mitgenommen. Er war das Vorbild für die Moral der islamischen Kämpfer im Heiligen Krieg.
** Die verlorene Halskette der Aischa sollte eine tiefgreifende, geschichtsträchtige Folge haben.
*** Diese qur'anische Formel (Sure al-Baqara 2,156) wird heute noch von den Moslems bei einem Unglück oder einem Todesfall ausgesprochen.

Als alle sich schon zur Ruhe niedergelegt hatten, kam Safwan und trieb mein Kamel heran. Da erfanden die Lügner die bekannten Verleumdungen, und die Truppen gerieten in Schrecken. Aber, bei Allah, ich wußte von allem nichts. Kaum in Medina angelangt, wurde ich unpäßlich, so daß ich von all den Reden nichts erfuhr. Sie drangen zwar auch zu Muhammad und meinen Eltern, aber sie erwähnten mir gegenüber nicht das Geringste. Ich vermißte jedoch bei Muhammad die Zärtlichkeit und Teilnahme, die er mir sonst bewies, wenn ich unwohl war. Das befremdete mich, denn als er zu mir kam, während meine Mutter mich pflegte, fragte er nur: ,Wie geht es ihr?’ ohne ein Wort hinzuzusetzen. Dies betrübte mich, und als ich seine Härte spürte, sagte ich: ,Wenn du es erlaubst, Gesandter Allahs, so gehe ich zu meiner Mutter, die mich pflegt.' Er antwortete: ,Nichts hindert dich daran.'

Da begab ich mich zu meiner Mutter und wußte noch immer nichts von den Verleumdungen, bis ich nach etwa zwanzig Tagen von meiner Krankheit genas. Wir lebten damals noch wie Beduinen und hatten noch nicht, wie die Perser, eine Toilette im Haus, denn das ekelte uns. Wir gingen stets ins Freie, um unser Bedürfnis zu verrichten. Die Frauen taten es des Nachts. Eines Nachts ging ich auch hinaus, um mein Bedürfnis zu verrichten. Bei mir war Umm Mistah, die Tochter des Abu Ruhm ibn al-Muttalib. Im Gehen stolperte sie über ihr langes Gewand und rief: ,Möge Mistah zugrunde gehen!' Mistah war der Beiname Aufs. Da entgegnete ich: ‘Bei Allah, du hast hier etwas Häßliches über einen Mann gesagt, der bei Badr gekämpft hat.' Sie erwiderte: ,Tochter Abu Bakrs, weißt du nicht, was vorgefallen ist?' Da erzählte sie mir, was die Lügner ausgesagt hatten. Ich fragte: ,Ist dies wahr?' Sie antwortete: ,Ja, bei Allah.' Ich kehrte schnell zurück, konnte nicht einmal mein Bedürfnis verrichten und hörte nicht auf zu weinen, bis ich glaubte, mein Herz würde zerspringen.

Zu meiner Mutter sagte ich: ,Allah vergebe dir! Die Leute führen solche Reden, und du sagst mir nichts davon!' Sie entgegnete: ,Meine Tochter, nimm diese Sache nicht so schwer! Bei Allah, es gibt wenig schöne Frauen, die von ihrem Mann geliebt werden und deren Nebenbuhlerinnen nicht vieles über sie sagen.'

Inzwischen hielt Muhammad, ohne daß ich etwas davon wußte, eine Rede, in der er, nachdem er Allah gepriesen, sagte: ,O ihr Leute, warum kränken mich etliche Männer wegen meiner Familie und sagen Unwahres über Aischa? Bei Allah, ich weiß nur Gutes von ihr.' Auch sagen sie ähnliches über meinen Mann, von dem ich, bei Allah, nur Gutes weiß und der nie, ohne meine Begleitung, eine meiner Wohnungen betreten hat. Am schlimmsten war das Gerede bei Abd Allah ibn Ubayy und einigen Khazradjiten. Dazu kamen noch die Reden Mistahs und Hamnas, der Tochter Djahschs, deren Schwester Zainab auch eine Gattin Muhammads war. Diese versuchte, mir meinen Vorrang bei ihm streitig zu machen. Zainab aber wurde von Allah in ihrem Glauben bewahrt, so daß sie mir nur Gutes nachredete. Hamna aber, die mich wegen ihrer Schwester haßte, verbreitete Schlimmes über mich und machte sich dadurch elend.

Als Muhammad so gesprochen hatte, sagte Usayd ibn Hudhair: ,O Gesandter Allahs! Gehören die Leute zu den Ausiten, so wollen wir dir Ruhe vor ihnen verschaffen. Gehören sie zu den Khazradjiten, unseren Brüdern, so erteile uns deinen Befehl, denn bei Allah, sie verdienen, enthauptet zu werden.' Da erhob sich Sa'd ibn Ubada, der bisher als ein frommer Mann galt, und sagte: ‘Bei Allah, du hast dies nur gesagt, weil du weißt, daß sie zu den Khazradjiten gehören. Gehörten sie zu den Ausiten, so würdest du nicht so gesprochen haben. Aber, bei Allah, sie sollen nicht enthauptet werden!' Usayd versetzte: ‘Du lügst, bei Allah, du bist ein Heuchler und nimmst dich der Heuchler an!' Die Leute gerieten in Aufregung, und es hätte wenig gefehlt, so wäre es zwischen den Ausiten und Khazradjiten zu Tätlichkeiten gekommen.

Muhammad verließ hierauf die Kanzel und begab sich in unsere Wohnung und rief Ali und Usama ibn Zaid und fragte sie um ihre Ansicht. Usama sagte: ,Wir wissen nur Gutes von deiner Gattin. Das sind alles nur Lügen und leeres Gerede!' Ali hingegen bemerkte: ,O Gesandter Allahs! Es gibt viele Frauen, du kannst dir eine von ihnen herbeibringen lassen. Frage ihre Sklavin, sie wird dir die Wahrheit sagen.'*

* Die negative Aussage Alis und seiner Frau Fatima, der Tochter Muhammads, die aus dem vornehmen Haus der Khadija stammte, schürte einen glühenden Haß und schuf einen tiefen Riß zwischen der Familie Abu Bakrs und Umars auf der einen und der Alis und Fatimas auf der anderen Seite. Dieser Haß wirkte weiter und verhinderte, daß Ali der Nachfolger Muhammads wurde; und er stachelte später andere zur Ausrottung Alis und seiner beiden Söhne Hassan und Hussain auf. Die verlorene Halskette Aischas hat den Islam in Schiiten und Sunniten gespalten.

Muhammad rief Barira herbei, um sie auszufragen. Ali versetzte ihr einige derbe Schläge und ermahnte sie, Muhammad die Wahrheit zu sagen. Sie sagte: ‘Bei Allah, ich weiß nur Gutes von ihr, ich habe ihr nichts anderes vorzuwerfen, als daß ich einst meinen Teig knetete und sie bat, darauf acht zu haben; sie aber schlief ein, und ein Schaf kam und fraß ihn.'

Muhammad setzte sich dann zu mir (bei mir waren meine Eltern und eine Frau der Hilfsgenossen, die mit mir weinte) und sagte, nachdem er Allah gepriesen hatte: ‘Du wirst gehört haben, Aischa, was die Leute sagen. Fürchte Allah! Hast du, wie die Leute sagen, ein Unrecht begangen, so bekehre dich zu Allah, denn Allah nimmt die Buße seiner Diener an.' Kaum hatte er so gesprochen, so ließen meine Tränen nach, bis ich keine mehr verspürte. Ich erwartete, daß meine Eltern an meiner Stelle antworten würden, aber sie schwiegen, und ich hielt mich, bei Allah, für zu gering und unbedeutend, als daß ich die Hoffnung hegte, Allah werde um meinetwillen etwas offenbaren, das dann als Qur’an in den Moscheen gelesen und bei Gebeten gebraucht wird. Das einzige, was ich hoffte, war, daß Muhammad ein Gesicht haben werde, in welchem ihm Allah meine Unschuld zeigte oder ihn von meiner wahren Geschichte unterrichtete.

Als nun meine Eltern nichts sagten, fragte ich sie, warum sie nicht statt meiner antworteten. Sie sagten: ‘Bei Allah, wir wissen nicht, was wir sagen sollen.'

Bei Allah, ich kenne keine Familie, die Schwereres getroffen hätte, als die Abu Bakrs in jenen Tagen. Als meine Eltern schwiegen, brachen aus mir aufs neue Tränen hervor. Dann sagte ich: ,Ich werde wegen des von dir Erwähnten nie Buße tun, denn sonst bestätigte ich, was die Leute von mir sagen, während Allah meine Unschuld kennt. Wenn ich Worte der Buße aussprechen würde, hätte ich etwas Unwahres gesagt. Leugne ich aber, was ihr behauptet, so glaubt ihr mir nicht.' Ich suchte dann in meinem Gedächtnis den Namen Jakob, fand ihn aber nicht. Ich sagte daher: ,Ich muß wie Josephs Vater sagen: "Doch schön geduldig sein. Und Allah sei um Hilfe gebeten gegen das, was ihr aussagt" (Sure Yusuf 12,18)'.

Muhammad war noch nicht aufgestanden, als er in Ohnmacht* fiel. Er wurde in sein Gewand gehüllt, und man legte ein Lederkissen unter sein Haupt. Als ich dies sah, war ich weder verzagt noch besorgt, denn ich wußte, daß ich unschuldig war und Allah mir kein Unrecht tun werde. Meine Eltern aber fürchteten, bis Muhammad wieder zu sich kam, daß Allah die Reden der Leute bestätigen möchte. Ich glaubte, die Angst würde sie töten.

* Anläßlich der Unschuldserklärung Aischas wurde einer der Anfälle Muhammads etwas deutlicher als sonst beschrieben. Die Moslems bezeichnen diese Anfälle als Begleiterscheinung und Hinweis auf den Offenbarungsvorgang. Viele Orientalisten sehen darin ein Zeichen für epileptische Anfälle.

Endlich kam Muhammad wieder zu sich. Er setzte sich aufrecht, und der Schweiß rann wie Perlen an ihm herab, obgleich es mitten im Winter war.* Er wischte sich den Schweiß von der Stirn ab und sagte: ‘Empfange frohe Botschaft, Aischa! Allah hat deine Unschuld geoffenbart!' Ich sagte: ,Allah sei gepriesen!' Er trat dann zu den Leuten hinaus, hielt eine Predigt und rezitierte, was Allah über diese Sache im Qur’an geoffenbart hatte. Dann ließ er Hassan ibn Thabit, Mistah ibn Uthatha und Hamna geißeln. Sie hatten die schlimmsten Verleumdungen verbreitet.”**

* In einer von Aischa überlieferten Hadith heißt es, daß Muhammad beim Empfang seiner Offenbarungen heftig schwitzte (Bukhari, Ba-d'u'l-wahy 2; Tirmidhi, Manaqib 6; Nasai, Iftitah 37).
** Die nicht nachweisbare Verleumdung unschuldiger Ehefrauen wird seit dem Vorfall mit Aischa im Islam schwer bestraft.

8.03 -- Die Anerkennung Muhammads durch die Quraischiten (628 n.Chr.)

8.03.1 -- Muhammads Pilgerfahrt (März 628 n.Chr.)

Muhammad brachte die Monate Ramadan (9. Monat) und Schawwal (10. Monat) in Medina zu. Im Dhu al-Qa'da (11. Monat) zog er aus, um nach Mekka zu pilgern, nicht um Krieg zu führen. Über Medina setzte er Numaila ibn Abd Allah al-Laithi. Er rief die Araber und die Beduinen herbei, die um ihn lagerten, und forderte sie auf, mit ihm zu ziehen, denn er fürchtete, die Quraisch möchten ihn bekämpfen oder vom Heiligtum fernhalten. Viele Beduinen stellten sich aber nicht ein. Er machte sich jedoch mit den Hilfsgenossen, den Ausgewanderten und den Beduinen, die sich ihm angeschlossen hatten, auf die Pilgerreise. Er nahm auch Opfertiere mit und legte das Pilgergewand an, damit man sicher sei, daß er keinen Krieg beabsichtige und jedermann wisse, daß er nur aus Verehrung den Ort der Anbetung besuchen wolle.

Muhammad zog im Jahre von Hudaibiyya aus, um die Ka'ba zu besuchen. Er trieb siebzig Kamele als Opfertiere mit sich. Es waren 700 Mann, so daß auf je zehn ein Kamel kam. Muhammad erreichte Usfan. Dort begegnete ihm Bischr ibn Sufyan al-Ka'bi und berichtete: “Die Quraisch haben von deinem Auszug gehört, sind mit Milchkamelen ausgerückt und haben sich in Leopardenhaut gehüllt. Sie lagern in Dhu Tawa und haben geschworen, dich nie in Mekka einziehen zu lassen. Khalid ibn Walid ist mit den Reitern schon bis Kura al-Ghamim vorgerückt.” Muhammad sagte: “Wehe den Quraisch! Schon hat sie der Krieg zugrunde gerichtet! Was hätte es ihnen geschadet, wenn sie mich die Sache mit den anderen Beduinen hätten ausfechten lassen. Hätten sie mich geschlagen, so wäre ja ihr Wunsch erfüllt worden. Hätte mir Allah den Sieg verliehen, so hätten sie sich entweder in Massen zum Islam bekehren oder mich mit voller Kraft bekämpfen können. Was glauben denn die Quraisch? Bei Allah, ich werde nicht aufhören, für das zu kämpfen, wozu mich Allah beauftragt hat, bis uns Allah die Oberhand gewinnen läßt oder dieser (mein) Hals durchschnitten wird.”

Dann fragte er: “Wer will mit mir einen Weg einschlagen, auf welchem wir ihnen nicht begegnen?” Abd Allah ibn Abi Bakr hat mir berichtet, ein Mann von Aslam habe zuerst gesagt: “Ich, Gesandter Allahs.” Muhammad führte sie dann auf einem holprigen, steinigen Weg, der sehr beschwerlich war, zwischen Schluchten hindurch. Als sie wieder auf ebenes Gelände kamen, sagte Muhammad: “Sprecht: ,Wir bitten Allah um Vergebung und bekehren uns zu ihm.’”* Als sie dies gesprochen hatten, sagte er: “Bei Allah, dieses Gebet ist das Hitta**, das den Söhnen Israels vorgetragen wurde, das sie aber nicht nachgesprochen haben” (siehe Suren al-Baqara 2,58 und al-A'raf 7,161).

* Dieses jüdische Vergebungsgebet ist in seiner Tiefe nicht erkannt worden; es wurde als Angstgebet in augenblicklicher Notlage gesprochen.
** “Hitta” könnte der Imperativ von “hatta” sein, welches “ablassen” oder “herabsetzen” bedeutet.

Muhammad befahl dann den Leuten, zwischen den beiden Höhen von Hamd hindurchzugehen. Es ist der Weg, der als Hohlweg von Murar nach Hudaibiyya in die Niederung von Mekka hinabführt. Das Heer schlug diesen Weg ein. Als die Reiter der Quraisch merkten, daß Muhammad einen anderen Weg eingeschlagen hatte, kehrten sie in ihr Lager zurück. In der Schlucht von Murar kniete Muhammads Kamel nieder. Da sagten die Leute: “Es ist störrisch geworden!” Muhammad erwiderte: “Es ist nicht störrisch geworden. Das ist nicht seine Art. Aber der, der den Elefanten* von Mekka ferngehalten hat, hat auch mein Kamel angehalten. Die Quraisch werden heute nichts von mir verlangen, wodurch ich meine Verwandtenliebe betätige, das ich ihnen nicht gewähren werde.”

* Hier handelt es sich um eine Anspielung auf die Belagerung Mekkas durch einen christlichen König aus Süd-Arabien (Jemen), die nach einer Legende im Jahre 570 stattfand. Weil das feindliche Heer einige Elefanten mit sich führte, heißt dieses Ereignis “Der Fall des Elefanten” (siehe Sure al-Fil 105,1-5).

Muhammad gab dann den Befehl, an diesem Ort Halt zu machen. Als man ihm sagte, es sei kein Wasser in diesem Tal, zog er einen Pfeil aus seinem Köcher und reichte ihn einem seiner Gefährten. Dieser stieg in eine Zisterne und steckte den Pfeil mitten hinein. Da sprudelte soviel Wasser heraus, daß die Leute – nachdem Mensch und Vieh seinen Durst gelöscht hatte – sich noch darum herumlagern konnten.

Als Muhammad ausruhte, kam Budail ibn Waraqa mit Männern von Khuza'a und fragte ihn, weshalb er gekommen sei. Er sagte, er sei nicht gekommen, um Krieg zu führen, sondern um die Ka'ba zu besuchen. Er verehre das Heiligtum, was er schon früher Bischr ibn Sufyan gesagt habe. Die Schar kehrte zu den Quraisch zurück und sagte zu ihnen: “Ihr übereilt euch. Muhammad ist nicht gekommen, um Krieg zu führen, sondern um die Ka'ba zu besuchen.” Sie hegten aber Verdacht und behandelten ihn mit Härte. “Wenn er auch keinen Krieg will,” sagten sie, “soll er doch nie mit Gewalt bei uns einziehen. Die Beduinen sollen uns das nicht nachsagen können.” (Die Khuza'a, sowohl die Gläubigen als auch die Götzendiener, waren die Vertrauten Muhammads, die ihm alles mitteilten, was in Mekka vorging.) Dann sandten sie Mikraz ibn Hafs. Als Muhammad ihn kommen sah, sagte er: “Dieser Mann ist ein Verräter!” Auf Mikraz' Fragen antwortete Muhammad dasselbe, was er Budail gesagt hatte. Als Mikraz dies den Quraisch hinterbrachte, sandten sie noch al-Hulais ibn 'Alqama. Jener war damals Herr der verbündeten Stämme und gehörte zu den Banu al-Harith ibn Abd Manat. Als Muhammad ihn kommen sah, sagte er: “Dieser Mann gehört zu den Gottesfürchtigen. Laßt die Opfertiere los, damit er sie sieht!” Als al-Hulais die Opfertiere in ihrem Schmuck aus dem Tal auf sich zuströmen sah und beobachten konnte, wie sie, wegen der langen Einsperrung, die salzigen Gesträuche von dem unfruchtbaren Boden abweideten, näherte er sich vor Ehrfurcht nicht dem Gesandten Allahs, sondern kehrte alsbald zu den Quraisch zurück und berichtete ihnen, was er gesehen hatte. Sie sagten: “Setze dich! Du bist ein einfältiger Beduine!” Hulais geriet darüber in Zorn und sagte: “O ihr Quraisch! Nicht dazu haben wir uns mit euch verbündet. Sollen die, die die Ka'ba verehren und zu ihr pilgern wollen, davon abgehalten werden? Bei dem, in dessen Hand die Seele Hulais ist, entweder ihr laßt Muhammad die Pilgerfahrt vollbringen, oder ich ziehe mich mit meinen Verbündeten wie ein Mann zurück!” Sie sagten: “Still! Laß uns in Ruhe, bis wir günstige Bedingungen erhalten.”

Sie sandten darauf 'Urwa ibn Mas'ud zu Muhammad. 'Urwa sagte: “Ich habe gesehen, daß ihr euren Boten bei ihrer Rückkehr mit harten, bösen Worten begegnet. Ihr wißt aber, daß ihr mein Vater seid und ich euer Sohn bin. Ich habe gehört, was euch zugestoßen ist und bin alsbald mit meinen Leuten zu euch gekommen, um euch beizustehen.” Sie sagten: “Du hast wahr gesprochen. Wir hegen keinen Verdacht gegen dich.” Er ging hierauf zu Muhammad, setzte sich zu ihm und sagte: “O Muhammad, du hast viel Gesindel zusammengerafft und gegen dein Ei (deine Familie und Sippe) geführt, um es aufzuschlagen. Aber die Quraisch sind mit ihren Milchkamelen ausgezogen, haben sich in Leopardenfelle gehüllt und bei Allah geschworen, daß du nicht mit Gewalt bei ihnen einziehen sollst und, bei Allah, mir ist, als sähe ich schon, wie morgen diese Leute sich von dir lossagen werden.” Abu Bakr, der hinter Muhammad saß, entgegnete hierauf: “Sauge an der Brustwarze deiner Lat!* Werden wir wohl Muhammad verlassen?”

* Lat ist die Abkürzung der weiblichen Form von Allah und ist als Frau Allahs verstanden worden.

'Urwa fragte Muhammad: “Wer ist dieser Mann?” Er antwortete: “Es ist der Sohn Abu Quhafas.” Da sagte er: “Bei Allah, wäre ich dir nicht zu Dank verpflichtet, so würde ich es dir vergolten haben. Doch dies sei für das, was ich dir schulde.”

'Urwa berührte beim Sprechen den Bart Muhammads. Mughira ibn Schu'ba, der bewaffnet neben Muhammad stand, schlug ihm auf die Hand und sagte: “Entferne deine Hand vom Gesicht des Gesandten Allahs, ehe dies (Schwert) dich trifft!” Da sagte Urwa: “Wehe dir! Was läßt dich doch so derb und grob zu mir sein?” Muhammad lächelte. 'Urwa fragte: “Wer ist der Mann?” Muhammad antwortete: “Es ist dein Vetter Mughira ibn Schu'ba.” Da rief Urwa: “Verräter! Habe ich nicht erst vor kurzem deine Ruchlosigkeit abgewaschen?” Mughira hatte, ehe er zum Islam übertrat, dreizehn Mann von den Banu Malik von Thaqif, erschlagen. Die beiden Stämme von Thaqif, die Banu Malik, der Zweig der Erschlagenen, und ihre Bundesgenossen, der Zweig Mughiras, gerieten in Aufruhr. 'Urwa bezahlte aber das Sühnegeld für die dreizehn Erschlagenen und stellte so den Frieden wieder her.

Muhammad sprach dann zu Urwa, wie er zu seinen Gefährten gesprochen hatte, und versicherte ihm, daß er nicht gekommen sei, um Krieg zu führen. 'Urwa verließ ihn, nachdem er gesehen hatte, wie sich die Gefährten Muhammads benahmen: wie sie auf das Wasser zueilten, mit dem er sich gewaschen hatte und auf das, was er ausspie und wie sie jedes Haar aufhoben, das von ihm abfiel.

Als 'Urwa zu den Quraisch zurückkam, sagte er: “Ich habe Kyros (Kisra) und den Kaiser in ihrem Reiche gesehen und den Nadjaschi. Aber, bei Allah, ich habe keinen Fürsten gesehen, dem so viel Ehre erwiesen wurde wie Muhammad von seinen Gefährten.* Diese Leute werden ihn um keinen Preis ausliefern. Sehet zu, was zu tun ist!”

* Jesus Christus dagegen sagte: “Ich nehme nicht Ehre von Menschen” (Johannes 5,41). Muhammad lebte von der Zustimmung seiner Gefährten und seiner Verehrung durch alle Moslems. Jesus aber hat die Menschen erlöst, obwohl sie ihn ablehnten, verunehrten und zuletzt kreuzigten.

Muhammad rief den Khuzaiten Khirasch ibn Umaiyya zu sich und sandte ihn auf seinem Kamel “Tha'lab” nach Mekka, um den Häuptern der Stadt zu melden, weshalb er gekommen sei. Die Mekkaner lähmten jedoch das Kamel und wollten Khirasch töten. Die Verbündeten ließen es aber nicht zu. So konnte er frei zu Muhammad zurückkehren.

Die Quraisch schickten vierzig bis fünfzig Mann aus, die das Lager Muhammads umkreisen sollten, um einen der Gefährten Muhammads zu ergreifen. Sie wurden aber gefangengenommen und vor Muhammad geführt. Muhammad begnadigte sie und ließ sie frei abziehen, obgleich sie seine Truppen mit Steinen und Pfeilen angegriffen hatten. Er rief nun Umar und wollte ihn nach Mekka schicken, um die Häupter von dem Zweck seiner Reise zu unterrichten. Umar aber entgegnete: “Gesandter Allahs! Ich fürchte die Quraisch. Es ist in Mekka kein einziger von den Banu 'Adi ibn Ka'b, der mich beschützen könnte. Die Quraisch wissen, wie sehr ich sie hasse und wie derb ich ihnen begegnet bin. Aber ich will dir einen Mann nennen, der stärker ist als ich: es ist Uthman ibn 'Affan.”*

* Uthman ibn 'Affan war der dritte Kalif und Schwager Muhammads.

Muhammad ließ Uthman rufen und sandte ihn nach Mekka, um den Edlen der Stadt zu sagen, daß er gekommen sei, um die Pilgerfahrt zu verrichten. Als Uthman nach Mekka kam, kurz vor seinem Eintritt in die Stadt, begegnete ihm Aban ibn Sa'id und stellte ihn unter seinen Schutz, bis er die Botschaft Muhammads vor Abu Sufyan und den Häuptern der Quraisch ausgerichtet hatte. Als dies geschehen war, fragten sie ihn: “Willst du die Ka'ba umkreisen? So tue es!” Uthman erwiderte: “Ich werde sie nicht umkreisen, bis auch Muhammad sie umkreist.”

Die Quraisch hielten Uthman zurück, und Muhammad wurde das Gerücht hinterbracht, man habe ihn erschlagen.

8.03.2 -- Die Huldigung des Wohlgefallens (März 628 n.Chr.)

Als Muhammad vernahm, Uthman sei getötet worden, sagte er: “Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Quraisch zu bekämpfen.” Er forderte dann die Leute zum Huldigungseid auf, und dies ist die (Allah) wohlgefällige Huldigung, die unter einem Baume stattfand. Manche behaupten, Muhammad habe die Leute schwören lassen, für ihn zu sterben. Djabir ibn Abd Allah berichtet aber, Muhammad habe sie nur schwören lassen, nicht zu fliehen.* Alle Anwesenden leisteten den verlangten Eid. Nur al-Djadd ibn Qays, ein Bruder der Banu Salama, blieb zurück. Djabir berichtet: “Bei Allah, mir ist, als sähe ich ihn noch vor mir, wie er sich der Schulter seines Kamels fest anschloß und sich hinter ihr vor den Leuten verbarg.”

* Jesus sagte seinen Jüngern im voraus, daß sie sich an ihm ärgern und ihn verlassen würden. Er ging seinen Weg allein bis zum Sieg im Tod am Kreuz. Muhammad aber baute auf Menschenhilfe und verlangte ihren Eid auf seine Person.

Inzwischen erfuhr Muhammad, daß man ihm eine falsche Nachricht über Uthman zugetragen hatte.

8.03.3 -- Der Vertrag von Hudaibiyya* (März 628 n.Chr.)

Die Quraisch sandten nun Suhail ibn Amr zu Muhammad und beauftragten ihn, mit Muhammad Frieden zu schließen. Jedoch sollte es nur unter der Bedingung geschehen, daß er dieses Jahr nochmals heimkehre, damit die Araber nicht sagen könnten, er sei mit Gewalt eingezogen. Als Muhammad Suhail kommen sah, sagte er: “Die Leute wollen den Frieden, da sie diesen Mann gesandt haben.” Er sprach dann lange mit ihm, und nach vielem Hin und Her kam der Friede zustande.

* "Hudaibiyya" liegt ca. 60 km nördlich von Mekka.

Als alles geklärt und nur noch der Vertrag zu schreiben war, sprang Umar zu Abu Bakr hin und sagte: “Ist er nicht ein Gesandter Allahs?” – “Freilich!” – “Sind wir nicht Gläubige?” – “Gewiß!” – “Sind sie nicht Götzendiener?” – “Sicherlich!” – Und warum sollen wir in unserem Glauben erniedrigt werden?”* – “Folge seinem Steigbügel, denn ich bekenne, daß er ein Gesandter Allahs ist.” – “Auch ich bekenne es.”

* Umar, der zweite Kalif, war zusammen mit den meisten der Pilger zutiefst aufgewühlt, denn sie standen als waffenlose Pilger da und hatten geschworen, Muhammad mit ihren Fäusten zu verteidigen, um der Sache des Islam zum Sieg zu verhelfen.
Muhammad aber hatte einen Vertrag mit den Götzendienern in Mekka geschlossen und sie damit als gleichwertige Partner anerkannt.

Umar ging nun zu Muhammad und sagte: “Bist du nicht ein Gesandter Allahs?” – “Gewiß!” – “Sind wir nicht Gläubige?” – “Sicherlich!” – “Sind sie nicht Götzendiener?” – “Unzweifelhaft!” – “Weshalb sollen wir uns in unserem Glauben erniedrigen und mit ihnen einen Vertrag schließen? Ich bin ein Diener Allahs und sein Gesandter, ich widersetze mich seinen Befehlen nicht, und er wird mich nicht zugrunde gehen lassen.” Umar sagte später: “Ich höre nicht auf, Almosen zu geben, zu fasten und Sklaven zu befreien, aus Furcht wegen der übereilten Worte, die ich damals gesprochen hatte, als ich hoffte, etwas Gutes mit meinem Eifer zu erzielen.”

Muhammad aber rief Ali zu sich und sagte zu ihm: “Schreib: ,Im Namen Allahs, des barmherzigen Erbarmers.’” Suhail aber entgegnete: “Diese Formel kenne ich nicht! Schreib ,In deinem Namen, Allah.’” Muhammad sagte: “So schreibe dies!” Als Ali dies geschrieben hatte, fuhr Muhammad fort: “Dies ist der Friedensschluß Muhammads, des Gesandten Allahs, mit Suhail ibn Amr.” Da entgegnete Suhail: “Wenn ich dich als Gesandten Allahs anerkennte, würde ich dich nicht bekriegen. Schreib einfach deinen Namen und den deines Vaters!” Da sagte Muhammad: “So schreibe: ‘Das ist der Friedensschluß Muhammad ibn Abd Allahs mit Suhail ibn Amr. Sie sind miteinander übereingekommen, den Krieg auf zehn Jahre einzustellen. Während dieser Zeit soll jeder sicher sein und kein Teil gegen den andern irgendwelche Feindseligkeiten begehen.

Kommen Überläufer (Sklaven) von den Quraisch zu Muhammad ohne Erlaubnis ihrer Herren, so soll Muhammad sie zurückschicken, muslimische Überläufer aber sollen von den Quraisch nicht ausgeliefert werden. Die Feindschaft soll entschieden zurückgedrängt werden und weder Raub noch Diebstahl zwischen beiden Teilen vorkommen. Wer mit Muhammad ein Bündnis schließen will, dem steht es frei. Ebenso kann jeder mit den Quraisch ein Bündnis schließen.’”

Da erhoben sich die Khuzaiten und sagten: “Wir verbünden uns mit Muhammad!” Die Banu Bakr riefen: “Wir schließen uns den Quraisch an!”

“Muhammad soll in diesem Jahr wieder abziehen und nicht nach Mekka kommen. Im folgenden Jahr aber sollen die Quraisch die Stadt verlassen, und Muhammad kann mit seinen Gefährten drei Tage darin zubringen in der Kleidung und Bewaffnung eines Reisenden, nur das Schwert in der Scheide, ohne eine andere Waffe.”

Während Muhammad und Suhail noch mit dem Schreiber beschäftigt waren, kam Abu Djandal, der Sohn des Suhail ibn Amr, in Ketten herbei, um zu Muhammad zu flüchten.

Die Gefährten Muhammads hatten bei ihrem Auszug aus Medina an dem Sieg nicht gezweifelt. Hatte doch Muhammad zuvor ein Gesicht gehabt! Als sie daher jetzt die Worte des Friedensvertrages hörten und genötigt waren abzuziehen und sahen, was Muhammad sich gefallen lassen mußte, waren sie derart bestürzt, daß sie beinahe den Geist aufgaben.*

* Der Friedensschluß zwischen der Kriegspartei in Mekka und Muhammad nach jahrelangem Blutvergießen war ein Schock für die Moslems. Sie verstanden ihren Propheten nicht mehr.

Als Suhail Abu Djandal sah, erhob er sich, schlug ihm ins Gesicht und faßte ihn am Kragen. Dann sagte er zu Muhammad: “Der Vertrag zwischen uns war geschlossen, ehe dieser zu dir gekommen ist!” Muhammad sagte: “Das ist wahr.” Suhail zog dann Abu Djandal am Kragen und riß ihn mit sich, um ihn zu den Quraisch zurückzubringen. Abu Djandal schrie mit lauter Stimme: “O ihr Gläubigen! Soll ich zu den Götzendienern zurückgeführt und von meinem Glauben abtrünnig gemacht werden?” Dies vermehrte noch den Kummer der Moslems. Muhammad sagte: “Habe Geduld, Abu Djandal, und rechne mit Allahs Lohn! Allah wird dir und den anderen bald Freiheit und Erlösung bringen. Wir haben gerade einen Vertrag geschlossen und bei Allah beschworen. Wir dürfen ihn nicht brechen.” Umar sprang hierauf an die Seite Abu Djandals und sagte zu ihm: “Habe Geduld! Das Blut dieser Götzendiener ist ja nicht mehr wert als das eines Hundes!” und brachte bei diesen Worten den Griff seines Schwertes in dessen Nähe. Umar sagte später, er habe gehofft, Abu Djandal werde das Schwert ergreifen und damit auf seinen Vater einschlagen. Aber der Mann schonte seinen Vater, und es blieb bei dem Beschlossenen.

Als der Vertrag geschrieben war, unterzeichneten ihn folgende Gläubigen und Götzendiener als Zeugen: Abu Bakr, Umar, Abd al-Rahman ibn Auf, Abd Allah ibn Suhail, Sa'd ibn Abi Waqqas, Mahmud ibn Maslama, Mikraz ibn Hafs – letzterer war Götzendiener – und Ali, der den ganzen Vertrag geschrieben hatte.

Muhammad beabsichtigte nun, den Pilgerstand aufzuheben. Das Gebet hatte er noch im Pilgergewand verrichtet. Als er mit dem Friedensvertrag fertig war, schlachtete er die Opfertiere und ließ sich von dem Khuzaiten Khirasch ibn Umaiyya das Haupthaar abrasieren.* Als die Leute dies sahen, ließen sie sich auch rasieren und schlachteten ihre Tiere. Manche ließen sich am Tage von Hudaibiyya rasieren, andere nur stutzen. Muhammad sagte: “Allah sei den Kahlgeschorenen gnädig.” Da fragten sie: “Und den Gestutzten?” Muhammad wiederholte: “Allah sei den Kahlgeschorenen gnädig.” Als sie nochmals fragten, gab er die gleiche Antwort, und als sie ihre Frage wiederholten, sagte er: “Und denen, die sich nur stutzen ließen.”

* Die Aufregung unter den Moslems wurde so groß, daß beinahe ein Aufruhr ausbrach. Da ließ sich Muhammad plötzlich die Haare schneiden und befahl, daß jeder seiner Nachfolger sich ebenso die Haare schneiden lassen solle. Das beruhigte die Gemüter, so daß sie miteinander wieder nach Medina zurückziehen konnten.

Als man ihn dann fragte, weshalb er zuerst Allahs Gnade für die Kahlgeschorenen erfleht habe, sagte er: “Weil sie nicht zweifeln.”

Muhammad führte unter seinen Opfertieren am Tage von Hudaibiyya ein Kamel mit sich, das Abu Djahl gehört hatte. Es hatte einen silbernen Ring am Kopf. Er wollte damit die Ungläubigen ärgern.

Muhammad trat dann den Rückweg an. Auf dem Wege zwischen Mekka und Medina wurde ihm die “Sure der Eroberung” (al-Fath 48) geoffenbart: “1 Wir bereiten dir einen offenbaren Sieg, 2 damit Allah dir deine vergangenen und zukünftigen Sünden vergebe* und seine Gnade über dir vollständig werde und er dich den rechten Weg leite” (Sure al-Fath 48,1-2).

* Dieser Vers ist ein eindeutiger qur'anischer Beweis dafür, daß Muhammad der Vergebung seiner Sünden bedurfte und sich dazu offen bekannte. Der Sieg im Kampf soll die Voraussetzung zur Vergebung, Gnade und Leitung darstellen – ein weiteres Zeichen der Werkgerechtigkeit im Islam.

Diejenigen, welche dir huldigen, haben Allah gehuldigt. Allahs Hand war über ihren Händen. Wer den Eid bricht, bricht ihn gegen sich selbst, wer treu an ihm festhält, erhält von Allah großen Lohn” (Sure al-Fath 48,10).

18 Allah hatte Wohlgefallen an den Gläubigen, als sie dir unter dem Baume Treue schworen. Er kannte ihr Herz und sandte innere Ruhe auf sie herab und belohnte sie mit einem nahen Sieg 19 und mit reicher Beute. Allah ist mächtig und weise. 20 Allah hat euch viel Beute verheißen und er hat euch diese (Beute) bald gewährt. Er hat die Hände der Leute von euch abgehalten. Das soll ein Zeichen sein für die Gläubigen. Er leitet euch den rechten Weg” (Sure al-Fath 48,18-20).

21 Über eine andere Beute habt ihr jedoch keine Gewalt. Allah, der Allmächtige, hat sie beschützt. ... 25 ... Waren sie doch gläubige Männer und Frauen, die ihr nicht kanntet und die euch geschadet hätten, wenn ihr sie angegriffen hättet ohne Kenntnis ...” (Sure al-Fath 48,21-25). Ihr hättet Sühnegeld für sie bezahlen müssen. Ein Verbrechen hätten sie aber dabei nicht begangen.

Dann heißt es: “26 Als er in das Herz der Ungläubigen den Eifer des Götzendienstes legte (er meint damit Suhail, der nicht schreiben wollte ,im Namen Allahs, des Gnädigen und Barmherzigen' und auch nicht ,Muhammad, der Gesandte Allahs'), ließ er seine Ruhe auf den Gesandten und die Gläubigen herabkommen und legte auf sie das Wort der Gottesfurcht, deren sie würdig waren ...” (d.h. der Einheit Allahs und des Bekenntnisses, daß Allah der einzige und Muhammad sein Gesandter und sein Diener ist). “27 Allah hat das Gesicht seines Gesandten wahr werden lassen. Ihr werdet, so Allah will, in den heiligen Anbetungsort (bei der Ka'ba in Mekka) einziehen ...” (Sure al-Fath 48,26-27).

Mudjahid hat mir berichtet, dieser Vers bezieht sich auf Walid ibn al-Mughira, Salama ibn Hischam, Aijasch ibn Abi Rabi'a, Abu Djandal ibn Suhail und ihresgleichen.

Vor dem Friedensschluß von Hudaibiyya war kein größerer Sieg im Islam errungen worden. Bisher herrschte überall Krieg, wo man sich begegnete. Nach dem Friedensschluß aber, da einer dem anderen in Sicherheit begegnen konnte, ließ man sich in Gespräche und Disputationen ein. Jeder Verständige, mit dem man sich über den Islam unterhielt, nahm ihn an, so daß in den beiden folgenden Jahren mehr Leute den Islam annahmen als seit seinem Bestehen! Dies geht aus der Tatsache hervor, daß Muhammad mit 700 Mann nach Hudaibiyya zog, während er zwei Jahre später mit 10.000 Mann auszog, um Mekka zu erobern.

8.03.4 -- Das Recht der ausgewanderten Frauen

In dieser Zeit wanderte Umm Kulthum, die Tochter 'Uqbas, zu Muhammad aus. Ihre Brüder Umara und Walid kamen zu Muhammad und verlangten von ihm, er solle sie aufgrund des Vertrages von Hudaibiyya zurückschicken. Er tat es aber nicht; Allah wollte es nicht.

Zuhri hat mir von 'Urwa ibn Zubair berichtet: “Ich kam zu ihm, als er an Abu Hunaida, den Freund des Walid ibn Abd al-Malik schrieb, der ihn über folgenden Qur’anvers befragt hatte: ,O ihr Gläubigen, wenn gläubige Frauen zu euch auswandern, so prüfet sie! – Allah kennt ihren Glauben besser – Habt ihr sie als Gläubige erkannt, so gebt sie nicht den Ungläubigen zurück. Sie gehören ihnen (nach dem Gesetz) nicht an, und jene stehen diesen nicht zu. Erstattet ihnen zurück, was sie für diese Frauen ausgegeben haben. Ihr sündigt nicht, wenn ihr sie heiratet, sobald ihr ihnen eine Morgengabe entrichtet habt. Verbindet euch nicht mit Ungläubigen ...' (Sure al-Mumtahina 60,10).”

'Urwa antwortete ihm: ,Muhammad hatte bei Hudaibiyya mit den Quraisch einen Vertrag geschlossen, durch welchen er sich verpflichtete, Auswanderer, die ohne Erlaubnis ihrer Herren zu ihm kommen würden, wieder zurückzuschicken. Als aber Frauen zu ihm auswanderten, die sich zum Islam bekannten, wollte Allah nicht, daß sie den Götzendienern zurückgeschickt werden (nachdem man sie geprüft und erkannt hatte, daß sie nur aus Liebe zum Islam ausgewandert waren). Zugleich befahl er, daß den Männern die Morgengabe zurückgegeben werde, falls sie sie noch nicht erhalten hatten. Andererseits sollten sie auch den Gläubigen die Morgengabe* für diejenigen Frauen zurückerstatten, die bei ihnen zurückgehalten wurden. So lautet der Spruch Allahs, der zwischen euch das Urteil spricht.'

* Die Morgengabe (“Mahr”) ist nach islamischen Recht der Betrag den der Bräutigam beim Abschluß eines Ehevertrags mit dem Verantwortlichen für die Braut festlegt. Eine Ehe ohne “Mahr” ist ungültig und gilt als schimpflich, außer bei einem Sieg im Heiligen Krieg. Der festgelegte Betrag geht in das Eigentum der Braut über und wird oft zum Teil beim Abschluß des Ehevertrags an den Verantwortlichen für die Braut bezahlt. Der Rest wird der Frau bei einer eventuellen Scheidung als “Lebensversicherung” ausgehändigt. Alle Mädchen aus nichtislamischen Ländern sollten die islamischen Eherechtsfragen genau studieren, falls sie beabsichtigen einen Moslem zu heiraten. Von jeder Mischehe ist strikt und konsequent abzuraten.

Muhammad behielt also die Frauen bei sich, sandte aber die Männer zurück und forderte, nach Allahs Befehl, die Morgengabe der Frauen, welche die Ungläubigen zurückhielten und nötigte, wenn dies geschah, auch die Gläubigen, den Ungläubigen ihre Morgengabe zurückzuerstatten. Ohne diesen göttlichen Spruch hätte Muhammad auch die Frauen wie die Männer zurückgeschickt. Ohne den Vertrag hätte er die Frauen aufgenommen, ohne den Männern die Morgengabe zurückzuerstatten. So hatte er es vor dem Vertrag gehalten, wenn gläubige Frauen zu ihm kamen.”

Ich befragte al-Zuhri über den Sinn des folgenden Verses: “Wenn euch etwas entgangen ist von euren Gattinnen zu den Ungläubigen hin und ihr könnt es vergelten, so gebt denjenigen, deren Gattinnen weggegangen sind, was sie gespendet haben ...” (Sure al-Mumtahina 60,11). Zuhri antwortete: “Der Sinn ist, wenn eine eurer Gattinnen zu den Ungläubigen gegangen ist und keine Gläubige zu euch kommt, von der ihr nehmen könnt, was sie von euch genommen haben, so entschädigt sie von der Beute, die ihr macht.”

Als Muhammad nach Medina zurückkam, fragte ihn ein Mann, der bei ihm war: “Hast du nicht gesagt, du würdest mit Sicherheit in Mekka einziehen?” Er antwortete: “Freilich, aber habe ich gesagt, ich würde in diesem Jahr einziehen?” Der Mann antwortete: “Nein.” – “Es geschieht,” entgegnete Muhammad, “wie mir Gabriel gesagt hat.”

8.03.5 -- Der Feldzug gegen die Juden in Khaybar* (Mai und Juni 628 n.Chr.)

Nach der Rückkehr von Hudaibiyya blieb Muhammad den ganzen Monat Dhu al-Hidjdja (12. Monat) in Medina und auch einen Teil des Muharram (1. Monat). Er überließ die Pilgerfahrt den Ungläubigen. In den übrigen Tagen des Muharram (1. Monat) zog er nach Khaybar. Er setzte Numaila ibn Abd Allah al-Laithi über Medina und übergab Ali die weiße Fahne.

* "Khaybar" liegt 160 km nordwestlich von Medina.

8.03.6 -- Muhammads Gebet in der Nähe von Khaybar

Als Muhammad sich Khaybar näherte, gebot er Halt und betete: “Allah! Herr des Himmel und dessen, was sie beschatten, Herr der Erden und was sie tragen, Herr der Menschen und Dämonen mit allem, was sie verführen, Herr der Winde, mit allem, was sie zerstreuen, wir erflehen von dir das Gute dieses Ortes und seiner Bewohner mit allem, was darin ist und nehmen unsere Zuflucht zu dir vor dem Schlimmen dieses Ortes, seiner Bewohner und all dessen, was darin ist. Vorwärts! Im Namen Allahs!”* Diese Worte wiederholte er vor jedem Einzug in einen Ort.

* In diesem Kriegsgebet wird Allah als der “Herr der Geister (Dämonen)” bezeichnet, die ihm gehorchen und seinen Willen tun. Das Ziel dieses Gebets war die Unterwerfung und Eroberung des Ortes, den die Moslems einnehmen wollten. In Khaybar waren es die Juden, die aus Medina vertrieben worden waren. Sie wurden nun ein zweites Mal besiegt, nachdem sie beim letzten Mal tributpflichtig und zur Hälfte Leibeigene geworden waren.

8.03.7 -- Was die Bewohner Khaybars sagten, als sie Muhammad sahen

Wenn Muhammad in den Krieg zog, griff er den Feind erst am Morgen nach der Ankunft an. Hörte er den Ruf zum Gebet, so ließ er davon ab, wenn nicht, so griff er an. In Khaybar kam er am Abend an. Und am folgenden Morgen, als er keinen Ruf zum Gebet vernahm, stieg er aufs Pferd, und wir alle auch. “Ich selbst,” so erzählt Anas, “ritt hinter Abu Talha, und mein Fuß berührte den Muhammads. Da begegneten wir Arbeitern von Khaybar, die früh ausgegangen waren mit Schaufeln und großen Körben. Als sie uns sahen, riefen sie: 'Das ist Muhammad und sein Heer!' – und ergriffen die Flucht. Muhammad bemerkte dazu: ,Allah ist größer! Khaybar geht zugrunde.' Als wir uns hier niederließen, hatten die Erschreckten einen schlimmen Morgen.”

8.03.8 -- Lagerplätze Muhammads auf diesem Feldzug

Muhammad nahm auf seinem Zug nach Khaybar den Weg über Isr. Dort wurde für ihn eine Gebetsstätte gebaut. Dann kam er nach al-Sahba und anschließend in das Tal Radji, wo er zwischen den Bewohnern von Khaybar und den Ghatafan sein Lager aufschlug. Dadurch sollten die Ghatafan abgehalten werden, ihren Bundesgenossen beizustehen.

Man berichtete mir: “Als die Ghatafan vernahmen, daß Muhammad vor Khaybar lagere, versammelten sie sich, um den Juden gegen Muhammad beizustehen. Als sie durch eine Schlucht kamen, hörten sie hinter sich, wo sich ihre Familien und ihr Gut befanden, Lärm und glaubten, der Feind habe sie in ihrem Rücken überfallen. Sie kehrten daher wieder um, blieben bei ihren Familien und ihrer Habe und ließen Muhammad ungehindert Khaybar einnehmen.”

8.03.9 -- Muhammad erobert die Burgen der Juden in Khaybar (Juni 628 n.Chr.)

Muhammad näherte sich den Wohnsitzen der Juden und eroberte eine Burg nach der andern. Die erste Burg, die er eroberte, hieß “Na'im.” Hier wurde Mahmud ibn Maslama von einem herabgeschleuderten Mühlstein erschlagen. Danach wurde “al-Qamus,” die Burg der Söhne Abu al-Huqaiqs, erobert. Muhammad machte viele Gefangene, darunter Safiyya, die Tochter des Huyay ibn Akhtab, und zwei ihrer Cousinen. Muhammad nahm Safiyya für sich und gab die Cousinen dem Kalbiten Dihya ibn Khalifa, der um Safiyya gebeten hatte. Die anderen Gefangenen von Khaybar wurden unter den Moslems verteilt.

8.03.10 -- Verbote Muhammads am Tage von Khaybar

Die Moslems pflegten das Fleisch ihrer Esel zu essen. Muhammad verbot am Tage von Khaybar mehrere Dinge. Abd Allah ibn Salit berichtet von seinem Vater, der sagte: “Muhammad verbot uns, das Fleisch von zahmen Eseln zu essen, als es bereits in den Töpfen kochte. Er erlaubte uns nicht mehr, es zu genießen.”

Muhammad verbot an jenem Tage vier Dinge: den Geschlechtsverkehr mit schwangeren Gefangenen, den Genuß des Fleisches von zahmen Eseln, den Genuß des Fleisches von Raubtieren mit Fangzähnen und den Verkauf von Beute vor der Teilung.

Muhammad sagte in seiner Predigt: “O ihr Leute! Ich werde euch nur sagen, was ich am Tage von Khaybar von Gabriel gehört habe. Er hat uns gesagt: ‘Es ist keinem Manne erlaubt, der an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, fremde Saat mit seinem Wasser zu begießen, also schwangeren Gefangenen beizuwohnen. Auch ist es nicht erlaubt, eine Gefangene zu beschlafen, deren Reinigung noch nicht vorüber ist. Es ist ferner verboten, etwas von der Beute vor der Verteilung zu verkaufen oder ein zur Beute gehöriges Tier zum Reiten zu gebrauchen und es dann abgemagert zurückzugeben, oder ein erbeutetes Kleid anzuziehen und es dann abgetragen wiederzubringen.'”

Ubad ibn al-Samit erzählte: “Muhammad hat uns am Tage von Khaybar verboten, rohes Silber oder rohes Gold gegen geprägtes zu vertauschen, sondern nur rohes Gold gegen geprägtes Silber oder rohes Silber gegen geprägtes Gold.”

8.03.11 -- Von den Banu Sahm

Die Banu Sahm von Aslam kamen zu Muhammad und sagten: “Bei Allah, wir sind erschöpft und haben nichts zu essen.” Da Muhammad ihnen auch nichts geben konnte, betete er: “Allah, du kennst ihren Zustand, du weißt, daß sie keine Kraft mehr haben und daß ich ihnen nichts zu geben vermag. Drum laß sie die Burg erobern, welche die meisten Reichtümer, fettes Fleisch und andere Lebensmittel enthält.” Am folgenden Morgen gab Allah die Burg des Sa'b ibn Mu'adh in ihre Gewalt, und keine unter allen Burgen von Khaybar war so reich an Fleisch und sonstigem Mundvorrat wie diese.

8.03.12 -- Vom Juden Marhab und seinem Tode

Als Muhammad mehrere Burgen erobert und viel Hab und Gut erbeutet hatte, kam er zu den Burgen Watih und Sulalim, den letzten von Khaybar, und belagerte sie etwa zehn Tage lang. Das Losungswort der Gefährten Muhammads am Tage von Khaybar lautete: “Siegreicher! Töte! Töte!”*

* Die Blutspur, die Muhammad und seine Anhänger hinterließen, wurde immer breiter. Sie hat bis zum heutigen Tage nicht aufgehört. Der Geist des Islam ist kein Geist der Toleranz und des Friedens. Er vernichtet jeden, der sich ihm entgegenstellt, sobald der Islam dazu in der Lage ist.

Der Jude Marhab trat wohlbewaffnet aus der Burg und sprach folgende Verse:

Khaybar weiß, daß ich Marhab bin,
der erfahrene Held, der Wohlbewaffnete.
Bald fechte ich mit der Lanze, bald mit dem Schwert,
wenn die Löwen in Scharen heranziehen.
Dem Ort, den ich behüte, darf niemand nahe kommen.

Als er dann zum Zweikampf herausforderte, erwiderte Ka'b ibn Malik:

Khaybar weiß, daß ich Ka'b bin,
der Starke und Mutige, der das Ungemach verscheucht,
wenn der Krieg sich entzündet und tobt.
Ich habe ein scharfes Schwert,
Wir bekämpfen euch, bis der Starke erniedrigt wird.
Wir lassen uns Tribut geben oder machen Beute
mit kräftiger Hand, die niemand tadelt.

Muhammad fragte: “Wer will gegen diesen Mann kämpfen?” Muhammad ibn Maslama rief: “Ich, Gesandter Allahs! Mir obliegt es, Rache für meinen Bruder zu nehmen, der gestern getötet wurde.” – “So mache dich auf,” sagte Muhammad und erflehte Allahs Beistand für ihn. Als sie aufeinander zugingen, trennte sie ein alter Uscharbaum, hinter welchem ein jeder Schutz vor dem Gegner suchte. Sooft dies geschah, hieb der Gegner die Zweige ab, die dazwischen waren, bis sie sich schließlich offen gegenüberstanden und der Baum sich ohne Zweige, wie ein aufrecht stehender Mann, zwischen ihnen erhob. Marhab holte dann gegen Muhammad ibn Maslama aus, doch dieser hielt ihm den Schild entgegen. Das Schwert versank darin und wurde festgehalten, worauf Muhammad ibn Maslama ihn tötete.

Nach Marhab kam dessen Bruder Yasir und forderte zum Zweikampf heraus. Nach dem Berichte Hischams ibn 'Urwa trat Zubair ibn Awwam hervor. Seine Mutter Safiyya sagte zu Muhammad: “Er wird meinen Sohn töten!” Muhammad entgegnete: “Nicht doch, dein Sohn wird ihn erschlagen, so Allah will.” Und so geschah es auch. Hischam ibn 'Urwa hat mir berichtet, man habe zu Zubair gesagt: “Bei Allah, dein Schwert war an jenem Tage nicht scharf!” Er habe darauf geantwortet: “Bei Allah, es war nicht scharf, aber ich habe es gezwungen zu schneiden.”

8.03.13 -- Alis Heldentat am Tage von Khaybar

Muhammad sandte Abu Bakr mit seinem Banner zu einer der Burgen Khaybars. Er kämpfte, kehrte aber zurück, ohne sie eingenommen zu haben, weil er in Not war. Da sagte Muhammad: “Morgen werde ich die Fahne einem Manne übergeben, der Allah und seinen Gesandten liebt, dem Allah Sieg verleiht und der nicht vor dem Feinde flieht.”

Muhammad rief dann Ali, der entzündete Augen hatte, spuckte ihm in die Augen* und sagte zu ihm: “Nimm diese Fahne und zieh damit aus, bis dir Allah Sieg verleiht.” Ali zog mit ihr dem Feind entgegen. Wir folgten ihm, bis er seine Fahne auf einer steinernen Mauer unterhalb der Burg aufgepflanzt hatte. Als die Besatzung der Burg einen Ausfall machte, kämpfte er gegen sie. Dabei verlor er seinen Schild. Ali ergriff statt dessen eine Tür und benutzte sie als Schild, bis Allah ihm die Burg übergab. Dann warf Ali die Tür weg. Als acht Leute sich bemühten die Tür umzudrehen, gelang es ihnen nicht.

* Jesus heilte mit seinem Speichel blinde Augen, damit der Geheilte ein Leben im Frieden führen könne. Muhammad spie in die entzündeten Augen Alis, um ihn zu heilen und zum Kampf anzutreiben.

8.03.14 -- Abu al-Yasar, der Schnelle

Abu al-Yasar Ka'b hat erzählt: “Ich war eines Abends bei Muhammad in Khaybar, als die Schafe eines Juden, dessen Burg wir belagern wollten, eben durchs Tor zogen. Muhammad fragte: ,Wer gibt uns von diesen Schafen zu kosten?' Abu al-Yasar antwortete: ,Ich, Gesandter Allahs!' Muhammad sagte: ‘Dann tue es!' Ich lief davon wie ein Strauß. Als Muhammad mich so laufen sah, rief er: ,Allah, erfreue uns durch ihn!' Ich holte die Schafherde ein, ergriff die beiden letzten Tiere, nahm sie unter meine Arme und lief mit ihnen weg, als hätte ich nichts in der Hand. Ich setzte sie vor Muhammad ab, wo sie alsbald geschlachtet und verzehrt wurden.”

Abu al-Yasar war einer der Gefährten Muhammads, die am längsten lebten.

8.03.15 -- Die Jüdin Safiyya (Juni 628 n.Chr.)

Nachdem Muhammad die Burg Qamus erobert hatte, die den Söhnen Abu al-Huqaiqs gehörte, brachte man Safiyya, die Tochter Huyays, und andere Gefangene vor ihn. Bilal führte die Frauen an den erschlagenen Juden vorüber. Als die Frauen, die bei Safiyya waren, ihre toten Männer sahen, schrien sie laut auf, schlugen sich ins Gesicht und streuten Erde auf ihr Haupt. Muhammad rief: “Entfernt diese Teufelinnen von mir!” Safiyya ließ er jedoch bleiben. Er warf seinen Mantel über sie. Da merkten die Gläubigen, daß er sie für sich erwählt hatte. Als Muhammad die Verzweiflung der Jüdinnen sah, sagte er zu Bilal: “Ist jedes Mitleid von dir geschwunden, daß du diese Frauen an ihren getöteten Männern vorüberführst?”*

* Es war eine brutale Rücksichtslosigkeit, die versklavten Witwen an den entstellten Leichen ihrer Männer vorbeizuführen und zu erwarten, daß sie sofort bereit wären, ihre Eroberer zu ehelichen. Frauen gelten bisweilen im Islam als Beute und wurden als Sklavinnen wie Ware gehandelt. Muhammad bezeichnete sie in seinem Zorn als “Satane,” was letztlich einer Selbstbezeichnung gleichkommt.

Safiyya, die Verlobte Kinana ibn Rabi'as, hatte geträumt, der Mond sei ihr in den Schoß gefallen. Als sie ihrem Verlobten diesen Traum erzählte, schrie er: “Du wünschst dir Muhammad, den König des Hidjaz,” und schlug ihr ins Gesicht, daß ihr Auge grün davon wurde. Sie trug diese Spuren noch, als sie vor Muhammad gebracht wurde. Als er sie fragte, woher dies komme, erzählte sie ihm die Geschichte.

8.03.16 -- Die Folterung und Hinrichtung des Juden Kinana, dem Hüter des Schatzes der Juden in Khaybar (Juni 628 n.Chr.)

Man führte nun (den Juden) Kinana, der Schätze der Banu al-Nadir in Verwahrung hatte, vor Muhammad und fragte ihn nach ihrem Verbleib. Kinana leugnete und sagte, er wisse nicht, wo sie sich befinden. Da wurde ein Jude vor Muhammad geführt, der sagte, er habe beobachtet, wie Kinana jeden Morgen um eine bestimmte Ruine herumgegangen sei. Muhammad fragte Kinana: “Darf ich dich töten, wenn wir den Schatz bei dir finden?” Er antwortete: “Ja.” Muhammad ließ die Ruine aufgraben. Man fand einen Teil der Schätze darin. Muhammad fragte Kinana hierauf nach den übrigen Schätzen. Als Kinana sich weigerte, das Versteck preiszugeben, befahl Muhammad dem Zubair ibn al-Awwam, ihn zu foltern*, bis er alles herausgebe. Zubair schlug ihn mit dem Zündholz auf die Brust, bis er dem Tode nahe war, dann übergab er ihn Muhammad ibn Maslama, der ihn für seinen Bruder Mahmud tötete.

* Muhammad befahl die Folterung des jüdischen Gefangenen, um das Versteck zu erfahren, in dem er den Reichtum den Juden, der ihm anvertraut worden war, verborgen hatte. Folter ist im Islam üblich und hoffähig, da Muhammad selbst diese gräßliche Methode angewandt hat. Vergleiche dagegen die Anweisung Jesu: “Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, daß tut ihr ihnen auch” (Matthäus 7,12).

8.03.17 -- Der Friedensschluß von Khaybar

Muhammad belagerte die Burgen Watih und Sulalim so lange, bis ihre Bewohner am Verhungern waren. Da baten sie ihn, er möge sie abziehen lassen und ihr Blut schonen. Muhammad willigte ein. Er hatte alle Burgen erobert, mit Ausnahme dieser beiden. Als die Bewohner von Fadak dies hörten, sandten sie zu Muhammad und baten ihn, auch ihr Blut zu schonen und ihnen freien Abzug zu gestatten, wofür sie ihm allen ihren Besitz überlassen wollten. Muhammad nahm auch dieses Anerbieten an.

Als die Bewohner Khaybars sich unter dieser Bedingung ergeben hatten, baten sie Muhammad, ihnen ihre Ländereien zu überlassen, die sie besser als er anzubauen verstanden, und boten an, ihm die Hälfte des Ertrages zu geben. Muhammad willigte ein, jedoch unter der Bedingung, daß es ihm (stets) frei stünde, sie zu vertreiben. Die Bewohner Fadaks* schlossen einen ähnlichen Vertrag. Die Beute von Khaybar war Gemeingut der Moslems**, die von Fadak*** aber gehörte Muhammad allein, weil sie ohne Kampf gewonnen wurde.

* "Fadak" war eine jüdische Ortschaft ca. 200 km nordöstlich von Medina.
** Durch den von den Juden eroberten Reichtum wurden die Moslems wohlhabend. Die Juden wurden den Moslems tributpflichtig. Muhammad hatte das Recht, sie jederzeit zu vertreiben oder zu vernichten.
*** Die Beute von Fadak (speziell die Felder) sollte kurz nach dem Tod Muhammads zu einem Streit zwischen Fatima, der Tochter Muhammads, und Abu Bakr führen. Abu Bakr erkannte die Erbschaft Fatimas nicht an. In diesem Zusammenhang wird in der islamischen Literatur der Hadith zitiert, daß “Propheten weder erben noch vererben.” Der Gewährsmann für diese Nachricht ist allein Abu Bakr.

8.03.18 -- Der Anschlag auf Muhammads Leben mit einem vergifteten Schaf und der Feldzug gegen die Juden in Wadi al-Qura (Juni 627/8)

Als Muhammad von den Feldzügen zur Ruhe kam, brachte ihm Zainab, die Tochter al-Hariths und Gattin (des Juden) Sallams ibn Mischkam ein gebratenes Schaf. Sie hatte sich zuvor erkundigt, welches Stück Muhammad am liebsten esse und gehört, es sei der Bug. Zainab vergiftete das ganze Schaf, tat aber am meisten Gift in den Bug. Als sie es vor Muhammad hingestellt hatte, griff er nach dem Bug, kostete einen Bissen davon, schluckte ihn aber nicht. Bischr ibn al-Bara ibn Ma'rur, der bei ihm war, griff ebenfalls zu und verschluckte ein Stück davon. Muhammad spuckte den Bissen wieder aus und sagte: “Dieser Knochen sagt mir, daß er vergiftet ist.” Er ließ Zainab rufen, und sie gestand ihre Tat. Als er sie fragte, was sie zu dem Anschlag auf sein Leben bewogen habe, antwortete sie: “Du weißt, was du meinem Volk angetan hast. Ich dachte bei mir: Ist er nur ein Fürst, so schaffe ich Ruhe vor ihm. Ist er aber ein Prophet, so wird er gewarnt.” Muhammad verzieh ihr, Bischr aber starb an dem Bissen, den er zu sich genommen hatte.

Muhammad sagte (Jahre später) zu Umm Bischr, der Tochter des al-Bara ibn Ma'rur, als sie ihn während seiner Krankheit besuchte, an der er schließlich starb: “Ich fühle, wie mir die Herzader springt. Es ist die Wirkung des Bissens, den ich mit deinem Bruder Bischr in Khaybar geteilt habe.” Die Moslems mögen daraus schließen, daß ihn Allah als Märtyrer sterben ließ, nachdem er ihn mit dem Prophetenamt geehrt hatte.*

* Das Gift der Jüdin führte den langsamen, aber sicheren Tod Muhammads herbei. Seither ist es die unausgesprochene Pflicht jedes Moslems, den Tod des Propheten an den Juden zu rächen. Der seit 1948 tobende Nahost-Krieg bekommt dadurch eine neue Perspektive.
Die Moslems versuchen den Tod Muhammads jedoch nicht als Niederlage, sondern als ehrenvollen Märtyrertod darzustellen, indem sie sagen, er sei am Gift seiner Feinde gestorben und so zur Ehre Allahs getötet worden.

Nachdem Muhammad Khaybar erobert hatte, zog er nach Wadi al-Qura* und belagerte den Ort einige Tage. Dann trat er den Rückzug nach Medina an.

* "Wadi al-Qura" (wörtlich: Tal der Dörfer) liegt etwa 300 km nordwestlich von Medina auf der Karawanenstraße nach Damaskus. Dort lebten vornehmlich Juden.

8.03.19 -- Der diebische Sklave

Thaur ibn Zaid hat mir folgendes von Salim, dem Freigelassenen des Abd Allah ibn Muti berichtet, der es seinerseits von Abu Huraira gehört hat: “Als wir mit Muhammad von Khaybar wegzogen, schlugen wir abends bei Sonnenuntergang unser Lager bei Wadi al-Qura auf. Muhammad hatte einen Sklaven bei sich, den ihm Rifa'a ibn Zaid al-Djudhami al-Dabini geschenkt hatte. Als dieser Muhammads Sattel abnahm, tötete ihn ein von unbekannter Hand abgeschossener Pfeil. Wir sagten: ‘Heil ihm! Er kommt ins Paradies!' Muhammad aber entgegnete: ,Keineswegs, schon brennt das Gewand, das er bei Khaybar von der Beute gestohlen hat, an ihm in der Hölle.' Als einer der Gefährten diese Worte hörte, kam er zu Muhammad und sagte: ‘Gesandter Allahs, ich habe zwei Riemen für meine Sandalen entwendet!' Da antwortete Muhammad: ‘Es wird dir dementsprechend Feuer von der Hölle zugeteilt werden!'”*

* Muhammad machte seinen Anhängern mit dem Höllenfeuer Angst, damit sie nichts von der Beute entwendeten, bevor er sie verteilt hatte.

8.03.20 -- Muhammads Vermählung mit der Jüdin Safiyya (Juni 628 n.Chr.)

Muhammad vermählte sich mit Safiyya in Khaybar oder auf einer der Zwischenstationen. Umm Sulaym, die Tochter Milhans und Mutter des Anas ibn Malik, schmückte die Braut und frisierte sie, und Muhammad brachte die Nacht in seinem Zelt mit ihr zu. Abu Ayyub Khalid ibn Zaid, ein Bruder der Banu al-Nadjdjar, machte die Runde um das Zelt und bewachte es mit umgürtetem Schwert. Als Muhammad ihn am Morgen so sah, fragte er ihn, was er tue. Er antwortete: “Ich war besorgt um dich wegen dieser Frau, deren Vater, Gatte und Stammesgenossen durch dich erschlagen worden sind und die vor kurzem noch eine Ungläubige war.” Man behauptet, Muhammad habe geantwortet: “Allah bewahre Abu Ayyub, wie er mich bewahrt hat!”*

* Muhammad scheute sich nicht, nach der Schlacht die jüdische Witwe noch im Zelt zu ehelichen, obwohl ihr Gatte, ihr Vater und ihre Verwandten kurz zuvor von den Moslems erschlagen worden waren und wahrscheinlich noch unbeerdigt auf dem Feld lagen.

8.03.21 -- Wie das Morgengebet verschlafen wurde

Als Muhammad Khaybar verließ, fragte er unterwegs – es war schon gegen Ende der Nacht: “Wer will für uns die Morgenröte abwarten, damit wir sie nicht verschlafen?” Bilal antwortete: “Ich!” Muhammad stieg dann von seinem Kamel, und seine Gefährten folgten seinem Beispiel. Alsbald schliefen sie ein. Bilal stand auf und betete so lange, wie es Allah gefiel. Dann lehnte er sich an sein Kamel und wandte sich nach Osten, um die Morgenröte abzuwarten. Aber seine Augen schlossen sich, und er schlief ein. Erst die Strahlen der aufgegangenen Sonne weckten die Leute wieder. Muhammad erwachte zuerst. Er rief zu Bilal hinüber: “Was hast du uns angetan?” Bilal antwortete: “O Gesandter Allahs! Was dich ergriffen hat, hat auch mich ergriffen!” Muhammad versetzte: “Du hast wahr gesprochen!” Er zog hierauf ein wenig weiter, ließ dann sein Kamel niederknieen, wusch sich und befahl Bilal, zum Gebet aufzurufen. Muhammad betete seinen Leuten vor. Als er mit dem Gebet fertig war, wandte er sich ihnen zu und sagte: “Falls ihr ein Gebet vergessen habt, so verrichtet es, sobald ihr euch daran erinnert, denn Allah, der Gepriesene, hat mir geoffenbart: ,Verrichte das Gebet, sobald du meiner gedenkst.'”

Wie mir berichtet worden ist, schenkte Muhammad Ibn Luqaim al-'Absi alle bei Khaybar erbeuteten Hühner und noch weitere Haustiere.

Die Eroberung Khaybars fand im Monat Safar (2. Monat) statt.

8.03.22 -- Eine Frau der Banu Ghifar erzählt

“Ich kam zu Muhammad mit anderen Frauen meines Stammes, als er eben nach Khaybar ziehen wollte. Wir sagten zu ihm: ,Wir möchten dich begleiten, um die Verwundeten zu pflegen und den Gläubigen nach Kräften beizustehen.' Muhammad antwortete: ,Mit Allahs Segen!' Wir zogen dann mit ihm aus. Da ich damals noch sehr jung war, ließ mich Muhammad auf dem Hinterkissen seines Kamels sitzen. Gegen Morgen stieg Muhammad ab und ließ das Kamel niederknien. Als ich ebenfalls abstieg, war Blut auf dem Kissen – es war meine erste Periode. Ich drückte mich fest an das Kamel und schämte mich. Als Muhammad dies bemerkte und auch das Blut sah, fragte er: ‘Hast du etwa deine Periode?' Ich bejahte seine Frage. Da befahl er: ,So reinige dich! Hole ein Gefäß mit Wasser, wirf Salz hinein und wasche das Blut vom Kissen ab. Dann komme wieder zu deinem Reittier.'

Als Muhammad Khaybar erobert hatte, gab er uns etliches von der Beute. Mir schenkte er das Halsband, das du an meinem Halse siehst. Er hing es mir selbst um. Bei Allah, ich werde mich nie davon trennen.” Sie trug es am Halse bis zu ihrem Tode, und ihrem letzten Willen entsprechend wurde sie auch damit begraben. Sooft sie unrein war, nahm sie Salz für die Reinigung und forderte, daß man für das Waschen ihrer Leiche auch Salz nehmen solle.

8.03.23 -- Der Märtyrertod des Hirten al-Aswad

Der Hirte al-Aswad kam zu Muhammad, während er eine der zu Khaybar gehörenden Burgen belagerte. Al-Aswad hatte eine Herde bei sich, die er im Auftrag eines Juden hütete. Er bat Muhammad, ihm den Islam vorzutragen. Da Muhammad keinen Menschen zu gering achtete, um ihn nicht zu bekehren, trug er auch ihm die Grundlehren des Islam vor. Als al-Aswad sich zum Islam bekehrt hatte, fragte er Muhammad, was er mit der ihm anvertrauten Herde, die er um Lohn gehütet hatte, tun solle. Muhammad antwortete: “Schlage ihr ins Gesicht, so wird sie zu ihrem Herrn zurückkehren!” Al-Aswad nahm eine Handvoll Kies und warf ihn gegen die Herde. “Kehre zu deinem Herrn zurück!” rief er ihr zu, “denn, bei Allah, ich begleite dich nicht mehr!” Die Herde zog darauf geschlossen, als wenn sie jemand triebe, in die Burg.

Al-Aswad zog dann auch vor die Burg, um sie mit den Gläubigen zu bekämpfen. Da traf ihn ein Stein, der ihn tötete, noch ehe er irgendein Gebet verrichtet hatte. Man brachte ihn vor Muhammad. Er ließ ihn hinter sich niederlegen und mit seinem Gewand bedecken. Muhammad sah ihn eine Weile an, dann wandte er sich von ihm ab. Einige seiner Gefährten, die dabei waren, fragten ihn, weshalb er sich abgewendet habe. Muhammad antwortete: “Weil jetzt seine beiden Gattinnen mit Gazellenaugen bei ihm sind.”*

* Die erotischen Phantasievorstellungen vom paradiesischen Leben der Märtyrer sollten die übrigen Krieger zum todesverachtenden Kampf motivieren, da ihr Märtyrertod ihnen ungeahnte Freuden und Wonnen verschaffen würde.

8.03.24 -- Die List des Hadjdjadj

Nach der Eroberung Khaybars sagte al-Hadjdjadj ibn Ilat, der Sulamite, zu Muhammad, er habe in Mekka noch Geld ausstehen, sowohl bei seiner Gefährtin Umm Schaiba, der Tochter Abu Talhas, mit der er zusammengelebt hatte und die ihm seinen Sohn Mu'rid geboren hatte, als auch bei etlichen Kaufleuten. Er bat um die Erlaubnis, nach Mekka reisen zu dürfen. Als Muhammad sie ihm erteilte, fügte er hinzu: “Ich muß aber lügen!” Muhammad erwiderte: “Sage, was du willst!”*

* Muhammad hat des öfteren Lügen gegen seine Feinde erlaubt, weil er den Betrug als eine legale Waffe im Heiligen Krieg bezeichnete.
Für Nachfolger Jesu aber gilt: “Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten” (Epheser 4,25).

“Ich reiste also ab,” so erzählt Hadjdjadj, “und als ich auf die Höhe von al-Baida kam, begegnete ich einer Schar Quraischiten, die Kundschaft über Muhammad einzog, denn sie hatten gehört, daß er gegen Khaybar ausgerückt sei. Sie wußten, daß dieser Ort im Hidjaz fruchtbar, wohlbefestigt und reich an Kriegern ist. Nun wollten sie von der Karawane Neuigkeiten erfahren.

Als sie mich sahen, riefen sie: ‘Da ist ja al-Hadjdjadj ibn Ilat. Er weiß sicherlich Neues.' (Sie wußten nicht, daß ich mich inzwischen zum Islam bekehrt hatte.) ‘Gib uns Nachricht, Abu Muhammad! Wir haben vernommen, der Verderber (Muhammad) sei nach Khaybar gezogen, der Hauptstadt der Juden und Vorratskammer des Hidjaz.' Ich antwortete: ‘Das habe ich auch gehört, und ich bringe euch eine Neuigkeit, die euch Freude machen wird.' Da scharten sie sich um mein Kamel und riefen ungeduldig: ‘Erzähle schnell, Hadjdjadj!' Da sagte ich: ‘Er ist in die Flucht geschlagen worden. Ihr habt noch nie von einer solchen Flucht gehört. Seine Gefährten sind geschlagen, wie ihr noch nie von einer ähnlichen Niederlage gehört habt. Muhammad selbst wurde gefangengenommen. Die Juden wollen ihn aber nicht töten, sondern nach Mekka schicken, damit er mitten unter den Mekkanern getötet werde als Vergeltung für die Mekkaner, die er getötet hat.'

Die Leute machten sich auf und riefen in Mekka aus: ‘Es ist gute Nachricht eingetroffen! Ihr werdet bald sehen, daß euch Muhammad gebracht wird, damit er in eurer Mitte getötet werde!' Ich sagte dann: ‘Helft mir, meine Schulden in Mekka einzutreiben. Ich will nach Khaybar eilen und von der Beute einkaufen, ehe mir andere Kaufleute zuvorkommen.'

Sie machten sich auf und brachten unter größtem Drängen mein Geld zusammen. Ich ging dann zu meiner Gefährtin, der ich Geld in Verwahrung gegeben hatte, und forderte es von ihr, damit ich nach Khaybar gehen und vor den anderen Kaufleuten einkaufen könne, was zum Verkauf angeboten wird.*

* Jesus Christus aber sagt: “Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden” (Matthäus 6,19).

Als al-'Abbas diese Nachricht vernahm, kam er, fand mich in einer der Kaufmannsbuden und sagte: ,Was bringst du für eine Neuigkeit?' Ich fragte ihn: ,Wirst du für dich behalten, was ich dir anvertraue?' Er antwortete: ,Ja.' Da sagte ich: ‘Geh jetzt weg, bis ich dich an einem einsamen Ort treffe. Ich bin gerade, wie du siehst, beschäftigt, mein Geld einzusammeln. Laß mich, bis ich damit fertig bin!' Als ich alles eingezogen hatte und abreisen wollte, begegnete ich al-'Abbas wieder und sagte zu ihm: ‘Halte drei Tage lang geheim, o Abu al-Fadl, was ich dir erzählen werde, denn ich fürchte, daß man mir nachsetzen wird. Später sage, was du willst!' Als al-'Abbas dies versprach, sagte ich: ‘Bei Allah, als ich deinen Neffen (Muhammad) verließ, heiratete er die Tochter ihres Fürsten (gemeint ist Safiyya). Er hat Khaybar erobert und alles, was darin war, erbeutet, und es gehört ihm und seinen Gefährten.' – ,Was sagst du da?' fragte al-'Abbas. Ich antwortete: ‘Es ist so, bei Allah. Halte es aber geheim. Ich selbst bin Moslem geworden und nur gekommen, um mein Geld einzufordern. Ich fürchtete, es möchte mir verlorengehen. In drei Tagen kannst du alles bekannt machen, denn, bei Allah, es steht alles nach deinem Wunsche.'

Am dritten Tag zog al-'Abbas ein gestreiftes Oberkleid an, rieb sich mit wohlriechenden Salben ein, griff nach einem Stock und umkreiste die Ka'ba. Als die Leute ihn sahen, sagten sie: ‘Bei Allah, nehmt Fassung an, es ist wohl ein schwerer Unfall geschehen.' Al-'Abbas erwiderte: ,Keineswegs, bei Allah, bei dem ihr geschworen habt. Muhammad hat Khaybar erobert und ist der Gatte der Tochter ihres Fürsten. Er hat ihre Besitzungen samt allem, was darin ist, erbeutet. Sie gehören jetzt ihm und seinen Gefährten.' Sie fragten: ,Wer hat dir diese Nachricht gebracht?' Er antwortete: ‘Derselbe, der euch die eurige gebracht hat! Er ist als Moslem zu euch gekommen, hat sein Geld eingefordert und ist wieder abgereist, um sich Muhammad und seinen Gefährten anzuschließen.' Da riefen sie: ,O ihr Diener Allahs! Der Feind Allahs ist entronnen. Bei Allah, hätten wir das gewußt, so wären ernste Ereignisse zwischen uns vorgefallen.' Bald darauf kam ihnen diese Nachricht auch von anderer Seite zu.”

8.03.25 -- Von der Teilung der Güter Khaybars

Die Güter von Khaybar, Schaq, Natat und Katiba wurden folgendermaßen geteilt: Schaq und Natat wurden durchs Los unter den Moslems verteilt. Katiba galt als der fünfte Teil für Allah, den Propheten, seine Verwandten, die Waisen und die Armen, ferner für den Unterhalt der Gattinnen Muhammads und derjenigen, die den Frieden mit Fadak vermittelt hatten. Zu den letzteren gehörte Muhayyisa, dem Muhammad dreißig Ladungen Gerste und dreißig Ladungen Datteln schenkte. Die Beute von Khaybar wurde unter all jenen verteilt, die den Zug von Hudaibiyya mitgemacht hatten – auch wenn sie bei Khaybar nicht zugegen waren. Es fehlte nur Djabir ibn Abd Allah ibn Amr ibn Haram.

Khaybar hatte zwei Täler: Surair und Khas. Diese bildeten die Güter Schaq und Natat, die in achtzehn Lose zerfielen. Natat in fünf und Schaq in dreizehn. Sie wurden in 1800 Teile geteilt, denn es hatten sich 1400 Mann, darunter 200 Reiter, an dem Feldzug beteiligt. Die Reiter erhielten drei Teile, einen Teil für den Mann und zwei für das Pferd. Je hundert Mann, die ein Oberhaupt hatten, bildeten eine Einheit für ein Los.

Hierauf verteilte Muhammad Katiba, also das Tal Khas, unter seinen Verwandten, seinen Frauen und anderen Männern und Frauen der Gläubigen. Seine Tochter Fatima erhielt 200 Ladungen Getreide; Ali 100; Usama ibn Zaid 250; Aischa 200; Abu Bakr 100; Aqil, der Sohn Abu Talibs, 140; die Söhne Dja'fars 50; Rabi'a ibn al-Harith 100; Salt ibn Makhrama und seine beiden Söhne 100; davon 40 für Salt; Abu Nabiqa 50; Rukana ibn Abd Jazid 50; Qays ibn Makhrama 30; Abu al-Qasim ibn Makhrama 40; die Töchter des Ubaida ibn al-Harith und eine Tochter des Husain ibn al-Harith 100 die Söhne des 'Ubaid ibn Abd Jazid 60; ein Sohn des Aus ibn Makhrama 30; Mistah ibn Uthatha und Ibn Ilyas 50; Umm Rumaitha 40; Nua'im ibn Hind 30; Buhaina, die Tochter al-Hariths, 30; Udjair ibn Abd Jazid 30; Umm al-Hakam, die Tochter des Zubair ibn Abd al-Muttalib, 30; Djumana, die Tochter Abu Talibs, 30; Umm al-Arkam 50; Abd al-Rahman ibn Abu Bakr 40; Hamna, die Tochter Djahschs, 30; Umm Zubair 40; Dubaa, die Tochter Zubairs, 40; Ibn Abi Khunais 30; Umm Talib 40; Abu Basra 20; Numaila al-Kalbi 50; Abd Allah ibn Wahb und seine beiden Söhne 90, davon 40 für die Söhne; Umm Habib, die Tochter Djahschs, 30; Malku ibn Abda 30 und seine eigenen Frauen 700.*

* Die Moslems lebten nun vom Vermögen der Juden, besonders da seit dem Friedensschluß von Hudaibiyya keine Raubüberfälle auf die Karawanen Mekkas mehr möglich waren.

8.03.26 -- Die Geschichte des Abd Allah ibn Sahl

Die Juden blieben in Khaybar, und die Moslems fanden an ihrem Benehmen nichts zu tadeln, bis sie – trotz des mit Muhammad geschlossenen Bündnisses – der Ermordung von Abd Allah ibn Sahl verdächtigt wurden. Zuhri und Buschair ibn Yasar, ein Freigelassener der Banu Haritha, haben mir von Sahl ibn Abi Khathma berichtet, Abd Allah ibn Sahl sei in Khaybar ermordet worden. Er war mit einigen Gefährten hingegangen, um Datteln zu holen. Er wurde später mit gebrochenem Genick in einer Zisterne gefunden. Man zog ihn heraus und beerdigte ihn.

Als die Gefährten zu Muhammad zurückkehrten und ihm die Sache berichteten, trat Abd Allahs Bruder Abd al-Rahman vor ihn mit seinen beiden Vettern Huwayyisa und Muhayyisa, den Söhnen Mas'uds. Abd al-Rahman, dem die Blutrache als nächstem oblag, war der Jüngere von den dreien, dennoch der Kühnste seines Volkes. Als er vor seinen Vettern sprechen wollte, sagte Muhammad: “Das Alter! Das Alter!” Er schwieg daher, bis seine Vettern gesprochen hatten. Dann sprach auch er von dem begangenen Mord. Da fragte Muhammad: “Könnt ihr den Mörder nennen und eure Aussage mit fünfzig Eiden beschwören? Dann wollen wir euch den Mörder ausliefern.” Sie versetzten: “Wir können nicht beschwören, was wir nicht wissen.” – “Nun,” meinte Muhammad, “so sollen die Juden fünfzig Eide schwören, daß sie ihn nicht getötet haben und den Mörder nicht kennen. Dann lastet sein Blut nicht mehr auf ihnen.” Darauf erwiderten sie: “Wir nehmen von Juden keinen Eid an, denn ihr Unglaube ist bereits ein größeres Verbrechen als ein Meineid.” Muhammad gab Abd al-Rahman dann hundert Kamele von seinem Vermögen als Blutsühne.

8.03.27 -- Die spätere Verbannung der Juden von Khaybar (nach 636 n.Chr.)

Ich habe Ibn Schihab gefragt, in welcher Weise Muhammad den Juden von Khaybar ihre Dattelpflanzungen überlassen habe. Ob er sie ihnen nur gegen eine Grundsteuer bis zu seinem Tode geliehen habe oder ob er sie ihnen aus irgendeinem Grunde vertraglich überlassen hat. Er antwortete mir: “Muhammad hat Khaybar auf einem Kriegszug erobert. Allah hat ihm Khaybar als Beute geschenkt. Muhammad hat den fünften Teil genommen und vier Teile unter den Gläubigen verteilt. Die Juden hatten sich unterworfen und waren bereit auszuwandern. Muhammad sagte zu ihnen: ,Ich will euch auf euren Gütern lassen und euch garantieren, was euch Allah gegeben hat, wenn ihr eure Güter bebauen und den Ertrag mit uns teilen wollt.' Die Juden nahmen diesen Vorschlag an. Muhammad sandte Abd Allah ibn Rawaha, um den Ertrag zu teilen, der in seiner Schätzung gerecht verfuhr.”

Als Muhammad starb, bestätigte Abu Bakr diesen Vertrag. Das gleiche tat Umar in der ersten Zeit seiner Regierung. Dann kam es ihm zu Ohren, Muhammad habe während seiner letzten Krankheit gesagt, es sollten auf der Arabischen Halbinsel keine zwei Religionen bestehen. Damit meinte Muhammad, daß der Islam in seiner Heimstätte keine andere Religion duldet. Umar forschte nach, und als sich diese Rede bestätigte, ließ er den Juden sagen: “Allah hat mir erlaubt, euch zu verbannen, denn Muhammad hat gesagt, es sollten keine zwei Religionen in Arabien nebeneinander bestehen. Wer einen Vertrag mit Muhammad aufweisen kann, der bringe ihn mir, und ich werde ihn bestätigen. Wer das nicht kann, der bereite sich zur Auswanderung vor!” Umar verbannte dann alle Juden, die keinen Vertrag hatten.*

* Dasselbe Schicksal erlitten die Christen im Wadi Nadjran, die auch einen Vertrag mit Muhammad besaßen. Sie wurden später von Umar – trotz ihres Vertrages – auf Grund unbewiesener Verdächtigungen vertrieben.

Nafi', ein Freigelassener des Abd Allah ibn Umar, hat mir dessen Erzählung berichtet: “Ich ging mit Zubair und Miqdad, um unsere Güter in Khaybar zu besuchen. In der Nacht, als ich auf meinem Bett schlief, wurde ich überfallen. Meine beiden Hände wurden mir aus den Gelenken gerissen. Am Morgen schrien meine Gefährten um Hilfe und fragten mich, wer mir dies angetan habe. Ich sagte, ich wisse es nicht. Sie renkten mir dann die Hände ein und brachten mich zu Umar. Umar rief: ‘Das ist das Werk der Juden!' Er hielt dann folgende Kanzelrede: ,O ihr Leute! Muhammad hat sich bei seinem Vertrag mit den Juden vorbehalten, daß wir sie vertreiben können, sobald wir wollen. Sie haben nun Abd Allah ibn Umar überfallen, ihm die Hände aus den Gelenken gerissen und – wir ihr wißt – schon früher einen Hilfsgenossen getötet. Sie sind ohne Zweifel die Mörder, denn wir haben außer ihnen dort keine Feinde. Wer daher Güter in Khaybar hat, mag sich dort hinbegeben, denn ich werde die Juden von dort endgültig vertreiben.' Das tat er auch bald.”

Sufyan ibn 'Uyayna hat mir von al-Adjlah berichtet, er habe von Scha'bi gehört: “Dja'far, der Sohn Abu Talibs, kam am Tage der Eroberung Khaybars bei Muhammad an. Muhammad küßte ihn zwischen den Augen, umarmte ihn und sagte: ,Ich weiß nicht, worüber ich mich mehr freuen soll, über die Eroberung Khaybars oder die Ankunft Dja'fars.'”

Folgende Auswanderer waren in Abessinien geblieben, bis Muhammad ihnen Amr ibn Umaiyya al-Damri schickte, der sie auf zwei Schiffen herüberbrachte und gerade mit ihnen ankam, als Muhammad nach dem Zuge von Hudaibiyya in Khaybar war: Dja'far mit seiner Gattin Asma' und seinem, in Abessinien geborenen, Sohn Abd Allah und 16 andere Männer mit ihren Familien. Der Nadjaschi hatte sie auf zwei Schiffen durch Amr ibn Umaiyya zurückbringen lassen.*

* Die ausgewanderten Moslems kamen aus Abessinien zurück, nachdem der Islam eine gesicherte Machtposition in Medina erlangt hatte und die sozialen Verhältnisse dort befriedigend erschienen. Sie haben bei den Christen in Abessinien Unterschlupf gefunden und kamen gestärkt mit neuen Ideen zu Muhammad zurück.

8.04 -- Vor der Eroberung Mekkas (629 n.Chr.)

8.04.1 -- Die vertragsgemäße Wallfahrt (März 629 n.Chr.)

Nach der Rückkehr von Khaybar blieb Muhammad die beiden Monate Rabi'a (3. und 4. Monat) und Djumada (5. und 6. Monat) und die vier folgenden in Medina und ordnete in dieser Zeit mehrere Streifzüge an. Im Dhu al-Qa'da (11. Monat), in dem Monat, in welchem ihm die Ungläubigen früher nicht gestattet hatten, nach Mekka zu reisen, unternahm er die vertragsgemäße Wallfahrt. Über Medina setzte er Uwaif ibn al-Adbat al-Dili. Sie wird auch “Vergeltungswallfahrt” genannt, weil Muhammad in diesem heiligen Monat durch seine Wallfahrt vergalt, was ihm im vorhergehenden Jahr nicht gestattet worden war. Die Moslems, denen früher die Wallfahrt mit ihm untersagt blieb, schlossen sich ihm an, und die Bewohner Mekkas verließen die Stadt, als sie von seinem Anmarsch vernahmen. Die Quraisch sagten untereinander: “Muhammad und seine Gefährten werden in Not, Mangel und Bedrängnis geraten.”

Viele Mekkaner stellten sich vor dem Rathaus in Reih' und Glied auf, um beobachten zu können, was Muhammad und seine Gefährten tun würden. Als Muhammad das Heiligtum betrat, warf er seinen Mantel auf die linke Schulter, und sein rechter Arm wurde dadurch sichtbar. Er sagte: “Allah sei dem Manne gnädig, den er ihnen heute in seiner Stärke zeigt!” Er umfaßte dann den Pfeiler und ging hüpfend heraus. Seine Gefährten sprangen ihm nach, bis ihn die Ka'ba vor ihnen verbarg. Dann umfaßte er den Pfeiler nach Jemen hin und hernach den schwarzen Stein. Auf diese Weise machte er dreimal springend die Runde und ging nachher wieder langsam. Die Leute glaubten, sie hätten dieses Verhalten nicht zu befolgen. Muhammad habe sich nur wegen der Quraisch so benommen, wegen alledem, was er von ihnen gehört hatte. Als Muhammad sich jedoch bei der Abschieds-Pilgerfahrt genauso verhielt, wurde es heiliger Brauch, dessen Praxis von jedem Moslem erwartet wird.*

* Muhammad nahm Grundbestandteile des animistischen Ka'bakultes in den Islam auf. Wahrscheinlich hatte er mit den Abgeordneten der Quraischiten in den Verhandlungen von Hudaibiyya diesen Kompromiß ausgehandelt, um die Mekkaner auf friedliche Weise für den Islam zu gewinnen. Er wollte ihnen die Ehre des Kultzentrums und ihre wichtigste Einnahmequelle erhalten. Der Wahrheit seiner Religion und der Einheit Allahs tat das in seinen Augen keinen Abbruch. Sein Hauptziel, die Machtergreifung auch in Mekka, hatte er erreicht – auch wenn es auf Kosten der Wahrheit ging!

8.04.2 -- Muhammads Einzug in Mekka bei seiner Wallfahrt (März 629 n.Chr.)

Als Muhammad bei dieser Wallfahrt seinen Einzug in die Stadt hielt, führte Abd Allah ibn Rawaha sein Kamel und sprach dabei folgende Verse:

Geht ihm aus dem Weg,
ihr Söhne der Ungläubigen!
Macht Platz! Alles Gute haftet an dem Gesandten.
O Allah! Ich glaube seine Worte.
Ich erkenne göttliche Wahrheit an seinem Wesen.
Wir bekämpfen euch wegen der Deutung des Qur’ans
nicht minder als wegen der Offenbarung selbst, mit Hieben,
welche die Häupter von ihrem Ruheplatz verscheuchen
und den Freund seinen Freund vergessen machen.

Die letzte Hälfte hat 'Ammar ibn Yasir an einem andern Tage gedichtet. Der Beweis dafür, daß Abd Allah die Ungläubigen meinte, ist der, daß sie nicht an die Offenbarung glaubten. Nur wer an sie glaubt, kann wegen ihrer Deutung bekämpft werden.

8.04.3 -- Muhammads Vermählung mit Maimuna in Mekka (März 629 n.Chr.)

Muhammad hat auf dieser Reise, also noch im Pilgerstand, Maimuna, die Tochter Hariths, geheiratet. Al-'Abbas hat sie mit ihm verheiratet. Sie hatte ihre Schwester Umm al-Fadl als Vormund angenommen. Diese hatte die Vormundschaft al-'Abbas überlassen, der sie Muhammad zur Frau gab und ihr an seiner Statt 400 Dirham als Morgengabe überreichte.*

* Die Pilgerfahrt hatte bei Muhammad nichts mit Enthaltsamkeit zu tun, sondern mit Machtausweitung. Er wollte seinen animistischen Onkel 'Abbas in den Islam hineinziehen und vermehrt an sich binden.

8.04.4 -- Muhammads Abreise aus Mekka und Rückreise nach Medina (März und April 629 n.Chr.)

Muhammad verweilte drei Tage in Mekka. Dann kam Huwaitib ibn Abd al-'Uzza mit einer Anzahl Quraischiten, um ihn in ihrem Namen zum Abzug zu mahnen. Sie sagten zu ihm: “Deine Zeit ist abgelaufen. Verlasse uns jetzt!” Muhammad antwortete: “Was schadet es euch, wenn ihr mich meine Vermählung noch in eurer Mitte feiern laßt, und ich ein Mahl bereite, dem ihr beiwohnen könnt?” Sie antworteten: “Wir brauchen dein Mahl nicht, entferne dich!” Muhammad zog ab. Er ließ seinen Freigelassenen Abu Raafi' bei Maimuna zurück, der sie ihm nachbrachte, als er in Sarif war, wo er die Ehe mit ihr vollzog. Im Dhu al-Hidjdja (12. Monat) kam Muhammad nach Medina zurück.

8.04.5 -- Der Feldzug nach Mu'ta*: der erste Feldzug gegen die christlichen Oströmer (September 629)

Muhammad brachte den übrigen Teil von Dhu al-Hidjdja (12. Monat) in Medina zu und überließ die Pilgerfahrt den Ungläubigen. Dann verbrachte er auch noch die Monate Muharram (1. Monat), Safar (2. Monat) und die beiden Rabi'a in Medina. Im Djumada al-Ula (5. Monat) fand die Sendung (Feldzug) nach Syrien statt, welche die Niederlage bei Mu'ta zur Folge hatte.

* "Mu'ta" ist ein Dorf, etwas südlich der christlichen Stadt Busra, die ca. 980 km nordwestlich von Medina und ca. 45 km südöstlich des Sees Genezareth im Westjordanland liegt.

Die Sendung nach Mu'ta fand im Djumada al-Ula (5. Monat) des achten Jahres nach der Auswanderung statt. Muhammad ernannte Zaid ibn Haritha zum Anführer und sagte: “Wenn Zaid getötet wird, so sei Dja'far, der Sohn Abu Talibs, sein Nachfolger. Fällt auch dieser, so trete Abd Allah ibn Rawaha an seine Stelle.” Die Truppen, 3000 Mann stark, trafen ihre Vorbereitungen. Als sie ausgerüstet und marschfertig waren, verabschiedeten sich die Zurückbleibenden von ihnen. Als sie sich auch von Abd Allah ibn Rawaha wie von den anderen Häuptern verabschieden wollten, weinte er. Als man ihn nach der Ursache fragte, antwortete er: “Bei Allah, ich hänge nicht an dieser Welt. Auch weine ich nicht aus Liebe zu euch. Ich habe jedoch gehört, wie Muhammad einen Qur’anvers rezitierte, in dem von der Hölle die Rede ist.” Er lautet: “Ein jeder von euch (Moslems) wird in sie hineinkommen! Dies ist eine unausweichliche Bestimmung, die dein Herr durchführen muß” (Sure Maryam 19,71). “Ich weiß aber nicht, wie ich wieder herauskomme, wenn ich einmal darin bin.”* Die zurückbleibenden Gläubigen sagten: “Allah sei mit euch! Er beschütze euch und bringe euch in Frömmigkeit wieder zu uns!”

* Muhammad hat seinen Anhängern mit der Hölle gedroht und möglicherweise im Zorn gesagt: “Ihr alle kommt in sie hinein!” Er fügte später hinzu, daß Allah diejenigen, die ihre religiösen Pflichten genau erfüllen, Gutes tun, im Heiligen Krieg kämpfen und bereit sind als Märtyrer fallen, wieder daraus befreie.
Was für eine Religion! Der Qur’an konstatiert grundsätzlich, daß alle Moslems in die Hölle kommen. Diese Aussage stammt nicht von den Gegnern des Islam, sondern ist eine juristische Konsequenz aus dem islamischen Gesetz. Kein Moslem erfüllt alle Forderungen der Schari’a vollkommen. Deshalb erwartet jeden Moslem unausweichlich die Verurteilung. Alle Moslems kommen in die Hölle. Sie kommen alle in die Hölle! Dieser Vers ist eine der grauenvollsten Offenbarungen des Qur’ans. Jedermann sollte erschüttert begreifen, was hier ausgesagt ist.
Jesus hat eine andere Botschaft gebracht. Er offenbarte: “Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes” (Johannes 3,16-18). Jesus bezeugt diese Tatsache wiederholt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch. Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen” (Johannes 5,24).

Abd Allah dichtete hierauf:

Doch ich, ich flehe Allah an um seine Gnade,
und um Hiebe, die dem Feinde ein Ende machen
und schäumendes Blut hervorspritzen lassen,
oder um Stiche von freien Händen,
gegen den Feind gerichtet,
mit einer Lanze, die Leber und Eingeweide durchbohrt,
so daß dem, der einst an meinem Grabe vorübergeht,
gesagt werden soll: “Allah hat ihn auf den rechten Weg
als Krieger geleitet, und er wandelte darauf.”

Als die Truppen nach Ma'an* in Syrien kamen, vernahmen sie, Heraklius lagere mit 100.000 Griechen in Ma'ab in der Provinz Balqa'**. Ihnen hätten sich noch 100.000 Beduinen von Lakhm, Djudham al-Qayn, Bahra' und Baliyy angeschlossen.*** Sie ständen unter dem Befehl eines Mannes von Baliyy, vom Zweige Irascha, der Malik ibn Zaafila heiße. Die Moslems blieben zwei Tage in Ma'an, um zu überlegen, was sie tun sollten. Schließlich sagten sie: “Wir wollen Muhammad benachrichtigen. Er soll uns entweder Verstärkung schicken oder sonst einen Befehl erteilen, den wir ausführen sollen.” Abd Allah ermutigte aber die Leute und sagte: “Was ihr fürchtet, habt ihr ja gesucht, nämlich den Märtyrertod. Wir bekämpfen ja den Feind nicht mit unserer Zahl und Stärke, sondern mit dem Glauben, mit dem uns Allah geehrt hat. Darum zieht weiter! Es erwartet uns einer von zwei Glücksfällen: Entweder der Sieg oder der Märtyrertod.” Daraufhin zog man weiter.

* "Ma'an", ein Ort im Süden des heutigen Jordanien, liegt ca. 770 km nordwestlich von Medina.
** "Balqa'" ist eine Region östlich des Toten Meeres im Transjordanland, das, biblisch betrachtet, den nördlichen Teil Edoms und ganz Moab umfaßt.
*** Die genannten Zahlen dürften stark übertrieben sein. Streicht man einige Nullen, so könnten sie der Realität eher entsprechen.

8.04.6 -- Der Zusammenstoß mit den christlichen Oströmern in Mu'ta (September 629 n.Chr.)

Als die Truppen an die Grenze von Balqa' kamen, traten ihnen in dem Ort Maschaarif die Scharen des Heraklius entgegen. Die Moslems zogen sich, als der Feind näher kam, bis Mu'ta* zurück. Dort kam es zum Kampf. Die Moslems stellten sich in Schlachtordnung auf. Ihre Rechte befehligte Qutba ibn Qatada, von den Banu 'Udhra, ihre Linke 'Ubaaya ibn Malik, ein Hilfsgenosse. Zaid ibn Haritha** trug während der Schlacht das Banner des Propheten, bis er den feindlichen Lanzen erlag. Dann ergriff es Dja'far, und als der Kampf immer heißer wurde, sprang er von seiner braunen Stute herunter, lähmte sie und kämpfte, bis er erschlagen wurde. Dja'far war der erste Moslem, der sein Pferd lähmte.

* "Mu'ta" liegt ca. 980 km nordwestlich von Medina und ca. 45 km südöstlich des Sees Genezareth im Westjordanland.
** Zaid ibn Haritha war ein Freigelassener Muhammads, den er an Sohnes statt angenommen hatte. Er war einer der ersten Muslime (siehe 5.5). Muhammad begehrte die Ehefrau seines Adoptivsohnes Zaid und hat sie schließlich zu seiner eigenen Frau gemacht (siehe 26.2).

Ein zuverlässiger Gelehrter hat mir berichtet: “Dja'far nahm zuerst das Banner in die rechte Hand. Als sie ihm abgehauen wurde, trug er es in der linken. Als auch diese abgehauen worden war, hielt er es mit beiden Armen fest, bis er erschlagen wurde. Dja'far war erst 33 Jahre alt, und Allah gab ihm dafür zwei Flügel, mit denen er im Paradies nach Lust umherfliegt. Es wird behauptet, ein Grieche habe ihn mit einem Hieb in zwei Hälften gehauen.”

Als Dja'far getötet worden war, ergriff Abd Allah ibn Rawaha das Banner sowie das Schwert, trat vor und kämpfte, bis er (ebenfalls) getötet wurde. Thabit ibn Aqram nahm das Banner und forderte die Truppen auf, einen Führer zu wählen. Man wählte ihn, aber er nahm die Wahl nicht an, worauf man Khalid ibn al-Walid wählte. Dieser ergriff das Banner, wehrte den Feind ab und schonte die Seinigen, indem er sich zurückzog. Der Feind entfernte sich ebenfalls, so daß er das Heer heimführen konnte.

8.04.7 -- Muhammad verkündet die Niederlage

Nach der Niederlage rief Muhammad: “Zaid hat das Banner getragen und gekämpft, bis er erschlagen wurde. Dann trug es Dja'far, bis er ebenfalls als Märtyrer starb.” Nun schwieg Muhammad, so daß sich die Gesichter der Hilfsgenossen entstellten, weil sie fürchteten, über Abd Allah etwas Unangenehmes zu hören. Muhammad fuhr aber bald fort: “Hierauf faßte Abd Allah das Banner und kämpfte, bis auch er als Märtyrer starb. Ich habe sie,” setzte er hinzu, “wie im Traume gesehen, als sie im Paradiese auf goldenen Thronen vor mir in die Höhe gehoben wurden. Ich habe auch bemerkt, daß der Thron Abd Allahs etwas hinter den beiden anderen zurückstand, und als ich nach der Ursache fragte, wurde mir gesagt, weil jene sogleich in den Tod gingen, Abd Allah aber erst nach einigem Zaudern.” Als der Tod Dja'fars ausgerufen wurde, sah Muhammad sehr traurig aus. Da trat ein Mann zu ihm und sagte: “O Gesandter Allahs! Die Frauen machen uns schwach mit ihrem Wehklagen und verführen uns.” Muhammad erwiderte: “Geh zu ihnen und heiße sie schweigen.” Der Mann kam bald wieder, sagte dasselbe und setzte hinzu, sie sagen, dieser Zwang könnte ihnen schaden. Muhammad erwiderte: “Geh nochmals hin und befehle ihnen zu schweigen. Tun sie es nicht, so streue Erde (Sand) in ihren Mund.*”

* Der Apostel Paulus sagt: “Weinet mit den Weinenden” (Römer 12,15). Welch eine Brutalität von Muhammad, zu befehlen, den Trauernden Sand in den Mund zu stopfen, daß sie stille würden! Das Weinen kann auch mit der Absicht unterdrückt worden sein, daß die Trauer sich in Haß und Wut verwandle und zu einem neuen Rachefeldzug dränge.

8.04.8 -- Der Einzug der geschlagenen Truppe in Medina

Khalid befand sich mit seinem Kämpfern auf dem Rückweg nach Medina. Als sie in die Nähe von Medina kamen, ging ihnen Muhammad mit anderen Moslems entgegen. Die Kinder liefen voraus. Muhammad folgte mit den anderen auf einem Maultier. Muhammad befahl: “Nehmt die Kinder zu euch und gebt mir den Sohn Dja'fars!” Man brachte ihm Abd Allah ibn Dja'far, und er trug ihn vor sich her. Die Leute warfen mit Erde auf die Truppen und schrien: “O ihr Geflohenen! Ihr habt auf dem Pfade Allahs die Flucht ergriffen!” Muhammad entgegnete: “Sie sind keine Geflohenen! Sie werden, so Allah will, den Angriff wiederholen.*”

* Die totale Niederlage der Moslems bei Mu'ta sollte sie zur Blutrache zwingen und zur späteren Eroberung Syriens und Ägyptens antreiben.

8.05 -- TEST

Lieber Leser,
wenn Sie dieses Heft aufmerksam studiert haben, können Sie die folgenden Fragen leicht beantworten. Wer 90 Prozent der Fragen in den elf Heften dieser Reihe richtig beantwortet, kann von unserem Zentrum ein Zeugnis bekommen über:

Fortgeschrittene Studien
zum Leben Muhammads aus der Sicht des Evangeliums

als eine Ermutigung für seine zukünftigen Dienste für Christus.

  1. Was geschah als Ergebnis der Vermählung Muhammads mit Djuwairiyya?
  2. Wie wurde Aischa, die jüngste Frau Muhammads verleumdet? Wie hat Muhammad darauf reagiert?
  3. Warum hat Muhammad eine Pilgerfahrt ins heidnische Mekka unternommen?
  4. Was war der Inhalt des Vertrags Muhammads mit den heidnischen Mekkanern in Hudaibiyya?
  5. Welche Rechte bekamen die Frauen, die Musliminen werden wollten?
  6. Warum hat Muhammad einen Feldzug gegen die Juden in Khaybar unternommen?
  7. Wie ist Muhammad mit den Juden in Khaybar umgegangen?
  8. Welches sind die Bedingungen, die im Friedensschluß von Khaybar genannt wurden?
  9. Warum hat Zainab, die Tochter des al-Harith, versucht, Muhammad zu vergiften?
  10. Warum ist ein Muslim mit gezücktem Schwert beim Zelt Muhammads Wache gestanden, als Muhammad seine Ehe mit der Jüdin Safiyya vollzog? Was hatte Muhammad mit ihren Angehörigen kurz zuvor getan?
  11. Warum wurden die Juden später aus Khaybar verbannt?
  12. In welchem Zusammenhang wurde die Sure al-Fath (48) geoffenbart?
  13. Wen heiratete Muhammad während seiner vertragsgemäßen Pilgerfahrt nach Mekka?
  14. Was geschah während Muhammads erstem Feldzug gegen die christlichen Oströmer in Mu'ta?

Jeder Teilnehmer an diesem Test darf zur Beantwortung dieser Fragen jedes beliebige Buch, das ihm zur Verfügung steht, benutzen und jede ihm bekannte vertrauenswürdige Person fragen. Wir warten auf Ihre schriftlichen Antworten, inklusive Ihrer vollständigen Adresse auf Papier oder per e-mail. Wir beten für Sie zu Jesus, dem lebendigen Herrn, daß er Sie berufe, sende, leite, stärke, bewahre und mit Ihnen sei an jedem Tag Ihres Lebens!

Im Dienst Jesu verbunden
Abd al-Masih und Salam Falaki

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