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Home -- German -- 04. Sira -- 11 Muhammads last year

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04. DAS LEBEN MUHAMMADS NACH IBN HISCHAM

11 - Das LETZTE JAHR Muhammads -- (632 n.Chr.)

Muhammads Abschiedspilgerfahrt und weiter Feldzüge -- Muhammads letzte Tage, sein Tod und sein Begräbnis



11.01 -- Das letzte Jahr Muhammads (632 n.Chr.)

nach Muhammad Ibn Ishaq (gest. 767 n.Chr.) bearbeitet von Abd al-Malik Ibn Hischam (gest. 834 n.Chr.)

Aus dem Arabischen übersetzt von Dr. Gustav Weil

Eine Auswahl mit Anmerkungen von Abd al-Masih und Salam Falaki

11.02 -- Die Abschiedspilgerfahrt Muhammads und weitere Feldzüge (vor und nach März 632 n.Chr.)

Im Monat Dhu al-Qa'da (11. Monat) traf Muhammad Vorbereitungen für die Pilgerfahrt und befahl den Leuten, das gleiche zu tun. Aischa, die Gattin des Propheten, sagte, Muhammad sei zur Pilgerfahrt abgereist, als noch fünf Nächte von Dhu al-Qa'da (11. Monat) übrig waren. Er setzte Abu Dudjana al-Saa'idi über Medina. Weder Muhammad noch sonst jemand sprach von etwas anderem als von der Pilgerfahrt, bis er nach Sarif kam. Muhammad hatte Opfertiere mit sich geführt, desgleichen mehrere vornehme Männer. Nach dem Besuch der Heiligtümer befahl er den Leuten, aus dem Pilgerstatus herauszutreten. Ausgenommen waren jene, die Opfertiere mit sich führten. Ich war an jenem Tag unrein* und weinte, als Muhammad zu mir hereintrat. Er fragte: “Was hast du, Aischa? Bist du etwa unrein?” Ich antwortete: “Ja, bei Allah, ich wollte, ich wäre dieses Jahr gar nicht mit euch gereist!” Muhammad erwiderte: “Sage dies nicht! Du kannst alles verrichten, was andere Pilger verrichten, nur nicht die Ka'ba umkreisen.” Muhammad zog dann in Mekka ein. Wer keine Opfertiere mitgebracht hatte, trat aus dem Pilgerstatus heraus, und dies taten auch seine Frauen.

* Wenn eine Frau ihre Tage hat, gilt sie im Islam wie im Judentum als unrein und darf nicht mehr an allen kultischen Veranstaltungen teilnehmen. Der Islam erkennt nicht, daß biologische Abläufe nichts mit geistlicher Reinheit oder Unreinheit zu tun haben.

Am Opfertag brachte man mir viel Rindfleisch in mein Zelt. Ich fragte: “Was ist das?” Man antwortete mir: “Muhammad hat für seine Frauen Rinder geschlachtet.” In der Nacht des Steinewerfens* sandte mir Muhammad meinen Bruder Abd al-Rahman, der mich von Tan'im aus die mir entgangenen Wallfahrtsplätze besuchen ließ. Hafsa, eine andere Frau Muhammads, sagte: “Als Muhammad seinen Frauen befahl, nach der Wallfahrt aus dem Pilgerstand herauszutreten, fragten wir: ,Und was hindert dich, dasselbe zu tun?’ Er antwortete: ,Ich habe Opfertiere mitgeführt und meine Haare in Zöpfen geflochten. Ich kann erst aus dem Pilgerstand heraustreten, wenn ich meine Opfertiere geschlachtet habe.’”

* Das Steinewerfen während der Pilgerfahrt war nicht obligatorisch und stammte aus der vorislamischen Zeit. Dem Brauch des Propheten folgend begeben sich die Pilger am Tag nach dem Opferfest nach Mina, um dort Satan zu steinigen. Diese Zeremonie soll der Abreaktion des Hasses gegen alles Böse dienen. Gleichzeitig aber ist sie ein Versuch, den satanischen Geist des Islam und seine antichristliche Grundhaltung zu verdrängen.

11.02.1 -- Das Zusammentreffen Alis mit Muhammad

Abd Allah ibn Abi Nadjih hat mir berichtet, Muhammad habe Ali nach Nadjran* geschickt. Ali traf Muhammad in Mekka, auch er war im Pilgerstand. Als er zu Fatima, der Tochter Muhammads, kam, sah er, daß sie aus dem Pilgerstand herausgetreten war und sich geputzt hatte. Da fragte er sie: “Was hast du, Tochter des Gesandten Allahs?” Sie antwortete: “Muhammad hat uns befohlen, nach dem Besuch der Heiligtümer das Pilgertuch abzulegen, und deshalb haben wir es abgelegt.” Er begab sich hierauf zu Muhammad. Als er mit seinem Reisebericht zu Ende war, befahl ihm Muhammad: “Geh, umkreise die Ka'ba und lege dann, wie deine Gefährten, das Pilgergewand ab!” Da antwortete Ali: “Ich habe mich, wie du, geweiht.” Muhammad wiederholte: “Geh und lege dein Pilgertuch ab wie deine Gefährten!” Da sagte Ali: “O Gesandter Allahs, ich habe, als ich das Pilgertuch umwarf, geschworen: ,Allah, ich weihe mich dir, wie sich dein Prophet, dein Diener und Gesandter Muhammad dir geweiht hat!’” Muhammad fragte ihn hierauf, ob er Opfertiere mit sich führe und als Ali verneinte, gab er ihm einige von seinen. Ali blieb im Pilgerstand, bis die Pilgerfahrt zu Ende war. Muhammad schlachtete die Opfertiere im Namen beider.**

* "Nadjran" liegt ca. 640 km südöstlich von Mekka und grenzt an den nördlichen Teil des Jemen an.
** Eigenartigerweise hat der Islam den Opferritus im Rahmen der Pilgerfahrt übernommen, aber ohne jeglichen Sühnecharakter. Der Islam leugnet die Möglichkeit eines stellvertretenden Opfers, um damit die Möglichkeit der Stellvertretung Christi als Lamm Gottes für die Sünden der Welt zu annullieren. Das Opfer im Islam ist seiner eigentlichen Bedeutung entleert worden und stellt ein Gleichnis für den ganzen Islam dar. Er ist leer, ohne Rettung für verlorene Sünder.

Als Ali aus dem Jemen zurückkehrte, um Muhammad in Mekka zu treffen, setzte er einen seiner Gefährten über die Truppen, die er mit sich führte. Dieser Mann ging in das Kleidermagazin, das Ali mit sich führte und gab jedem seiner Leute ein Gewand. Als er sich der Stadt näherte, ging ihm Ali entgegen. Er sah die Kleider der Leute und rief: “Wehe dir! Was ist das?” Der Gefährte antwortete: “Ich habe die Gruppe bekleidet, damit sie schöner vor den Leuten erscheint.” Ali rief: “Wehe dir! Ziehe sie ihnen wieder aus, ehe du mit ihnen vor Muhammad erscheinst!” Er nahm den Leuten die Kleider wieder weg und legte sie in das Magazin zurück. Die Soldaten zeigten sich über dieses Vorgehen unzufrieden. Als sie sich über Ali beklagten, bestieg Muhammad die Kanzel, und ich hörte, wie er sagte: “O ihr Leute, klagt Ali nicht an! Bei Allah, in bezug auf die Religion Allahs hat er kaum seinesgleichen, der so streng und strikt wäre wie er.”

11.02.2 -- Muhammads Kanzelrede bei der Abschiedspilgerfahrt (März 632 n.Chr.)

Auf dieser Pilgerfahrt zeigte Muhammad den Leuten die heiligen Gebräuche und Zeremonien der Pilgerfahrt und hielt eine Predigt, in der er noch manches erklärte. Nachdem er Allah gelobt und gepriesen hatte, sagte er: “O ihr Leute, hört meine Worte, denn ich weiß nicht, ob ich euch in einem andern Jahr nochmals hier treffe. O ihr Leute, haltet euer Gut und euer Blut heilig*, bis ihr eurem Herrn begegnet, so heilig, wie euch dieser Tag und dieser Monat ist; denn ihr werdet einst eurem Herrn begegnen, und er wird euch nach euren Werken fragen.**

* Der Begriff “heilig” bedeutet im Islam nicht “sündlos, rein und gut” wie in der Bibel, sondern “abgesondert,” “unantastbar” und “unerlaubt für Außenstehende.”
** Allah fragt im kommenden Gericht nicht nach den Absichten und dem Glauben der Moslems, sondern nach ihren Werken. Auch Christus wird beim Jüngsten Gericht ein Urteil nach unseren Taten fällen (Matthäus 25,31-46). Der Unterschied liegt jedoch darin, daß Jesus seine Gemeinde, die an ihn glaubt, durch sein Blut gereinigt und gerechtfertigt hat, während der Islam keine Rechtfertigung und Versöhnung mit Gott kennt. Deshalb werden alle Moslems im Gericht schuldig gesprochen. Dabei wird auch ihr eigenes Gesetz, die Schari’a, sie verklagen und ihren Mangel an Werken aufzeigen. Diese bestehen weitgehend in der Erfüllung der Anbetungspflichten, in Moscheebauten und karitativen Hilfen. Der Islam kennt keine Früchte des Heiligen Geistes, die allein im Gericht Gottes anerkannt werden, wie Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galater 5,22-23).

Ich habe euch alles offenbart. Wer anvertrautes Gut hat, der gebe es dem zurück, der es ihm anvertraut hat. Jeder Wucherzins ist verboten, euer Kapital jedoch bleibt euch erhalten. Tut niemand Unrecht, dann geschieht euch auch kein Unrecht. Allah hat beschlossen, daß kein Zins bezahlt werde* und daß alle Zinsforderungen des 'Abbas ibn Abd al-Muttalib nichtig seien.

* Zinsnehmen ist im Islam verboten. Dagegen werden Darlehensgeber am Gewinn und Verlust beteiligt und nehmen Einsicht in die letzten Familien- und Betriebsgeheimnisse.

Auch soll für kein Blut Rache genommen werden, das noch im Heidentum vergossen wurde.* Das erste Blut, das ungesühnt bleiben soll, ist das des Ibn Rabi'a ibn al-Harith ibn Abd al-Muttalib. Er wurde bei den Banu Laith erzogen und von Hudhailiten getötet. Es ist das erste Blut aus der Zeit des Heidentums, für das keine Sühne verlangt werden soll.

* Die Pflicht zur Rache wegen Vergehen aus der Zeit des Heidentums wurde im Islam gelöscht, aber nicht die Möglichkeit zur Rache für Vergehen nach dem Erscheinen Muhammads. Das Gesetz der Vergeltung bleibt ein legaler Teil der Schari’a.

Sodann, ihr Leute, Satan gibt die Hoffnung auf, in eurem Lande je wieder angebetet zu werden. Wenn man ihm aber im übrigen noch folgt, so ist er doch zufrieden mit dem, was an euren Werken schlecht ist. Darum hütet euch vor ihm in eurem Glauben!

O ihr Leute, die Verschiebung der heiligen Monate ist ein weiterer Unglaube, in dem die Ungläubigen irren. Sie erklären einen Monat, ein Jahr, für unheilig und ein Jahr für heilig, um die Zahl des von Allah Geheiligten auszugleichen.* Aber sie entweihen, was Allah geheiligt hat und heiligen, was Allah nicht geheiligt hat. Die Zeit hat ihren Kreislauf vollbracht, wie sie am Tage war, als Allah Himmel und Erde geschaffen hat. Die Zahl der Monate vor Allah ist zwölf, davon sind vier heilig, drei folgen aufeinander, dann Radjab (7. Monat) Mudhar, zwischen Djumada (5. oder 6. Monat) und Scha'ban (8. Monat).

* Muhammad tadelte die Einschiebung der Schaltjahre. Er meinte, die Ungläubigen erklärten einige Monate im Schaltjahr für profan, andere im Normaljahr für heilig. Deshalb gilt im Islam der Mondkalender, der sich in jedem Sonnenjahr um etwa 11 Tage verschiebt.

Sodann, o ihr Leute! Ihr habt Rechte über eure Frauen, und sie haben Rechte an euch. Ihr könnt von ihnen fordern, daß sie eure Matten nicht herrichten für einen, der euch unangenehm ist, und daß sie keinen offenkundigen Ehebruch begehen. Tun sie es, so erlaubt euch Allah, euch fern von ihrem Bett zu halten und sie mit Mäßigung zu züchtigen. Lassen sie aber davon ab, so seid ihr ihnen gute Kost und Kleidung schuldig. Behandelt die Frauen gut, sie sind eure Gehilfinnen und vermögen nichts durch sich selbst. Ihr habt sie als ein von Allah anvertrautes Gut genommen und durch göttliche Worte von ihnen Besitz ergriffen.*

* Frauen werden im Islam oft nur wie ein Besitz geachtet. Sie sind zwar keine Sklavinnen, sind aber nur halb so viel wert wie die Männer. Die Aussage zweier Frauen vor Gericht entspricht dem Zeugnis eines Mannes (Sure al-Baqara 2,282). Außerdem hat der Mann das Recht zur Züchtigung gegenüber seiner Frau, wenn er vermutet, daß seine Frau gegen ihn widerspenstig wird (Sure al-Nisa' 4,34).

Überlegt, o ihr Leute, meine Worte! Ich habe meine Sendung vollbracht und hinterlasse euch viel, daß, wenn ihr euch daran haltet, ihr nie irregehen werdet: Eine klare Weisung, das Buch Allahs und das Beispiel seines Propheten.*

* Der Qur’an und die Sunna (das Vorbild Muhammads) sind die beiden Hauptquellen der Schari’a.

O ihr Leute, hört und überlegt meine Worte! Wißt, daß jeder Moslem ein Bruder des andern ist. Alle Moslems sind Brüder. Keinem ist gestattet, von seinem Bruder etwas zu nehmen, was dieser ihm nicht mit gutem Willen gibt. Begeht kein Unrecht gegen euch selbst!”

“Allah, habe ich nicht meiner Sendung Genüge getan?”

Die Leute antworteten darauf: “O Allah, ja!” Muhammad sagte darauf: “Allah, sei der Zeuge!”*

* Die letzte große Rede Muhammads bei seiner Abschiedswallfahrt brachte den Moslems keine Verheißung, kein Heil, keine Vergebung, keine Rettung und keine Kraft. Sie vertiefte lediglich die Gesetze, Rechte, Pflichten, Gebote und Verbote. Er predigte nur Triviales und Äußerliches und hinterließ eine innere Leere und Hoffnungslosigkeit in den Moslems. Der Islam bleibt eine “Religion unter dem Gesetz” ohne die Gnade Gottes, die allein in Jesus ist (Johannes 1,17).

Der Mann, der die Worte Muhammads in Arafa den Leuten laut verkündete, war Rabi'a ibn Umaiyya ibn Khalaf. Muhammad sagte zu ihm: “Sprich: O ihr Leute, Muhammad sagt, wißt ihr, in welchem Monat wir sind?” Rabi'a sprach die Worte nach, und die Leute antworteten: “Es ist der heilige Monat!” Dann sagte Muhammad weiter: “Sprich: O ihr Leute, Allah hat euer Blut und euer Gut geheiligt, bis ihr eurem Herrn begegnet, wie euch dieser Monat heilig ist.” Dann fuhr er fort: “Sprich: O ihr Leute, Muhammad fragt: Wißt ihr, welches Land dies ist?” Rabi'a verkündete die Worte laut, und die Leute antworteten: “Es ist das unantastbare, abgesonderte Land.” Muhammad sagte dann: “Sprich: Allah hat euer Blut und euer Gut geheiligt, bis ihr eurem Herrn begegnet, wie er euer Land geheiligt hat!” Dann sagte er: “Sprich: O ihr Leute, der Gesandte Allahs fragt: ,Wißt ihr, welcher Tag dies ist?’” Rabi'a sagte es nach und die Leute antworteten: “Der Tag des großen Pilgerfestes!” Er fuhr dann fort: “Allah heiligt euer Gut und euer Blut wie diesen Tag.”

Amr ibn Kharidja erzählte: “Attaab ibn Usayd sandte mich mit einem Anliegen zu Muhammad, als er in Arafa stand. Ich ging zu ihm und blieb unter seinem Kamel stehen, so daß sein Geifer auf mein Haupt fiel. Da hörte ich, wie er sagte: ,O ihr Leute! Allah hat jedem Berechtigten sein Recht angewiesen. Es soll einem natürlichen Erben kein Legat gemacht werden. Jedes Kind gehört dem Ehebett an. Der Ehebrecher soll gesteinigt werden.* Wer einem andern als seinem Vater angehören will oder die Vormundschaft über Leute ausspricht, die ihm nicht gebührt, den trifft der Fluch Allahs, der Engel und der Menschen insgesamt, und Allah nimmt von ihm keinerlei Ausgleich für dieses Vergehen an.’”

* Wenn alle Ehebrecher gesteinigt würden – wieviel Tote würde es geben! Das islamische Gesetz erzieht die Moslems zur Heuchelei.
Jesus sagte: “Wer ein Weib ansieht ihrer zu begehren, hat mit ihr in seinem Herzen bereits die Ehe gebrochen” (Matthäus 5,28).
Er hat die Ankläger einer Ehebrecherin aufgefordert: “Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.” Da entfernten sich alle (Johannes 8,3-11).

Abd Allah ibn Abi Nadjih hat berichtet, Muhammad habe, als er in Arafa stand, gesagt: “‘Dieser Standplatz gehört dem Berge an, auf welchem er sich befindet und ganz Arafa gilt als Standplatz.’ Als er am Morgen von Muzdalifa auf dem Hügel Quzah stand, sagte er: ‘Der Ort, auf dem ich stehe und ganz Muzdalifa ist ein Standplatz.’ Als er in Mina auf dem Schlachtplatz seine Tiere schlachtete, sagte er: ‘Dieser Schlachtplatz und ganz Mina ist ein Schlachtplatz (zum Schlachten der Opfertiere).’”

Muhammad vollendete die Pilgerfahrt, zeigte den Leuten deren Gebräuche und belehrte sie über die göttlichen Vorschriften bei der Pilgerfahrt, über die Standplätze, über das Steinewerfen und das Umkreisen des Heiligtums sowie über das bei der Pilgerfahrt Erlaubte und Verbotene. Sie hieß “die Pilgerfahrt der Belehrung und des Abschieds,” weil es Muhammads letzte Pilgerfahrt war.

11.02.3 -- Weitere Sendungen und Feldzüge (Juni bis Juli 632 n.Chr.)

Muhammad kehrte dann nach Medina zurück. Nachdem er dort den übrigen Teil von Dhu al-Hidjdja (12. Monat) sowie Muharram (1. Monat) und Safar (2. Monat) zugebracht hatte, ordnete er eine Expedition nach Syrien an und ernannte Usama, den Sohn seines Freigelassenen Zaid zum Heerführer. Diesem befahl er, die Reiter in die Bezirke von Balqa'* und Darum zu führen. Die Leute rüsteten sich und die ältesten Auswanderer scharten sich um Usama.

* "Balqa'" ist eine Region östlich des Toten Meeres im Transjordanland, das, biblisch betrachtet, den nördlichen Teil Edoms und ganz Moab umfaßt. Es liegt heute im Königreich Jordanien.

11.02.4 -- Muhammads Gesandtschaften an Kaiser und Könige

Muhammad hatte Gesandte aus der Mitte seiner Gefährten geschickt und ihnen Schreiben an die Fürsten mitgegeben, in denen er sie zum Islam aufrief.

Eines Tages, nachdem Muhammad von der Pilgerfahrt, vom Tage von Hudaibiyya, zurückgekehrt war, trat er zu seinen Gefährten und sagte: “O ihr Leute, Allah hat mich aus Barmherzigkeit, um Böses von euch abzuwehren, zu euch gesandt. Widersetzt euch mir nicht, wie sich die Jünger Jesus, dem Sohn der Maria (Isa ibn Maryam), widersetzt haben.” Die Gefährten fragten: “Worin haben sie sich ihm widersetzt?” Muhammad antwortete: “Er rief sie zu dem auf, wozu ich euch auch aufrufe. Aber nur die, welche er an einen nahen Ort sandte, waren zufrieden und befanden sich wohl dabei. Die aber, welche er in die Ferne sandte, zeigten Unwillen und machten Schwierigkeiten. Isa klagte dies Allah und die, welche Schwierigkeiten gemacht hatten, sprachen alle am andern Morgen die Sprache des Volkes,* zu welchem sie gesandt wurden.”

* Hier wird das Sprach- und Hörwunder vom Pfingsttag in islamischer Auslegung wiedergegeben (Apostelgeschichte 2,1-13).

Ibn 'Abbas sagte: “Unter den Jüngern und ihren Nachfolgern, welche 'Isa ausgesandt hatte, waren Petrus und Paulus. Letzterer gehörte zu den Nachfolgern und nicht zu den Jüngern. Beide wurden nach Rom geschickt, und Andreas* und Manta (Matthäus) in das Land, wo die Menschen einander auffressen. Thomas wurde nach Osten in das Land Babel, Philipp nach Karthago in Afrika, Johannes nach Ephesus, in das Land der Gefährten der Höhle (der Siebenschläfer), Jakobus nach Jerusalem, das ist Aelia, die Stadt des heiligen Tempels, Ibn Thalma (Bartholomäus) nach Arabien, in das Land Hidjaz, Simon in das Land der Berber gesandt. Und Jahudha, der nicht zu den Jüngern gehörte, wurde an Judas' Stelle gesetzt.”**

* Andreas: Bruder des Petrus; wurde der Legende nach an ein schräges Kreuz geschlagen.
** Ibn Hischam hat den Missionsauftrag Muhammads mit dem Bericht der Aussendung der Apostel Jesu gekoppelt.

Muhammad wählte daraufhin auch Gesandte unter seinen Gefährten aus und gab ihnen Schreiben mit an die Fürsten, in denen er sie zum Islam aufrief.* Er sandte Dihya ibn Khalifa al-Kalbi zum Kaiser der Griechen (Byzanz); Abd Allah ibn Hudhafa al-Sahmi zu Kyros (Kisra), dem König der Perser (Sassaniden); Amr ibn Umaiyya al-Damri zum Nadjaschi, dem Fürsten von Abessinien**, Hatib ibn Abi Balta zu Muqauqis, dem Fürsten von Alexandrien (Ägypten); Amr ibn al-'As al-Sahmi zu Djaifar und Iyadh, den Fürsten von 'Uman (Oman); Salit ibn Amr, von den Banu Amir ibn Lu'ayy, zu Thumama ibn Uthal und Haudha ibn Ali, vom Stamme Hanifa, zu den Fürsten von Yamama (im Osten Arabiens am persischen Golf). Ferner sandte er Ala ibn al-Hadrami zu Mundhir ibn Sawa al-Abdi, dem Fürsten von Bahrain; Schudja' ibn Wahb al-Azdi zu al-Harith Abi Schamir al-Ghassani, dem Fürsten der Grenzbezirke von Syrien (Jordanien); Muhadjir ibn Umaiyya al-Makhzumi zu Harith ibn Abd Kulal al-Himyari, dem Fürsten von Jemen.

* Die Berufung der Gesandten und ihre Sendung zu den Fürsten hatte nicht bloß religiösen Charakter. Muhammad verlangte von den Fürsten die politische Unterwerfung. Für den Islam bilden Politik und Religion eine Einheit mit dem Ziel der Weltherrschaft.
Damals wurden die meisten Boten Muhammads getötet. Im Laufe der Jahrhunderte jedoch gelang es dem Islam – außer Äthiopien – alle betroffenen Fürstentümer zu unterjochen.
** Trotz der Aufnahme der islamischen Asylanten wurde der Nadjaschi von Äthiopien aufgefordert, sich dem Islam zu unterwerfen.

11.02.5 -- Die Erwähnung sämtlicher Feldzüge Muhammads

Insgesamt machte Muhammad selbst 27 Feldzüge mit, nämlich:

  1. den Feldzug nach Waddan (August 623, siehe Abschnitt 14.1) oder Abwa';
  2. den Feldzug nach Buwat (September 623, siehe Abschnitt 14.2), im Bezirk Radwa;
  3. den Feldzug nach 'Uschayra (Dezember 623, siehe Abschnitt 14.3), im Tale Yanbu';
  4. den ersten Feldzug nach Badr (September 623, siehe Abschnitt 14.4), gegen Kurz ibn Dja'bir;
  5. den großen Feldzug nach Badr (15. März 624, siehe die Abschnitte 15.1 bis 26), den, in welchem die Häupter der Quraisch getötet wurden;
  6. den Feldzug gegen die Banu Sulaim (Juli 624, siehe Abschnitt 15.26), bis nach Kudr;
  7. den Feldzug von Sawiq (Mai bis Juni 624, siehe Abschnitt 15.27) gegen Abu Sufyan,
  8. den Feldzug gegen die Ghatafan (Juli 624, siehe Abschnitt 15.28), oder Dhu Amir;
  9. den Feldzug nach Bahran (Oktober und November 624, siehe Abschnitt 15.28), eine Erzfundstelle im Hidjaz;
  10. den Feldzug von Uhud (März 625, siehe die Abschnitte 16.1 bis 22);
  11. den Feldzug nach Hamra' al-Asad (März 625; siehe Abschnitt 16.23);
  12. den Feldzug gegen die (jüdischen) Banu Nadir (August 625, siehe Abschnitt 16.27);
  13. den Feldzug nach Dhat al-Riqa' (Juni 626, siehe Abschnitt 16.28) von Nakhl;
  14. den letzten Feldzug nach Badr (April 626);
  15. den Feldzug gegen (die Christen in) Dumat al-Djandal (August bis September 626, siehe Abschnitt 16.28);
  16. den Feldzug des Grabenkriegs (März 627, siehe die Abschnitte 17.1 bis 9);
  17. den Feldzug gegen die (jüdischen) Banu Quraiza (Mai 627, siehe die Abschnitte 17.10 bis 18);
  18. den Feldzug gegen die Banu Lihyan (Juli 627, siehe Abschnitt 18.1), von Hudhail;
  19. den Feldzug von Dhu Qarad (August 627, siehe Abschnitt 18.2);
  20. den Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq von Khuza'a (Januar 627/8, siehe Abschnitt 18.3);
  21. den Feldzug nach Hudaibiyya (März 628, siehe die Abschnitte 19.1 bis 3), bei dem Muhammad keinen Krieg haben wollte, er aber von den Ungläubigen aufgehalten wurde;
  22. den Feldzug (gegen die Juden in) Khaybar (Mai bis Juni 628, siehe die Abschnitte 19.5 bis 27);
  23. die vertragsmäßige Pilgerfahrt (nach Mekka; März 629, siehe Abschnitt 20.1);
  24. den Feldzug der Eroberung (Mekkas; Januar 630, siehe die Abschnitte 21.1 bis 20);
  25. den Feldzug von Hunain (Januar 630, siehe die Abschnitte 22.1 bis 10);
  26. den Feldzug nach Ta'if (Februar 630, siehe die Abschnitte 22.15 bis 18); und
  27. den Feldzug nach Tabuk (Oktober bis Dezember 630, siehe die Abschnitte 23.1 bis 8).

In neun Feldzügen kam es zur Schlacht, nämlich bei Badr (5.), bei Uhud (10.), am Graben (16.), gegen die (jüdischen) Quraiza (17.) und Mustaliq (20.), (gegen die Juden) bei Khaybar (22.), bei der Eroberung von Mekka (24.), bei Hunain (25.) und Ta'if (26.).*

* Nicht das passive Erleiden von Schlägen, Steinigung und Tötung wird im Islam als Krone der Märtyrer angesehen, vielmehr liegt die Ehre der Moslems im Kampf mit Überfällen, zäher Verteidigung und immer neuen Angriffen. Wo immer der Islam dazu in der Lage ist, wird er die Macht ergreifen und den Religionsstaat durchsetzen.

Das besondere an dieser Aufzählung besteht darin, daß Muhammad sich selbst an siebenundzwanzig blutigen Kämpfen beteiligte. Er war – allen lügenhaften Beteuerungen der Moslems zum Trotz – kein Mann des Friedens.

11.02.6 -- Die Erwähnung der Expeditionen und Sendungen,an denen Muhammad nicht teilnahm

Muhammad ordnete insgesamt 38 Expeditionen und Sendungen an.* Zu diesen gehören folgende:

  1. Die Expedition des Ubaida ibn al-Harith unterhalb von Thaniyyat al-Mara (März 623, siehe Abschnitt 14.2);
  2. die Expedition des Hamzas an das Ufer des Meeres (bei Sif al-Bahr), in die Gegend von Ijs, die einige vor die Ubaidas setzen (März 623, siehe Abschnitt 14.2);
  3. die Expedition des Sa'd ibn Waqqas nach al-Kharrar (Mai 623, siehe Abs. 14.3);
  4. die Expedition des Abd Allah ibn Djahsch nach Nakhla (Januar 624, siehe Abschnitt 14.5);
  5. die Expedition des Zaid ibn Haritha nach Qarda (November 624, siehe Abschnitt 15.30);
  6. die Expedition des Muhammad ibn Maslama gegen Ka'b ibn al-Aschraf (September 624, siehe Abschnitt 15.31);
  7. die Expedition des Marthad ibn Abi Marthad nach Radji' (Juli 625, siehe Abschnitt 16.25);
  8. die Expedition des Mundhir ibn Amr nach Bi'r Ma'una (Juli 625, siehe Abschnitt 16.26);
  9. die Expedition des Ubaida ibn al-Djarrah nach Dhu al-Qassa, auf dem Wege nach dem Irak (August und September 627);
  10. die Expedition Umars nach Turba, im Lande der Banu Amir (Dezember 628);
  11. die Expedition Alis nach dem Jemen (Juni bis Dezember 631, siehe weiter unten Abschnitt 25.22); und
  12. die Expedition des Ghalib ibn Abd Allah al-Kalbi, vom Stamme Laith, nach Kadid, wo er die Banu Mulawwah schlug (Juni 629, siehe den folgenden Abschnitt 25.7).**
* Wenn insgesamt fünfundsechzig Feldzüge, Überfälle und Sendungen in zehn Jahren stattfanden, bedeutet dies, daß es beinahe jeden zweiten Monat einen Heiligen Krieg gab!
** Auf diese unvollständige Liste von 12 Expeditionen (eigentlich sind es nur 11 Expeditionen, da die letzte Expedition dieser Liste im folgenden Abschnitt genauer beschrieben wird) folgt jetzt in den Abschnitten 25.7 bis 23 eine nähere Beschreibung weiterer gewalttätige Expeditionen, die Muhammad in Auftrag gab.

11.02.7 -- Die Nachricht vom Streifzug gegen die Banu Mulawwah (Juni 629 n.Chr.)

Muhammad sandte al-Ghalib ibn Abd Allah al-Kalbi zu einem Streifzug aus, dem ich auch beiwohnte, und befahl ihm, die Banu Mulawwah zu überfallen, die in Kadid* lagerten. Als wir nach Qudaid** kamen, trafen wir al-Harith ibn Malik al-Laithi, den man auch “Ibn al-Barsa'” nennt, und nahmen ihn gefangen. Er sagte: “Ich bin nur gekommen, um mich zum Islam zu bekehren und bin auf dem Wege zum Gesandten Allahs.” Wir antworteten: “Bist du wirklich Moslem, so wird es dir nichts schaden, eine Nacht gebunden zu bleiben, bist du es nicht, so haben wir dich schon in unserer Gewalt.” Wir lösten dann seine Fesseln und ließen einen unserer jungen schwarzen Sklaven zu seiner Bewachung bei ihm zurück. Er sollte ihm den Kopf abhauen, falls er Widerstand leisten würde. Wir zogen dann weiter nach Kadid, wo wir bei Sonnenuntergang ankamen. Meine Gefährten sandten mich auf Kundschaft aus, und ich stieg auf einen Hügel, der sich über dem Lager erhob. Da trat ein Mann aus seinem Zelt und sagte zu seiner Frau: “Ich sehe etwas Schwarzes auf dem Hügel, das ich früher nicht wahrgenommen habe. Sieh dich einmal nach deinem Gepäck um, ob nichts fehlt, das möglicherweise die Hunde fortgeschleppt haben.” Sie sah nach und rief: “Bei Allah, es fehlt nichts!” Da sagte er: “Reiche mir meinen Bogen und zwei Pfeile.” Als sie es ihm reichte, schoß er einen Pfeil ab und traf mich in die Seite. Ich zog ihn heraus, legte ihn beiseite und blieb auf meinem Posten. Er schoß den zweiten ab und traf mich an der Schulter. Ich zog ihn ebenfalls heraus, legte ihn beiseite und behauptete meinen Platz. Da sagte er zu seiner Frau: “Wenn dies ein feindlicher Kundschafter gewesen wäre, dann hätte er sich bewegt, denn meine beiden Pfeile sind zu ihm gelangt. Suche sie, wenn du morgen früh aufstehst, du Elende, damit die Hunde sie mir nicht zernagen.” Er ging dann wieder in sein Zelt und wir warteten, bis sie sich sicher glaubten und schliefen. Am frühen Morgen fielen wir über sie her, töteten manche und trieben ihre Herden fort. Da kamen die Besten des Stammes in solcher Überzahl aus ihren Zelten, daß wir nichts gegen sie vermochten. Wir eilten mit dem Vieh fort, und als wir an Ibn al-Barsa' vorüberkamen, nahmen wir ihn mit. Doch die Verfolger kamen uns immer näher. Nur das Tal Qudaid lag noch zwischen ihnen und uns. Da sandte Allah einen reißenden Bach in das Tal, ohne daß wir Wolken oder gar Regen gesehen hätten. Er kam mit solcher Kraft, daß niemand etwas dagegen vermochte und kein Mensch ihn überschreiten konnte. Unsere Verfolger blieben stehen und mußten zusehen, wie wir ihre Herden in Eile forttrieben. Kein Feind konnte zu uns herübergelangen und uns weiter verfolgen. Bald waren wir außer Sicht und brachten alles wohlbehalten dem Gesandten Allahs. Das Losungswort der Gefährten Muhammads in jener Nacht war: “Töte! Töte!”***

* "Kadid" liegt ca. 75 km nordwestlich von Mekka kurz nach 'Usfan, wenn man nach Norden reist.
** "Qudaid" liegt 25 km nordwestlich von Kadid, also ca. 100 km nordwestlich von Mekka.
*** Über 16mal steht der Befehl “Töte” oder “tötet” in abgewandelter Form im Qur’an. Es ist deshalb kein Wunder, wenn immer wieder jede Art von Terrorismus als Gehorsam gegen die Befehle Allahs aufbricht. Der Islam ist keine Religion des Friedens, der Toleranz und der Vergebung. Vielmehr sucht er den Sieg über seine Feinde, ihre Unterwerfung und Ausraubung, wo immer es möglich ist.

11.02.8 -- Der Feldzug gegen die christlichen Djudham* (Oktober und November 627 n.Chr.)

Als Rifa'a ibn Zaid al-Djudhami mit dem Schreiben Muhammads zu seinen Leuten kam und sie zum Islam aufrief, schenkten sie ihm Gehör. Bald danach kehrte auch Dihya ibn Khalifa al-Kalbi vom Kaiser aus Byzanz zurück. Er hatte wertvolle Waren bei sich. Als er durch das Tal Schinar kam, überfiel ihn Hunaid ibn 'Us und dessen Sohn 'Us, die Dula'iyyaniten, die einen Zweig der Djudham bilden und raubten ihm alles, was er bei sich hatte.

* Die zum Teil christlichen Banu Djudham lebten am Golf von Aqaba, dem nordöstlichen Zipfel des Roten Meeres, ca. 550 bis 750 km nordwestlich von Medina. Sie waren Teil des oströmischen Reiches.

Als Leute von Dubaib, die Moslems waren und dem Geschlecht des Rifa'a ibn Zaid angehörten, dies vernahmen, verfolgten sie Hunaid und dessen Sohn und überwältigten sie. An jenem Tage rühmte sich Qurra ibn Aschqar seines Geschlechts und sagte: “Ich bin der Sohn Lubnas!” Al-Nu'man schoß einen Pfeil auf ihn, traf ihn am Knie und rief: “Nimm dies! Ich bin der Sohn Lubnas!” Seine Mutter hieß nämlich Lubna. Hassan ibn Milla al-Dubaibi war früher ein Gefährte Dihyas gewesen und hatte von ihm den Qur’an gelernt.

Die Dubaib nahmen Hunaid und dessen Sohn alles wieder ab und gaben es Dihya zurück. Dihya kehrte hierauf zu Muhammad zurück, erzählte ihm die Geschichte und bat ihn um das Blut Hunaids und seines Sohnes. Daraufhin wurde Zaid (b. Haritha) mit einem Heer gegen die Djudham geschickt. Die Ghatafan von Djudham, die Banu Wa'il und die von Salaman und Sa'd ibn Hudhaim abstammenden, waren – als Rifa'a ibn Zaid mit dem Schreiben Muhammads gekommen war – aufgebrochen und hatten ihr Lager nach Harra al-Radjlaa' verlegt. Rifa'a ibn Zaid in Kuraa' Rabba wußte davon nichts. Bei Rifa'a befanden sich nur einige Dubaibiten. Die übrigen waren im Tal Madaan, an der Seite von Harra, wo der Bach sich nach Osten zieht. Das Heer Zaids kam von al-Aulaadj her und überfiel al-Maqis, der von Harra heraufzog, trieb alle Feinde mit ihrer Habe zusammen und tötete Hunaid und dessen Sohn, zwei Mann von den Banu al-Ahnaf und einen von den Banu al-Khasib. Als die Banu Dubaib, die in Faifaa' Madaan lagerten, dies hörten, brachen einige von ihnen auf, u. a. Hassan ibn Malla mit einem Pferd des Suwaid ibn Zaid, das “al-Adjadja” hieß, Unaif ibn Malla mit einem Pferd, das Malla gehörte und “Righal” genannt wurde und Abu Zaid ibn Amr mit einem Pferd, das “Schamir” hieß. Als sie in die Nähe des moslemischen Heeres kamen, sagten Abu Zaid und Hassan zu Unaif: “Laß uns und entferne dich! Wir fürchten deine Zunge.” Unaif machte Halt. Doch die beiden anderen waren noch nicht fern, als Unaifs Pferd mit den Vorderfüßen scharrte und den andern folgte. Unaif sagte zu sich: “Ich vergebe mir weniger den beiden Männern gegenüber, als du den Pferden gegenüber.” Er gab dann schnellstens die Zügel frei, bis er sie eingeholt hatte. Da sagten sie zu ihm: “Da du uns gefolgt bist, so verschone uns wenigstens mit deiner Zunge und bringe uns heute kein Unglück!” Sie kamen überein, daß nur Hassan ibn Malla das Wort ergreifen sollte. Zur Zeit des Heidentums hatten sie nämlich ein Wort, das einer vom andern gelernt hatte. So pflegte man, wenn einer mit dem Schwert dreinhauen wollte zu sagen: “Buri” oder “Thuri.”*

[* Über den eigentlichen Sinn dieser Worte ist man sich nicht einig. Wahrscheinlich heißen sie “verende, verschwinde.”-]

Als sie von den Truppen wahrgenommen wurden und diese ihnen entgegeneilten, rief Hassan: “Wir sind Gläubige!” Der erste, der auf sie zuritt, war ein Mann auf einem dunklen Pferd. Er fing an, sie vor sich herzutreiben. Da rief Unaif: “Buri!” Hassan erwiderte: “Nur sachte!” Als sie vor Zaid ibn Haritha standen, wiederholte Hassan, daß sie Gläubige seien. Da sagte Zaid: “So rezitiert die erste Sure des Qur’ans.” Als Hassan sie rezitierte, sagte Zaid: “Macht im Heer bekannt, daß Allah das Lager der Leute, zu denen diese Männer gehören, unantastbar gemacht hat, mit Ausnahme derer, die Verrat üben.” Unter den Gefangenen befand sich auch eine Schwester Hassans, die Gattin des Abu Wabr ibn Adi ibn Umaiyya ibn al-Dubaib. Zaid sagte zu Hassan: “Nimm sie!” Da faßte sie ihn an beiden Seiten. Aber die Mutter al-Fizrs al-Dulai'iyya rief: “Wollt ihr mit den Töchtern wegziehen und die Mütter zurücklassen?” Da sagte einer der Banu al-Khasib: “Wahrlich, die Banu Dubaib und der Zauber ihrer Zungen zeigen sich heute!” Einer der Soldaten, der dies hörte, benachrichtigte Zaid. Zaid ließ die Hände der Schwester Hassans von den Seiten ihres Bruders losmachen und sagte zu ihr: “Bleibe bei deinen Basen, bis Allah das Urteil über euch sprechen wird.” Dann brachen sie wieder auf. Den Truppen wurde verboten, ins Tal hinabzusteigen, durch das sie gezogen waren. Sie gingen zu ihren Familien und molken Kamele des Suwaid ibn Zaid. Als sie die übrige Milch spät in der Nacht getrunken hatten, ritten sie zu Rifa'a ibn Zaid. In der Frühe gelangten sie bei Zaid in Kuraa' Rabba an, auf dem Rücken von Harra Laila bei einem dortigen Brunnen. Hassan sagte zu Zaid: “Du sitzt hier und melkst deine Ziege, während Frauen der Djudham gefangen sind. Das Schreiben, das du gebracht hast, hat sie getäuscht.” Rifa'a ließ ein Kamel vorführen und satteln und fragte dabei: “Lebst du noch oder wirst du nur lebend genannt?” Er machte sich dann in der Frühe mit ihnen auf und nahm auch Umaiyya ibn Dafara, den Bruder des erschlagenen Khasibi, mit. Nach drei Nächten trafen sie in Medina ein. Als sie vor der Moschee angelangten, sah sie ein Mann und sagte zu ihnen: “Laßt eure Kamele nicht niederknien, sonst brechen ihre Vorderfüße!” Da stiegen sie ab, während die Kamele aufrecht standen und gingen zu Muhammad. Als er sie sah, winkte er ihnen, zu ihm zu kommen. Als Rifa'a zu reden anfing, erhob sich ein Mann und sagte: “O Gesandter Allahs, diese Leute sind Zauberer!” Dabei schob er sie wiederholt zurück. Da sagte Rifa'a: “Allah sei dem gnädig, der an diesem Tage uns nur Gutes zufügt!” Dann überreichte er Muhammad das Schreiben, das er ihm gegeben hatte und sagte: “O Gesandter Allahs! Hier nimm ein altes Schreiben, auf welches ein neuer Verrat erfolgt ist.” Muhammad befahl einem Jungen, es laut vorzulesen. Als dieser es vorgelesen hatte, fragte Muhammad, was vorgefallen sei. Als man ihm berichtet hatte, fragte er dreimal: “Was soll ich für die Erschlagenen tun?” Rifa'a antwortete: “Du weißt es besser, Gesandter Allahs. Wir wollen dir nichts Erlaubtes verbieten und nichts Verbotenes erlauben!” Zaid ibn Amr fügte hinzu: “Gib die Lebenden frei, die Erschlagenen trete ich unter meine Füße.” Muhammad sagte darauf: “Abu Zaid hat wahr gesprochen, reite mit ihnen, Ali!” Ali sagte: “Zaid wird nicht gehorchen!” – “So nimm mein Schwert,” sagte Muhammad, und er übergab es ihm. Dann sagte Ali: “Ich habe kein Kamel, auf dem ich reiten könnte.” Da setzte man ihn auf ein Kamel des Tha'laba ibn Amr, welches “Mikhal” hieß. Als sie heraustraten, näherte sich schon ein Bote Zaids auf einem Kamel Abu Wabrs, das “Schamir” hieß. Man ließ ihn absteigen. Er sagte: “O Ali! Was ist mit dir?” Er antwortete: “Sie haben das Gut der Leute erkannt und es doch weggenommen!” Sie zogen dann ab und trafen das Heer in Faifaa' al-Fahlatain. Sie nahmen ihm alles ab, bis auf die Provianttaschen unter dem Sattel.

11.02.9 -- Der Feldzug gegen die Banu Fazaara in Wadi al-Qura(November und Dezember 627 n.Chr.)

Zaid (b. Haritha) zog auch nach Wadi al-Qura* und stieß dort auf die Banu Fazaara. Mehrere seiner Gefährten wurden getötet. Zaid selbst wurde unter den Erschlagenen hervorgezogen. Hier wurde auch Ward ibn Amr ibn Madasch getötet. Er gehörte zu den Banu Sa'd ibn Hudhail. Er wurde von einem der Banu Badr (ibn Fazaara) erschlagen. Als Zaid zurückkam, schwor er, daß keine Waschung sein Haupt reinigen sollte, bis er einen Feldzug gegen die Banu Fazaara unternommen hätte. Als seine Wunden geheilt waren, sandte ihn Muhammad mit einem Heer gegen sie aus. Er schlug sie in Wadi al-Qura und tötete viele von ihnen. Zaid befahl dem Qays ibn Musahhar, Umm Qirfa zu töten. Er tötete sie in grausamer Weise. Dann kehrten sie mit ihrer Tochter und mit Abd Allah zu Muhammad zurück. Umm Qirfas Tochter war Eigentum des Salama ibn Amr ibn al-Aqwa, der sie gefangengenommen hatte. Sie gehörte einem edlen Geschlecht an, so daß die Araber sagten: “Wärest du angesehener als Umm Qirfa, so könntest du auch nicht mehr werden!” Muhammad erbat sie sich von Salama. Dieser schenkte sie ihm und Muhammad verschenkte sie an seinen mütterlichen Onkel Hazn ibn Abi Wahb, und sie gebar ihm Abd al-Rahman.

* "Wadi al-Qura" (Tal der Dörfer) liegt ca. 290 km nordwestlich von Medina an der Karawanenstraße nach Syrien.

11.02.10 -- Der Feldzug zur Ermordung des Juden Yusair ibn Rizam in Khaybar* (Februar und März 628 n.Chr.)

Dann folgten zwei Feldzüge des Abd Allah ibn Rawaha nach Khaybar. Der eine diente der Ermordung von Yusair ibn Rizam ibn Rizam, von dem folgendes berichtet wird: “Yusair ibn Rizam war in Khaybar und versammelte die Ghatafan, um gegen Muhammad Krieg zu führen. Muhammad sandte Abd Allah ibn Rawaha mit einer Anzahl Gefährten, darunter Abd Allah ibn Unais, ein Bundesgenosse der Banu Salima. Als sie zu ihm kamen und mit ihm redeten, traten sie an ihn heran und sagten: ,Wenn du zu Muhammad gehst, so wird er dir ein Amt verleihen und dich ehren.’ Sie drangen in ihn, bis er in Begleitung einiger Juden mit ihnen zog. Abd Allah ibn Unais ließ ihn auf seinem Kamel reiten, bis sie nach Qarqara, zwölf Kilometer südlich von Khaybar, kamen. Da bereute es Yusair, daß er zu Muhammad gehen wollte. Abd Allah beobachtete ihn, fiel mit seinem Schwert über ihn her und hieb ihm den Fuß ab. Yusair ibn Rizam traf ihn mit einem Stock von Schauhatholz, den er in der Hand hatte, und verwundete ihn. Die Gefährten Muhammads wandten sich hierauf auch gegen ihre jüdischen Begleiter und erschlugen sie. Nur ein Mann entkam zu Fuß. Als Abd Allah zu Muhammad kam, spie Muhammad auf seine Wunde, und sie eiterte nicht und schmerzte ihn nicht.”

* "Khaybar" liegt 160 km nordwestlich von Medina. Dorthin sind viele Juden geflohen, nachdem sie aus Medina verbannt bzw. vertrieben wurden.

11.02.11 -- Die Ermordung des Khalid ibn Sufyan ibn Nubaih al-Hudhali (Juni 625? n.Chr.)

Dann kam die Sendung des Abd Allah ibn Unais, den Muhammad gegen Khalid ibn Sufyan nach Nakhla* oder 'Urana* schickte, wo dieser Leute zum Krieg gegen Muhammad sammelte. Abd Allah erschlug ihn. Abd Allah ibn Unais berichtet: “Muhammad ließ mich rufen und sagte: ,Ich habe gehört, Abu Sufyan ibn Nubaih sammelt Leute zu einem Krieg gegen mich in Nakhla. Geh zu ihm und töte ihn!’ Ich sagte: ‘Beschreibe ihn mir, daß ich ihn erkenne!’ Da sagte er: ,Wenn du ihn siehst, so wird er dich an Satan erinnern. Als Zeichen diene dir, daß du Abscheu vor ihm empfinden wirst.’ Ich ging mit umgürtetem Schwert fort, bis ich zu ihm gelangte. Er befand sich bei Frauen, für die er ein Lager suchte. Es war zur Zeit des Nachmittagsgebetes. Als ich ihn sah, empfand ich einen Schauder, wie mir Muhammad vorhergesagt hatte. Ich ging jedoch auf ihn zu. Da ich aber fürchtete, es möchte ein Kampf zwischen uns entstehen, der mich vom Gebet abhalten könnte, betete ich vorher. Dann näherte ich mich ihm und winkte mit dem Kopf. Als ich bei ihm war, fragte er: ,Wer ist der Mann?’ Ich antwortete: ‘Ein Beduine, der gehört hat, wie du Leute sammelst gegen jenen Mann, und der deshalb zu dir kommt.’ Er sagte: ‘Gut, ich bin damit beschäftigt.’ Ich ging dann eine Strecke mit ihm, bis ich Gelegenheit fand, ihn mit dem Schwert zu überfallen und zu töten. Dann ging ich weg, während seine Frauen sich über ihn warfen und schrien. Als ich zu Muhammad kam, sagte er, sobald er mich sah: ‘Die Sache ist gelungen!’ Ich sagte: ,Ich habe ihn getötet, Gesandter Allahs!’ Er erwiderte: ‘Du hast wahr gesprochen!’ Er führte mich dann in seine Wohnung und gab mir einen Stock und sagte: ‘Behalte diesen Stock bei dir!’ Als ich mit dem Stock zu den Leuten herauskam, fragten sie: ,Was bedeutet dieser Stock?’ Ich antwortete: ,Muhammad hat ihn mir gegeben und gesagt, ich solle ihn bei mir behalten.’ Sie sagten: ,Warum gehst du nicht zu ihm zurück und fragst ihn, was er bedeutet?’ Ich kehrte zurück und fragte: ,O Gesandter Allahs, wozu hast du mir diesen Stock gegeben?’ Er antwortete: ,Als Zeichen zwischen dir und mir am Auferstehungstage, denn die wenigsten Leute werden an jenem Tage eine Stütze haben.’”** Abd Allah befestigte dann den Stock an seinem Schwert und trennte sich nicht mehr von ihm bis zu seinem Tode. Auch wurde er auf seinen Befehl zu ihm ins Grab gelegt.

* Der genaue Ort dieses Attentats ist unbekannt. Die zwei genannten Orte befinden sich im Raum Mekka. Auch das Datum für diesen Anschlag ist nicht gesichert.
** Der Mord an einem Feind Muhammads soll den Mörder im Gericht Allahs als Stütze für seine Rechtfertigung dienen. Mord wird im Islam als Gottesdienst und Mittel zur Rechtfertigung des Sünders angesehen.

11.02.12 -- Der Feldzug in das Land der Banu Murra (Datum unbekannt)

Dann folgte der Feldzug des Ghalib ibn Abd Allah al-Kalbi in das Land der Banu Murra*. Usama ibn Zaid mit einem Hilfsgenossen tötete dort Mirdas ibn Nahik, einen ihrer Bundesgenossen von den Djuhaina**. Usama ibn Zaid berichtet hierüber: “Ich und ein Hilfsgenosse holten ihn ein. Als wir das Schwert zogen, rief er: ,Ich bekenne, daß es keinen Gott gibt außer Allah!’ Wir ließen aber nicht von ihm ab, bis wir ihn getötet hatten. Als wir zu Muhammad kamen, erzählten wir ihm den Vorfall. Da fragte er: ,Wer gibt dir das Recht, einen zu töten, der sagt: Es gibt keinen Gott außer Allah?’ Ich antwortete: ,O Gesandter Allahs, er hat es nur aus Furcht vor dem Tode gesagt.’ Da sagte Muhammad erneut: ,Wer gibt dir ein Recht dazu?’ Bei dem, der ihn mit Wahrheit gesandt, er warf mir dies so lange vor, bis ich wünschte, mich früher nicht bekehrt zu haben, sondern erst an jenem Tage, und daß ich ihn nicht getötet hätte. Ich sagte dann: ‘Habe Nachsicht, Gesandter Allahs! Ich schwöre, daß ich nie mehr einen Mann töten will, der sagt: Es gibt keinen Gott außer Allah.’ Muhammad fragte: ,Auch nach meinem Tode?’ Ich antwortete: ,Auch, wenn du nicht mehr bist!’”***

* Die Banu Murra lebten in einem Gebiet etwa 230 km nördlich von Medina.
** Die Banu Djuhaina lebten an der Küste des Roten Meeres westlich von Medina.
*** Es ist eine unvergebbare Sünde im Islam, wenn ein Moslem einen anderen Moslem vorsätzlich tötet, es sei denn aus Blutrache.

11.02.13 -- Der Feldzug nach Dhat al-Salasil im Land der Banu 'Udhra (Oktober 629 n.Chr.)

Dann folgte der Feldzug des Amr ibn al-'As nach Dhat al-Salasil im Lande der Banu 'Udhra*. Es wird darüber berichtet: “Muhammad befahl ihm, die Beduinen zu einem Feldzug nach Syrien aufzurufen, denn die Mutter des al-'As ibn Wa'il war vom Stamme Bali, und er hoffte, sie dadurch zu gewinnen. Als Amr an die Quelle Salsal im Lande der Djudham kam, fürchtete er sich und erbat sich Verstärkung von Muhammad. Muhammad sandte ihm Ubaida ibn al-Djarrah mit den ältesten Auswanderern, unter ihnen Abu Bakr und Umar, und empfahl ihnen bei der Absendung, nicht uneinig zu sein. Als Abu Ubaida zu Amr kam, sagte dieser: ‘Du bist nur zu meiner Verstärkung gekommen!’ Abu Ubaida entgegnete: ,Nicht so, ich führe diejenigen an, die unter mir stehen, und du befehligst deine Leute.’ Abu Ubaida war ein verträglicher, sanfter Mann, dem die weltlichen Dinge gleichgültig waren. Amr sagte: ,Nein, du bist nur zu meiner Verstärkung gekommen.’ Da sagte Abu Ubaida: ,Muhammad hat uns Einigkeit empfohlen. Willst du mir nicht gehorchen, so unterwerfe ich mich dir.’ Da sagte Amr: ,Nun, ich bin dein Emir, und du bist meine Verstärkung!’ ‘Es sei so,’ antwortete Abu Ubaida, und Amr betete der Gemeinde vor.”

* Die Banu 'Udhra lebten südlich von Tabuk in einem Gebiet ca. 430 bis 510 km nordwestlich von Medina entlang der Karawanenstraße nach Syrien.

11.02.14 -- Wie Abu Bakr den ehemaligen Christen Raafi' ibn Abi Raafi' ermahnte

Wie ich vernommen habe, erzählte Raafi' ibn Abi Raafi' 'Umayra folgendes Ereignis auf diesem Feldzug: “Ich war ein Christ und hieß Sardjis. Ich war der kundigste Führer in diesem Teil der Wüste. Zur Zeit des Heidentums verbarg ich Wasser in Straußeneiern im Sand und machte Raubzüge auf Kamele, die ich in die Wüste führte und mir aneignete, denn kein Mensch konnte mich dorthin verfolgen. Ich aber nahm den Weg zu dem verborgenen Wasser und trank davon. Als ich mich zum Islam bekehrte, schloß ich mich der Expedition des Amr ibn al-'As nach Dhat al-Salasil an. Da ich mir einen Gefährten aussuchen wollte, erwählte ich Abu Bakr und schloß mich seinem Lager an. Er trug eine Art Mantel aus Fadak, den er, wenn wir abstiegen, als Teppich benutzte. Sobald wir aufbrachen, hüllte er sich wieder in den Stoff, den er mit hölzernen Nadeln zusammenhielt. Deshalb murrten die Bewohner von Nadjd, als sie abtrünnig wurden: ,Sollen wir dem Träger des Mantels huldigen?’ Ich sagte zu ihm: ,O Abu Bakr, ich habe dich begleitet, damit mir Allah durch deine Gesellschaft Nutzen bringe. Gib mir gute Lehren und unterrichte mich!’ Er erwiderte: ‘Das würde ich auch dann getan haben, wenn du mich nicht darum gebeten hättest. Ich befehle dir, Allah allein anzuerkennen und ihm nichts beizugesellen, das Gebet zu verrichten, Almosen zu geben, im Ramadan (9. Monat) zu fasten, nach dem Heiligtum zu pilgern, dich nach jeder Verunreinigung zu waschen und nie Vorgesetzter über zwei Gläubige werden zu wollen.’* Darauf erwiderte ich: ,O Abu Bakr, ich hoffe bei Allah, daß ich Allah nie einen Genossen geben, daß ich nie ein Gebet unterlassen und daß, so Allah will, wenn ich etwas besitze, ich stets die Religionssteuer entrichten werde. Ich will jeweils im Ramadan (9. Monat) fasten, zur Ka'ba nach Mekka pilgern, wenn ich die Mittel dazu habe, mich waschen, sooft ich der Reinigung bedarf. Was aber das Befehlen betrifft, so sehe ich, daß die Leute bei Muhammad und den anderen Menschen nur durch eine Emirstelle geehrt werden. Warum verbietest du es mir?’ Er antwortete: ‘Du hast mich aufgefordert, dir die heiligen Pflichten mitzuteilen, so will ich es auch tun. Allah hat Muhammad mit diesem Glauben gesandt, und er kämpfte dafür, bis alle Leute freiwillig oder gezwungen ihn annahmen.** Als sie ihn annahmen, wurden sie Flüchtlinge und Schutzgenossen Allahs. Hüte dich, Allah in seinen Schützlingen zu verraten, sonst wird er auch dich aufgeben. Wird je einer von euch in seinem Schützling gekränkt, so werden seine Muskeln anschwellen vor Zorn wegen seines Schützlings, wenn ihm nur ein Kamel oder ein Schaf verletzt wird. Allah gerät aber in noch heftigeren Zorn wegen seines Schützlings selbst.’ Hierauf verließ ich ihn. Als Abu Bakr nach Muhammad zum Fürsten gewählt wurde, kam ich zu ihm und sagte: ,O Abu Bakr, hast du mir nicht verboten, über zwei Moslems zu gebieten?’ Er antwortete: ,Jawohl, und ich verbiete es dir auch jetzt.’ Da sagte ich: ,Warum hast du den Oberbefehl (das Kalifenamt) über alle Leute übernommen?’ Er antwortete: ,Ich konnte nicht anders, denn ich fürchtete, die Gemeinde (Umma) Muhammads würde sich spalten.’”***

* Die Summe des Islam sind Gesetze zum Tun und Verbote zum Nichttun. Im Islam gibt es kein Heil, keine Kraft der Gnade und keine Erneuerung des Herzens. Er bleibt Menschenwerk, denn der Mensch muß alles allein tun.
** Abu Bakr erklärte offen, daß der Islam entweder die freiwillige Hingabe erwartet oder aber die Unterwerfung fordert, die notfalls mit Gewalt betrieben wird.
*** Nach dem Tod Muhammads war die Situation der Moslems für eine kurze Zeit überaus kritisch. Lediglich Abu Bakr war die Integrationsfigur, die die verschiedenen Stammesinteressen zusammenhalten konnte.

11.02.15 -- Wie es 'Auf ibn Malik al-Adjscha'i erging

'Auf ibn Malik al-Adjscha'i erzählt: “Ich befand mich auf dem Feldzug von Dhat al-Salasil in Begleitung Umars und Abu Bakrs. Da kam ich an einigen vorbei, die ein Kamel geschlachtet hatten, es jedoch nicht zerteilen konnten. Da ich ein geschickter Metzger war, fragte ich sie, ob sie mir ein Zehntel geben wollten, wenn ich das Kamel unter ihnen teilen würde. Sie sagten zu, und ich nahm die Messer, zerteilte das Kamel alsbald, nahm ein Stück davon und brachte es meinen Gefährten. Wir kochten und aßen es. Abu Bakr und Umar fragten mich, wo ich das Fleisch her habe. Ich erzählte es ihnen und sie sagten: ‘Du hast nicht wohl daran getan, uns dies zu essen zu geben!’ Sie erhoben sich dann und erbrachen, was sie davon gegessen hatten.* Auf der Heimkehr war ich der erste, der zu Muhammad kam. Er betete in seinem Haus, und ich sagte: ‘Friede sei über dir, Gesandter Allahs und Allahs Gnade und Barmherzigkeit sei mit dir!’ Er fragte mich: ‘Bist du 'Auf ibn Malik al-Adjscha'i?’ Ich antwortete: ,Ja, du bist mir teurer als Vater und Mutter.’ Dann fragte er: ‘Bist du der Mann, der das Kamel geschlachtet hat?’ Mehr sagte er nicht.”

* Das Kamel war nicht nach dem vorgeschriebenen Ritual mit Halsschnitt und der Basmallah-Formel geschlachtet worden. Sein Fleisch galt deshalb als unrein.

11.02.16 -- Der Feldzug nach dem Tal Idam (Dezember 629 n.Chr.)

Dann kam der Feldzug des Ibn Abi Hadrad nach dem Tal Idam*. Al-Qa'qaa' ibn Abd Allah berichtet, sein Vater Abd Allah habe ihm erzählt: “Muhammad sandte uns mit einer Anzahl Moslems nach Idam. Unter ihnen befanden sich auch Abu Qatada al-Harith und Muhallim ibn Djaththama. Als wir im Tale Idam waren, kam 'Aamir ibn al-Adbat al-Aschdja'i auf einem jungen Kamel an uns vorüber. Er hatte mit Fett bestrichenes Brot und einen Schlauch voll Milch bei sich. Als er an uns vorüberkam, gab er uns den Gruß des Islam, und wir ließen ihn ziehen. Aber Muhallim überfiel ihn, erschlug ihn wegen eines früheren Streites und nahm sein Kamel samt dem Brot. Als wir zu Muhammad kamen und ihm Bericht darüber erstatteten, offenbarte er: ,... Wenn ihr um Allahs willen (auf einem Kriegszug) unterwegs seid, so paßt genau auf und sagt zu keinem, der euch als Moslem grüßt: ‘Du bist kein Moslem!’ Sonst strebt ihr nach weltlichen Dingen ...’ (Sure al-Nisa' 4,94).”

* Das Tal Idam liegt etwa 120 km nordwestlich von Medina. Die Karawanenstraße nach Syrien führt durch es hindurch.

'Urwa ibn Zubair berichtete von seinem Großvater, der mit Muhammad bei Hunain (siehe die Abschnitte 22.1 bis 10) war, folgendes: “Muhammad betete uns das Mittaggebet vor. Dann setzte er sich unter den Schatten eines Baumes in Hunain. Da stritten vor ihm al-Aqra ibn Habis und Uyayna ibn Hisn ibn Hudhaifa miteinander wegen Amir ibn al-Adbat. Uyayna, der damals der Häuptling der Ghatafan war, verlangte Amirs Blutrache und al-Aqra' verteidigte Muhallim wegen seines Ranges unter Khindif. Sie brachten dann ihren Streit vor Muhammad, und wir hörten zu. Wir hörten, wie Uyayna sagte: ‘Bei Allah, Gesandter Allahs, ich lasse ihn nicht, bis ich seinen Frauen die Qual bereite, welche er den meinigen bereitet hat.’ Muhammad sagte: ,Ihr müßt Sühnegeld annehmen, fünfzig Kamele auf dieser Reise und fünfzig nach unserer Rückkehr!’ Uyayna weigerte sich, dies anzunehmen. Da erhob sich Mukaithar, ein kleiner, untersetzter Mann von den Banu Laith und sagte: ,O Gesandter Allahs! Bei Allah, ich weiß diesen Erschlagenen im ersten Glanz des Islam mit nichts anderem zu vergleichen als mit einer Schafherde, welche ans Wasser geht und bis zum letzten flieht, wenn das erste von einem Pfeil getroffen wird. Gib heute das rechte Beispiel und ändere morgen das Gesetz!’ Muhammad hob seine Hand in die Höhe und sagte: ,Nicht so, ihr müßt das Sühnegeld nehmen, fünfzig auf der Reise und fünfzig nach unserer Rückkehr.’ Hierauf nahmen sie das Sühnegeld an. Dann fragten sie: ,Wo ist euer Freund, damit Muhammad Allahs Barmherzigkeit für ihn erflehe?’ Da erhob sich ein langer, hagerer, gebräunter Mann, der in einen Mantel gehüllt war, in dem er getötet zu werden glaubte, und ließ sich vor Muhammad nieder. Dieser fragte ihn nach seinem Namen und er antwortete: ,Ich heiße Muhallim ibn Djaththama!’ Muhammad hob seine Hände auf und sagte dreimal: ,Allah, vergib dem Muhallim ibn Djaththama nicht!’* Er erhob sich und trocknete seine Tränen mit dem Rande seines Mantels ab. Wir aber sagten unter uns: ,Wir hatten gehofft, Muhammad würde Allah anflehen, ihm zu vergeben.’ Aber was wir sahen, war das Erzählte.”

* Was für ein entsetzliches Gebet!

11.02.17 -- Die Ermordung des Djuschamiten Rifa'a ibn Qays bei Medina (Dezember 629 n.Chr.)

Dann folgte der Zug Ibn Abi Hadrads nach al-Ghaba*, den, wie mir eine zuverlässige Person berichtet hat, Ibn Abi Hadrad selbst in folgender Weise erzählte: “Ich wollte eine Frau aus meinem Stamme heiraten und versprach ihr eine Morgengabe von 200 Dirham. Ich bat Muhammad um eine Unterstützung meiner Vermählung. Er fragte mich, wie groß die Morgengabe sei. Als ich 200 Dirham nannte, erwiderte er: ‘Gepriesen sei Allah! Wenn ihr die Dirham nur so aus dem Innern des Tales herausholen dürftet, so könntet ihr auch nicht mehr geben. Bei Allah, ich habe nichts, womit ich dir helfen könnte!’

* "al-Ghaba" (der Wald) liegt etwa 12 km nördlich von Medina.

Nach einigen Tagen ging ein angesehener, geehrter Mann, Rifa'a ibn Qays, mit vielen Familien seines Stammes nach al-Ghaba, um dort die Banu Qays zum Krieg gegen Muhammad zu sammeln. Muhammad ließ mich rufen und sagte zu mir und zwei anderen Moslems: ,Zieht aus und bringt mir Kunde von diesem Mann!’ Er ließ uns dann ein altes, mageres Kamel vorführen, das – als einer von uns es bestieg – vor Schwäche nicht aufstehen konnte, so daß es einige Männer von hinten stützen mußten, bis es schließlich stehen konnte. Dann sagte Muhammad: ‘Begnügt euch damit und reitet abwechselnd darauf!’ Wir zogen mit Schwert und Pfeilen bewaffnet aus und gelangten bei Sonnenuntergang in die Nähe des feindlichen Lagers. Ich lauerte auf der einen Seite des Lagers und meine Gefährten auf der anderen. Ich hatte ihnen gesagt: ,Wenn ihr hört, daß ich rufe: ,Allah ist größer’!* und seht, daß ich in das Lager stürme, so tut das gleiche von eurer Seite aus.’ Wir blieben an unserem Platz und warteten, bis wir den Feind überraschen oder ihm etwas wegführen konnten. Schon hatte uns die Nacht umhüllt. Die Abendfeuer waren erloschen und noch war der Hirte, der das Vieh weidete, nicht zurückgekommen. Sie wurden ängstlich. Rifa'a, ihr Häuptling, hing sein Schwert um und sagte: ‘Bei Allah, ich will unseren Hirten aufsuchen. Ihm muß ein Unglück zugestoßen sein!’ Mehrere seiner Gefährten erboten sich mit ihm zu gehen und beschworen ihn, zu bleiben oder sie wenigstens mitzunehmen. Er aber schwor bei Allah, er werde ohne Gefolge gehen. Als er an mir vorüberkam, blies ich ihm einen Pfeil ins Herz. Bei Allah, er brachte kein Wort mehr heraus. Dann sprang ich zu ihm hin und hieb ihm den Kopf ab. Hierauf rief ich: ,Allah ist größer’ und stürmte in die eine Seite des Lagers und meine Gefährten kamen von der anderen Seite her. Bei Allah, die Leute dachten an nichts anderes als an Flucht und nahmen nur soviel mit sich, als in der Eile möglich war. Wir aber trieben viele Kamele und Schafe fort und führten sie zu Muhammad. Auch brachte ich ihm Rifa'as Haupt. Muhammad schenkte mir dreizehn Kamele für die Morgengabe, und ich vollzog die Ehe.”

* “Allahu akbar” ist die Kurzform des islamischen Glaubensbekenntnisses und heißt “Allah ist größer.” Dieser Ausruf beschreibt den unerreichbaren, unbegreiflichen, fernen und unnahbaren Gott, der größer ist als alles, was über ihn gedacht oder gesagt werden kann. Jeder Gedanke an Allah ist nach islamischem Verständnis falsch und mangelhaft. Kein Moslem weiß letztlich, wer Allah in Wirklichkeit ist. Wie konkret wird unser Vater im Himmel dagegen in seinem Sohn Jesus: Wer ihn sieht, sieht den Vater, wer ihn kennt, kennt auch den Vater.

11.02.18 -- Die Ermordung Abu 'Afaks in Medina (April 624 n.Chr.)

Salim ibn 'Umayr, einer der Heuchler, wurde ausgesandt, um Abu 'Afak von den Banu 'Ubaida zu töten.* Seine Heuchelei wurde sichtbar, als Muhammad den al-Harith ibn Suwayd tötete. Da dichtete er:

Ich habe lange gelebt
und habe keine Wohnung
und keine Gemeinde gefunden,
die das Bündnis treuer
und dem Hilfesuchenden
Genossen besser Wort hält
als die Söhne Qailas.
Es spalteten sich die Berge,
aber sie beugten sich nicht.
Da trennte sie ein Reiter,
Heiliges und Unheiliges wurde zersplittert.
Hättet ihr doch die wahre Kraft erkannt
oder wäret ihr der alten Herrschaft gefolgt!

Muhammad fragte: “Wer befreit mich von diesem Bösewicht?” Salim ibn 'Umayr, einer der Heuchler, zog aus und erschlug ihn.* Umama al-Muzairiyya dichtete:

Du nennst den Glauben Allahs und Muhammads eine Lüge.
Wahrlich, Amr, der dich gezeugt hat,
hat einen bösen Mann erzeugt.
Darum versetzt dir ein Gläubiger am Ende der Nacht einen Schlag.
Nimm ihn hin, Abu 'Afak,
trotz deines hohen Alters.”

* Wieder ein Meuchelmord auf Befehl! An Muhammads Händen klebt viel Blut.

11.02.19 -- Die Ermordung Asma's der Tochter Marwans in Medina (März 624 n.Chr.)

Asma', die Tochter Marwans, gegen welche 'Umayr ibn Adi auszog, war von den Banu Umaiyya und zeigte sich nach der Ermordung Abu 'Afaks als eine Heuchlerin. Sie war die Gattin eines Mannes von den Banu Khatma, welcher Jazid ibn Zaid hieß. Sie schmähte den Islam und seine Bekenner in folgenden Versen:

Ihr gehorcht den niedrigen Banu Malik, Nabit.
Auf, Khazradj,
und erwartet nach der Ermordung der Häupter
von Fremden Geschenke,
nicht von Murad und Madhhidj,
wie man den Saft reifender Früchte erwartet.
Gleicht ihr nicht dem, der eine kranke Nase hat
und ein schönes Gesicht wünscht
und Hoffnungen hegt, die nie erfüllt werden?

Als Muhammad dies hörte, fragte er: “Befreit mich niemand von der Tochter Marwans?” Als 'Umayr ibn Adi al-Khatmi, der bei ihm war, dies hörte, ging er noch in derselben Nacht zu ihr und tötete sie. Am folgenden Morgen begab er sich zu Muhammad und sagte zu ihm, er habe sie getötet. Muhammad sagte: “Du bist Allah und seinem Gesandten beigestanden.”* Da fragte er, ob er um ihretwillen etwas zu befürchten habe? Muhammad antwortete: “Es werden sich um ihretwillen nicht zwei Böcke stoßen.” 'Umayr begab sich hierauf zu den Seinigen zurück. Die Banu Khatma waren in großer Erregung wegen der Ermordung der Tochter Marwans, denn sie hatte damals fünf erwachsene Söhne. Als 'Umayr zu den Banu Khatma kam, sagte er: “Ich habe die Tochter Marwans erschlagen! Bekämpft mich, dann braucht ihr nicht lange zu überlegen.” Dieser Tag war der erste, an dem die Wohnung der Banu Khatma durch den Islam verherrlicht wurde, denn die, welche sich zum Islam bekannten, verheimlichten es. Der erste war 'Umayr, welcher der “Qur'anleser” genannt wurde, dann Abd Allah ibn Aus und Khuzaima ibn Thabit. Als aber am Tage der Ermordung der Tochter Marwans die Banu Khatma die Stärke des Islams sahen, bekehrten sich noch weitere von ihnen.

* Erneut ein Meuchelmord auf Befehl Muhammads. Diesmal an einer wehrlosen Frau und klugen Dichterin. Muhammad war ein Massenmörder.

11.02.20 -- Die Gefangennahme und Bekehrung Thumamas Abu Huraira berichtete: “Etliche Reiter Muhammads zogen aus und nahmen einen Mann von den Banu Hanifa* gefangen. Sie wußten nicht, wer er war, bis sie ihn vor Muhammad brachten. Muhammad sagte: ,Wißt ihr, wen ihr gefangengenommen habt? Das ist Thumama ibn Uthal al-Hanafi! Behandelt ihn gut!’ Muhammad kehrte dann zu seiner Familie zurück und sagte: ,Legt alles zusammen, was ihr an Speisen habt, und sendet es dem Gefangenen!’ Auch ließ er morgens und abends seine Milchkamelin zu ihm führen, so daß es ihm an nichts fehlte. Muhammad ging dann zu ihm und forderte ihn auf, Moslem zu werden. Er antwortete: ,Willst du mich töten, so tötest du einen Mann, auf dem eine Blutschuld lastet. Willst du Lösegeld, so fordere, was du willst!’ Es vergingen nun so viele Tage, wie es Allah gefiel. Eines Tages sagte Muhammad: ,Laßt Thumama frei!’ Als er frei war, ging er nach al-Baqi' und reinigte sich nach bester Weise. Dann kam er zu Muhammad und huldigte dem Islam. Am Abend brachte man ihm wie seither sein Essen. Er nahm aber nur ein wenig Milch von der Milchkamelin. Die Moslems staunten darüber. Als Muhammad es hörte, sagte er: ,Worüber wundert ihr euch? Über einen Mann, der morgens mit dem Magen eines Ungläubigen ißt und abends mit dem eines Gläubigen? Der Ungläubige ißt mit sieben Mägen, der Gläubige aber nur mit einem.’”

* Die Banu Hanifa lebten im Osten Arabiens, landeinwärts von der Küste des arabischen Golfs bei Bahrain in einem Gebiet etwa 860 bis 1100 km östlich von Medina gelegen

Ibn Hischam sagte: “Mir ist berichtet worden, er sei dann nach Mekka gepilgert und habe, als er in das Tal von Mekka kam, ,labbaika’* (ich stehe dir zum Dienst zur Verfügung) gesagt. Er war der Erste, der dies beim Betreten Mekkas sagte.”

* Alle Moslems müssen diesen Ruf der Ergebenheit und der Auslieferung an Allah während ihrer Wallfahrt öfters wiederholen. Er wurde zum Motto der Pilgerfahrt und verstärkt die Bindung des Moslems an den Geist, der sich als “Allah” offenbart hat.

11.02.21 -- Die Strafexpedition gegen die Männer von Badjila (September 624 n.Chr.)

Muhammad erhielt auf dem Zuge gegen die Muharib und Tha'laba einen Sklaven namens “Yasar.” Er ließ ihn in der Gegend von Djamaa' (bei Medina) eine Kamelin auf die Weide führen. Eines Tages kamen Leute von Qays Kubba, einem Zweig von Badjila*, zu Muhammad. Sie waren fieberkrank und aufgedunsen. Muhammad sagte: “Geht zu den Kamelinnen und trinkt von ihrer Milch und ihrem Urin.” Als sie wieder gesund waren und ihr Bauch sich zurückgebildet hatte, fielen sie über Yasar her, schlachteten** ihn, stießen Dornen in seine Augen und trieben die Kamelin fort. Muhammad sandte ihnen Kurz ibn Djabir nach. Er brachte sie vor Muhammad nach dessen Rückkehr von Dhu Qarad***. Er ließ ihnen Hände und Füße abschneiden und ihre Augen blenden.****

* Die Banu Badjila lebten in einem Gebiet ca. 130 km südlich von Mekka.
** “Schlachten” bedeutet durch einen Halsschnitt zu töten, so daß der Geschächtete langsam ausblutet. In den letzten Augenblicken seines Lebens wurden Yasar noch zusätzlich die Augen ausgestochen.
*** "Dhu Qarad" liegt ca. 20 km nördlich von Medina.
**** Ein grausames Urteil nach einer bösen Tat! Der Islam folgt immer noch dem Gebot “Auge um Auge, Zahn um Zahn” (2. Mose 21,23-25). Er kennt die Antwort Christi nicht: “Widerstehet nicht dem Übel” (Matthäus 5,38-39).

11.02.22 -- Alis und Khalid ibn al-Walids Züge nach dem Jemen (Juni bis Dezember 631 n.Chr.)

Muhammad sandte Ali (Dezember 631 n.Chr.) nach Jemen. Andere Truppen sandte er mit Khalid ibn al-Walid ebenfalls dorthin (Juni und Juli 631 n.Chr.) und sagte: “Wenn ihr euch begegnet, so sei Ali der Oberbefehlshaber.” Ibn Ishaq erwähnt wohl in seiner Geschichte die Sendung Khalids nach Jemen, erwähnt sie aber nicht bei der Aufzählung der Streifzüge und Sendungen. Demnach dürfte die Gesamtzahl 39 sein.

11.02.23 -- Der letzte Befehl Muhammads zu einem Kriegszug (Juni 632 n.Chr.)

Muhammad sandte Zaid nach Syrien,* und zwar in die Bezirke von Balqa' und Darum, die zu Palästina gehörten. Man rüstete sich, und die ältesten Auswanderer scharten sich um Zaid. Es war die letzte Sendung, die Muhammad befahl.

* Nicht im Süden, im fruchtbaren Jemen, sondern im fernen Norden, in Syrien, lag die Zukunft des Islam. Deshalb hat Muhammad die Blicke seiner Anhänger am Schluß seines Lebens auf die zu erobernden Länder der Christen gerichtet. Die zukünftige Stoßrichtung der islamischen Heere wurde noch von ihm bestimmt.

11.03 -- Die letzten Tage Muhammads, sein Tod und sein Begräbnis (Juni 632 n.Chr.)

11.03.1 -- Der Anfang der Krankheit Muhammads (Juni 632 n.Chr.)

Während die Leute unterwegs waren, zeigte sich die Krankheit, durch die Allah den Gesandten nach seiner Barmherzigkeit wegnahm. Es war in den letzten Tagen des Safar (2. Monat) bzw. in den ersten Tagen des Rabi'a al-Awwal (3. Monat des Jahres 11 nach der Hidjra). Mitten in der Nacht ging Muhammad nach Baqi al-Gharqad und erflehte für die dort Begrabenen Allahs Gnade. Dann kehrte er wieder zu seiner Familie zurück. Seit dieser Nacht war er krank.

Abu Muwaihiba, ein Freigelassener Muhammads erzählt: “Muhammad weckte mich mitten in der Nacht und sagte: ‘Es ist mir befohlen worden, für die Leute dieses Begräbnisplatzes zu beten. Komm mit mir!’ Ich ging mit ihm, und als er in ihrer Mitte stand, sagte er: ‘Friede sei über euch, ihr Bewohner dieser Gräber! Euer Zustand wird besser sein als der der anderen Menschen. Versuchungen als Vorzeichen des Jüngsten Tages werden wie Teile einer finsteren Nacht kommen. Eine wird auf die andere folgen und die letzte wird schlimmer sein als die erste!’ Dann wandte er sich zu mir und sagte: ,O Muwaihiba! Mir ist die Wahl gelassen worden zwischen dem Schlüssel zu den Schätzen der Erde und dem Schlüssel zum Paradies. Ich habe letzteres gewählt.’ Er betete dann für die Bewohner der Gräber, ging weg, und die Krankheit begann, an der er starb.”

Aischa, die Gattin Muhammads, erzählt: “Als Muhammad vom Begräbnisplatz zurückkam, hatte ich Kopfschmerzen und schrie: ,O weh, mein Kopf!’ Er rief: ’Nein, mein Kopf!’ Dann sagte er: ’Was würde es dir schaden, wenn du vor mir sterben solltest und ich dich in das Totengewand legte, für dich betete und dich beerdigte?’ Ich antwortete: ‘Bei Allah, mir ist, wenn du dies tun würdest, als sähe ich dich in meine Wohnung zurückkehren und dich mit einer anderen Frau darin verloben.’ Muhammad lächelte.* Obwohl die Krankheit immer schlimmer wurde, machte er noch die Runde** bei seinen Frauen, bis das Übel sehr heftig wurde. Da befand er sich gerade in der Wohnung Maimunas. Nun ließ er alle seine Frauen rufen und bat um ihre Erlaubnis, in meiner Wohnung die Zeit der Krankheit zuzubringen, und sie wurde ihm erteilt.”

* Aischa, “der Teenager,” die Lieblingsfrau Muhammads, hatte eine spitze Zunge und sagte ihm die Wahrheit bis kurz vor seinem Tod.
** Der Rundgang oder Tawaf: Das Wort, das die Umkreisung der Ka'ba bezeichnet, wird auch für die eheliche Verpflichtung Muhammads seinen Frauen gegenüber verwandt.

11.03.2 -- Muhammads Gattinnen – die Mütter der Gläubigen

Muhammad hatte neun Frauen: Aischa, die Tochter Abu Bakrs; Hafsa, die Tochter Umars; Umm Habiba, die Tochter Abu Sufyans ibn Harb; Umm Salama, die Tochter des Abu Umaiyya ibn al-Mughira; Sauda, die Tochter des Zama'a ibn Qays; Zainab, die Tochter Djahschs ibn Riab; Maimuna, die Tochter des Harith ibn Hazn; Djuwairiyya, die Tochter des Harith ibn Abi Dhirar und Safiyya, die Tochter des Huyay ibn Akhtab.

Insgesamt hat Muhammad 13 Frauen geheiratet:* Die erste war Khadija, die ihm ihr Vater Khuwailid ibn Asad antraute, und der er zehn junge Kamele als Morgengabe schenkte. Khadija war es auch, die ihm – bis auf Ibrahim – alle Kinder geboren hat. Khadijas Gatte zuvor war Abu Hala ibn Malik von den Banu Usayd ibn Amr ibn Tamim, ein Schutzgenosse der Banu Abd al-Dar. Khadija gebar ihm Hind und Zainab. Vor Abu Hala hatte sie 'Utayyiq ibn 'Aabid zum Gatten, dem sie Abd Allah und Djariyya gebar.

* Muhammad hat insgesamt dreizehn Frauen geheiratet. Er stellte sich damit auf eine Stufe mit den Königen David und Salomo, aber nicht auf die Ebene Jesu Christi.
Muhammad hat die Polygamie vorgelebt, im Qur’an bestätigt (Sure al-Nisa 4,3) und damit für die Schari’a als göttliche Offenbarung legalisiert. Er besaß außer seinen Frauen auch noch Sklavinnen, von denen ausgerechnet Mirjam, eine Christin aus Ägypten, ihm als einzige aller Frauen einen Knaben in den zehn Jahren seiner Herrschaft in Medina gebar.
Muhammads Eheverständnis unterscheidet sich grundsätzlich von Gottes Gebot in der Schöpfungsordnung (1. Mose 1,27) und der Bestätigung dieses Gebotes durch Jesus Christus (Markus 10,2-12). Es stimmte aber mit den Praktiken Davids und Salomos überein.
Muhammad hat mit seiner Eheauffassung im Islam eine Grundordnung des Schöpfers übertreten und unendliches Leid über alle moslemischen Frauen gebracht.
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Muhammad verlobte sich mit Aischa in Mekka, als sie sieben Jahre alt war und vollzog die Ehe in Medina, als sie neun Jahre alt war.* Außer ihr hat er keine Jungfrau geheiratet. Ihr Vater (Abu Bakr) gab sie ihm zur Frau. Die Morgengabe betrug 400 Dirham.

* Muhammad war über 20 Jahre mit der willensstarken, seriösen und reichen Kaufmannswitwe Khadija verheiratet gewesen, die Muhammad weitgehend beeinflußte und prägte.
Als sie verstarb und Muhammad Herrscher in Medina wurde, verlobte er sich mit einem Kind, der siebenjährigen Aischa. In den ersten Jahren spielte er noch mit ihr auf dem Boden seines Hauses. Als sie im 9. Lebensjahr die körperliche Reife erreichte, vollzog er mit ihr die Ehe. Sie wurde die Lieblingsfrau Muhammads und war etwa 19 Jahre alt, als Muhammad starb. Es gibt keinen größeren Gegensatz im Leben Muhammads als die Ehen mit Khadija und Aischa. Beide Frauen haben die Geschichte des Islam mitgeprägt.

Sauda erhielt Muhammad von Salit ibn Amr. Nach anderen Berichten von Abu Hatib ibn Amr Abd Schams ibn Abd Wudd. Ihre Morgengabe betrug ebenfalls 400 Dirham.

Zainabs Vormund war ihr Bruder Abu Ahmad ibn Djahsch. Auch sie erhielt 400 Dirham als Morgengabe. Ihr erster Gatte war Zaid ibn Haritha, der Freigelassene Muhammads (und sein Adoptivsohn). Über sie offenbarte Allah: “... Als Zaid sein Vorhaben an ihr vollbracht hatte, gaben wir sie dir zur Frau ...” (Sure al-Ahzab 33,37).

Umm Salama, die Hind hieß, empfing Muhammad aus der Hand ihres Sohnes Salama ibn Abi Salama. Ihre Morgengabe war ein Bett, gefüllt mit Palmfasern, ein Becher, eine Schüssel und eine Mühle. Ihr erster Gatte war Abu Salama Abd Allah ibn Abd al-Asad. Ihm gebar sie Salama, Umar, Zainab und Ruqayya.

Hafsa erhielt Muhammad von ihrem Vater Umar. Ihre Morgengabe betrug 400 Dirham. Ihr erster Gatte hieß Khunais ibn Hudhaafa al-Sahmi.

Umm Habiba, die Ramla hieß, gab ihm Khalid ibn Sa'id ibn al-'As zur Frau. Mit Khalid war sie in Abessinien, und der Nadjaschi gab ihr an Muhammads Stelle 400 Dirham als Morgengabe. Auch hatte er für Muhammad um sie geworben. Ihr erster Gatte war 'Ubaid Allah ibn Djahsch al-Asadi.

Djuwairiyya befand sich unter den Gefangenen der Banu al-Mustaliq von Khuza'a. Sie fiel Thabit ibn Qays ibn al-Schammas zu, der einen Loskaufvertrag mit ihr schloß. Als sie zu Muhammad kam und ihn bat, ihr beim Loskauf behilflich zu sein, fragte er sie: “Willst du etwas Besseres?” Sie fragte zurück: “Was denn?” Er erwiderte: “Ich will dich loskaufen und heiraten.” Sie willigte ein. Muhammad warb dann um sie bei ihrem Vater. Er gab sie ihm zur Frau, und ihre Morgengabe betrug 400 Dirham. Ihr erster Gatte war ihr Vetter Abd Allah.

Safiyya war eine jüdische Gefangene von Khaybar, die Muhammad für sich wählte. Beim Hochzeitsmahl hatte Muhammad weder Fleisch noch Fett. Es bestand aus Brei und Datteln. Ihr erster Gatte war Kinana ibn Rabi'a ibn Abi al-Huqaiq.

Maimuna erhielt Muhammad aus der Hand seines Onkels al-'Abbas zur Frau, der für ihn eine Morgengabe von 400 Dirham spendete. Ihr erster Gatte war Abu Ruhm ibn Abd al-'Uzza. Nach anderen Berichten gab sie sich selbst Muhammad. Er warb nämlich um sie, als sie auf ihrem Kamel saß. Da sagte sie: “Das Kamel und was darauf ist, gehört Allah und seinem Gesandten!” Darüber offenbarte Allah: “... Wenn eine gläubige Frau sich dem Propheten schenkt ...” (Sure al-Ahzab 33,50).* Nach anderen Aussagen war es Zainab, die sich dem Propheten schenkte, nach anderen Umm Scharik Ghaziyya, die Tochter des Dja'bir ibn Wahb.

* Dieser Vers kann im Arabischen auch so verstanden werden, daß Muhammad das Recht hatte, jede moslemische Frau und jedes Mädchen zu heiraten, wenn sie sich ihm anbot und er mit ihr die Ehe vollziehen wollte. Allah gab Muhammad damit einen Freibrief, alle seine Lüste zu erfüllen. So mußte er sich nicht “bedrückt” fühlen, wenn er über das Maß der anderen Moslems hinausging. Sex war im Leben Muhammads – nachdem Khadija verstorben und er Herrscher in Medina geworden war – ein dominierender Faktor geworden.
Um diese Ausnahme zu rechtfertigen sprechen die Schari'agelehrten von der Hiba-Ehe, die dadurch zustande kommt, daß eine Frau sich einem Mann bedingungslos schenkt, was nur ein Vorrecht Muhammads war.

Zainab, die wegen ihrer Mildtätigkeit “Mutter der Armen” genannt wurde, erhielt Muhammad von Qabisa ibn Amr al-Hilali zur Frau. Muhammads Morgengabe betrug 400 Dirham. Ihr zweiter Gatte war Ubaida ibn al-Harith ibn al-Muttalib und ihr erster ihr Vetter Djahm ibn Amr ibn al-Harith.

Mit diesen elf Frauen hat Muhammad die Ehe vollzogen. Zwei von ihnen, nämlich Khadija und Zainab, starben vor Muhammad und neun überlebten ihn. Mit zwei anderen Frauen vollzog er die Ehe nicht – mit Asma, der Tochter Nu'mans vom Stamme Kinda, an der er einen Aussatz fand, weshalb er sie mit der ihr gebührenden Gabe ihrer Familie zurücksandte, und mit Amra, Tochter Yazids, vom Stamme Kilab, die erst vor kurzem gläubig geworden war, und als sie zu Muhammad kam, (vor ihm) ihre Zuflucht zu Allah nahm. Da sagte er: “Wer zu Allah seine Zuflucht nimmt, ist geschützt!” Er sandte sie zu ihrer Familie zurück.

Unter den Frauen Muhammads waren sechs Quraischitinnen: Khadija, Aischa, Hafsa, Umm Habiba, Umm Salama und Sauda. Sieben weitere stammen von den Beduinenstämmen oder von fremden Gruppen: Zainab (die Tochter Djahschs), Maimuna, Zainab (die Tochter Khuzaimas), Djuwairiyya, Asma' und Amra. Safiyya war keine Beduinin (sondern Jüdin), sie war von den Banu al-Nadir.

11.03.3 -- Muhammad in der Wohnung Aischas

Aischa erzählt: “Muhammad trat, von zwei Männern aus seiner Familie geführt, in meine Wohnung. Der eine war al-Fadl ibn 'Abbas. Muhammad hatte ein Tuch um den Kopf gewunden, und seine Beine waren schwach.” Ubaid Allah berichtet: “Als ich diese Überlieferung Abd Allah ibn al-'Abbas mitteilte, fragte er: ,Weißt du, wer der andere war?’ Ich sagte: ,Nein!’ Da sagte er: ‘Es war Ali.’” Muhammad wurde schließlich ohnmächtig. Die Krankheit wurde schlimmer. Später befahl er: “Gießt sieben Schläuche mit kaltem Brunnenwasser über mich, damit ich zum Volk hinaustrete und ihm meinen letzten Willen kundtun kann.” Wir setzten ihn in eine Wanne, die Hafsa gehörte und gossen Wasser über ihn, bis er rief: “Genug! Genug!”

Muhammad ging dann mit umwundenem Haupt hinaus und setzte sich auf die Kanzel. Er begann mit einem langen Gebet für die Gefährten von Uhud, für die er Allahs Gnade erflehte.*

* Die Niederlage von Uhud schmerzte Muhammad bis an sein Lebensende. Er betete für die gefallenen Märtyrer und noch lebenden Kämpfer.

Dann sagte er: “Allah hat einem seiner Diener die Wahl gelassen zwischen dieser Welt und der zukünftigen, und sein Diener hat Allahs Nähe gewählt!”*

* Muhammad hatte gehofft, daß er, wie Jesus, nach seinem Tod in die Nähe Allahs entrückt werde. Die Knochen Muhammads aber liegen noch immer in seinem Grab in Medina und die islamischen Theologen sagen, daß Muhammad im Barzakh (Zwischenzustand) auf den Jüngsten Tage warte. Deshalb müssen alle Moslems bei der Nennung des Namens Muhammads sagen: “Allah bete über ihm und gebe ihm Frieden!” Sie ahnen, daß Muhammad noch nicht gerettet und noch nicht ins Paradies eingegangen ist.

Abu Bakr verstand den Sinn und wußte, daß Muhammad sich selbst damit gemeint hatte. Deshalb weinte er und sagte: “Wir geben gern uns selbst und unsere Kinder für dich hin!” Muhammad antwortete: “Nur sachte, Abu Bakr!” Dann fuhr er fort: “Seht die Türen, die zur Moschee führen. Verschließt sie alle bis auf die eine, die zu Abu Bakrs Wohnung führt; denn unter allen meinen Gefährten steht mir keiner näher als er.”*

* Diese Tradition deutet an, daß Muhammad Abu Bakr kurz vor seinem Tod als seinen Nachfolger empfahl. Sie stammt jedoch von Aischa, die die Anwesenheit Alis verschwieg und dafür ihren Vater als Kalifen ins Gespräch brachte.

11.03.4 -- Muhammad befiehlt die Sendung Usamas ibn Zaid (Juni 632 n.Chr.)

Muhammad hatte in den Tagen seiner Krankheit bemerkt, daß die Leute mit der Sendung von Usama ibn Zaid nicht einverstanden waren. Etliche murrten: “Er hat einen jungen Mann über die ehrwürdigsten Auswanderer und Hilfsgenossen gesetzt!” Muhammad trat daher mit umwundenem Haupt aus Aischas Wohnung, setzte sich auf die Kanzel und sagte (nachdem er Allah in gebührender Weise gelobt und gepriesen hatte): “O ihr Leute! Vollzieht die Sendung Usamas! Bei meinem Leben, wenn ihr etwas gegen seine Führerschaft einzuwenden habt, so stellt ihr euch auch gegen die seines Vaters. Er ist ihrer würdig, wie sein Vater würdig war.” Als Muhammad die Kanzel verließ, verschlimmerte sich seine Krankheit. Usama zog mit seinem Heer aus der Stadt und schlug sein Lager in Djuraf auf, das drei Meilen von der Stadt entfernt liegt. Die Leute scharten sich um ihn. Da Muhammad jedoch sehr krank war, blieb Usama mit seinen Leuten im Lager. Er wollte abwarten, was Allah über seinen Gesandten beschließen werde.

11.03.5 -- Muhammad empfiehlt die Hilfsgenossen

Es wird berichtet, Muhammad habe an dem Tage, als er für die Gefährten von Uhud betete, unter anderem noch gesagt: “O ihr Auswanderer, behandelt die Hilfsgenossen gut!*

Andere Leute vermehren sich, aber die Hilfsgenossen bleiben, wie sie sind; sie nehmen nicht zu. Sie waren der Bergungsort, zu dem ich mich gewandt habe. Seid gütig gegen die, die freundlich gegen sie sind und bestraft alle, die ihnen unfreundlich begegnen.” Danach verließ Muhammad die Kanzel. Seine Leiden wurde so schlimm, daß er ohnmächtig wurde.

* Bis zum Schluß gab es erhebliche Spannungen zwischen den Moslems aus Mekka, den Flüchtlingen, und den alteingesessenen Moslems aus Medina, den Hilfsgenossen.

11.03.6 -- Wie man Muhammad Medizin einflößte

Abd Allah berichtet: “Einige seiner Frauen kamen zu ihm – Umm Salama, Maimuna und andere, unter ihnen auch Asma, die Tochter des Unais, sowie sein Onkel 'Abbas. Sie kamen überein, ihm Medizin einzuflößen. 'Abbas erbot sich, es zu tun, was auch geschah. Als Muhammad wieder zu sich kam, fragte er: ,Wer hat mir dies angetan?’ Man antwortete: ‘Dein Onkel.’ Da sagte er: ‘Diese Arznei haben Frauen aus jenem Lande mitgebracht.’ Er deutete dabei in Richtung Abessinien. ,Weshalb habt ihr das getan?’ 'Abbas antwortete. ,Wir fürchteten, du würdest an Pleuritis leiden.’ Da sagte er: ‘Das ist eine Krankheit, die mir Allah nicht geschickt hat. Nun soll jeder, der in diesem Hause ist, von dieser Medizin nehmen, mein Onkel ausgenommen.’ Dies geschah selbst bei Maimuna, die fastete. Muhammad hatte nämlich geschworen, es müsse geschehen, zur Strafe dafür, daß sie ihm die Arznei verabreicht hatten.”*

* Wahrscheinlich argwöhnte Muhammad, daß man ihn vergiften wollte. Um sich zu vergewissern, daß es tatsächlich Arznei war, forderte er alle Anwesenden auf, davon zu trinken!

11.03.7 -- Abu Bakr betet der Gemeinde vor

Aischa sagte: “Als Muhammad schwer erkrankt war, befahl er, Abu Bakr solle vorbeten. Ich erwiderte: ,Abu Bakr ist ein zarter Mann. Er hat eine schwache Stimme und weint viel, wenn er den Qur’an liest.’ Muhammad wiederholte jedoch seinen Befehl. Als ich ebenfalls meine Worte wiederholte, antwortete er: ,Ihr seid wie die Gefährtinnen Josephs! Befehlt ihm vorzubeten!’ Bei Allah, ich hatte diese Einwände vorgebracht, um solches von meinem Vater abzuwenden. Ich wußte wohl, daß man nie einen Mann lieben würde, der Muhammads Stelle einnimmt, und daß man ihm jeden unliebsamen Vorfall anlasten würde.”*

* Diese Tradition Aischas dreht sich wieder um ihren Vater. Als ob sie es hätte verhindern wollen, daß er Vorbeter und Herrscher werde, aber daß Muhammad diese Berufung durchgesetzt habe.

Abd Allah ibn Zam'a erzählt: “Als Muhammad schwer erkrankte, war ich mit anderen Moslems bei ihm. Bilal rief ihn zum Gebet, und er sagte: ,Laßt einen andern vorbeten!’ Ich ging hinaus und begegnete Umar* unter den Leuten (Abu Bakr war nicht anwesend) und sagte zu ihm: ,Mache dich auf und bete der Gemeinde vor!’ Umar erhob sich, und als er rief: ,Allah ist groß!’ vernahm Muhammad seine kräftige Stimme und fragte: ,Wo ist Abu Bakr? Das will Allah nicht, und das wollen die Moslems auch nicht.’ Man ließ dann Abu Bakr holen. Er kam, nachdem Umar bereits mit dem Vorbeten angefangen hatte. Dann setzte er das Gebet fort. Umar sagte zu mir (so erzählt Abd Allah): ,Wehe dir! Was hast du mir angetan! Bei Allah, als du mich zum Vorbeten riefest, glaubte ich, du hättest dies auf Geheiß Muhammads getan. Sonst hätte ich nicht vorgebetet.’ Ich antwortete: ‘Bei Allah, Muhammad hatte es mir nicht befohlen. Als ich dich jedoch sah und Abu Bakr vermißte, fand ich dich unter den Anwesenden am würdigsten.’”

* Eine andere Tradition stellte Umar als berufenen Vorbeter vor. Die Nachfolgekämpfe zwischen den Anhängern Abu Bakrs, Umars und Alis begannen schon vor dem Tod Muhammads. Aischa aber, die schlauste von allen, siegte.

11.03.8 -- Muhammads Todestag (8. Juni 632 n.Chr. = 13.3.11 nach der Hidjra)

Es war ein Montag, an dem Muhammad starb. Er ging an diesem Tag noch zum Morgengebet hinaus. Man hob ihm den Vorhang und öffnete die Tür, und er blieb an der Tür der Wohnung Aischas stehen. Die Moslems waren vor Freude über Muhammads Erscheinen versucht, ihr Gebet zu unterbrechen. Muhammad gab ihnen einen Wink, beim Gebet zu bleiben. Er freute sich, sie in ihrer Gebetshaltung zu sehen. Bei Allah, Muhammad erschien mir nie schöner als an diesem Tag. Er ging dann in Aischas Wohnung zurück. Die Leute entfernten sich in der Annahme, sein Zustand habe sich gebessert. Abu Bakr begab sich sogar zu seiner Familie nach Sunh.

Abu Mulaika hat mir berichtet: “Am Montag in der Frühe trat Muhammad mit verbundenem Kopf heraus, und Abu Bakr betete vor. Die Leute freuten sich sehr, und da Abu Bakr wußte, daß dies nur wegen Muhammad war, hielt er mit dem Vorbeten inne. Aber Muhammad stieß ihm in den Rücken und mahnte: ‘Bete weiter vor!’ Er setzte sich neben Abu Bakr und betete zu seiner Rechten. Als das Gebet zu Ende war, wandte er sich der Gemeinde zu und sagte so laut, daß seine Stimme sogar nach draußen drang: ,O ihr Leute! Das Feuer ist angezündet, und es kommen Versuchungen wie Teile einer finsteren Nacht, aber, bei Allah, ihr könnt mir keinen Vorwurf machen. Ich habe nur erlaubt, was der Qur’an erlaubt und verboten, was der Qur’an verbietet.’* Als Muhammad aufhörte zu sprechen, sagte Abu Bakr zu ihm: ,O Prophet Allahs! Ich sehe, daß du heute morgen durch Allahs Güte dich wohl befindest. Heute ist der Tag der Tochter Kharidjas. Soll ich sie besuchen?’ Muhammad antwortete mit ,Ja’. Er ging dann wieder in seine Wohnung, und Abu Bakr begab sich zu seiner Familie nach Sunh.”

* Die letzte Rede Muhammads ist erschütternd. Kein Wort der Gnade und der Hoffnung. Nur eine Wiederholung des Gesetzes mit seinen Geboten und Verboten. Was Muhammad zu sagen hatte, war kein Trost – nur Gesetz. Das beschäftigte ihn bis zum Tod. Christus aber ist des Gesetzes Ende. Wer an ihn glaubt, der wird gerecht. Wer Jesus, den Retter vom Fluch des Gesetzes verwirft, auf den wartet das Feuer, das Muhammad in seiner letzten Stunde von ferne sah und ahnte.

Zuhri berichtet von Abd Allah ibn Ka'b ibn Malik, Abd Allah ibn 'Abbas habe erzählt: “Ali* trat an jenem Tage unter die Leute, nachdem er Muhammad verlassen hatte. Als man ihn nach dem Befinden des Gesandten Allahs fragte, antwortete er: ‘Es geht ihm gottlob besser!’ 'Abbas ergriff jedoch seine Hand und sagte: ,O Ali, bei Allah, in drei Tagen bist du der Diener der Gemeinde. Ich sehe den Tod in Muhammads Gesicht, wie ich ihn im Gesicht der Söhne Abd al-Muttalibs beobachtet habe. Komm mit mir, wir gehen zu Muhammad. Wir wollen sehen, ob die Herrschaft uns zugeteilt wird. Wenn nicht, wollen wir ihn ersuchen, uns den Leuten zu empfehlen!’ Ali erwiderte: ‘Bei Allah, das tue ich nicht. Ist uns die Herrschaft versagt, so wird sie uns niemand nach ihm verleihen!’ Muhammad starb am selben Tage, als die Sonne hoch am Himmel stand.”

* Die Anhänger Alis waren neben den Anhängern Abu Bakrs und Umars die dritte Gruppe, die um die Herrschaft und Nachfolge Muhammads rang.

11.03.9 -- Muhammad reinigt vor seinem Tode die Zähne

Aischa berichtet: “Als Muhammad an jenem Tage aus der Moschee zurückkehrte, legte er sich auf meinen Schoß. Da kam ein Mann aus dem Geschlecht Abu Bakrs herein. Er hatte einen frischen Zahnstocher in seiner Hand. Muhammad sah in einer bestimmten Weise nach seiner Hand, daß ich merkte, er wollte den Zahnstocher haben. Ich fragte ihn, ob ich ihn ihm geben solle. Er antwortete: ,Ja’. Ich nahm ihn, kaute auf ihm herum, bis er weich geworden war und gab ihm den Zahnstocher. Er reinigte seine Zähne sorgfältiger denn je und legte ihn dann wieder hin. Ich fand, daß er immer schwerer in meinem Schoß wurde. Als ich ihm ins Gesicht sah, war sein Blick nach oben gerichtet. Er sagte: ,Nein, den oberen Gefährten im Paradies.’ Ich antwortete: ‘Dir ist die Wahl gelassen worden, und du hast gewählt.’ Hierauf verschied der Gesandte Allahs.

Aischa sagte: “Muhammad starb zwischen meiner Lunge und meinem Hals (an meiner Brust). Ich habe betreffs seiner niemand Unrecht getan. Infolge meiner Unüberlegtheit und Jugend verschied Muhammad in meinem Schoße. Dann legte ich sein Haupt auf ein Kissen, stand auf und schlug mir mit anderen Frauen ins Gesicht und auf die Brust.*”

* Die Augenzeugen, die von den letzten Minuten im Leben Muhammads berichten, können keine Worte des Trostes und der Hoffnung und keine Vergebung für seine Feinde bezeugen.

11.03.10 -- Was Umar nach dem Tode Muhammads sagte

Als Muhammad starb, erhob sich Umar und sagte: “Einige Heuchler behaupten, Muhammad sei gestorben. Aber bei Allah, Muhammad ist nicht gestorben, sondern er ist zu seinem Herrn gegangen, wie Mose, der Sohn Imrans, der vierzig Tage von seinem Volke fern geblieben und dann wieder zurückgekehrt ist, nachdem man ihn schon für tot erklärt hatte. Bei Allah, der Gesandte Allahs wird auch wie Mose zurückkehren und denen, die ihn für tot erklärt haben, Hände und Füße abschneiden.”

Abu Bakr trat, als er von der Rede Umars Kunde erhielt, bis vor die Tür der Moschee, während Umar noch zum Volk redete. Aber Umar beachtete es nicht, bis er in die Wohnung Aischas trat. Muhammad lag mit einem gestreiften Mantel zugedeckt in einer Ecke des Zimmers. Abu Bakr trat zu ihm, deckte sein Gesicht auf, küßte es und sagte: “Du bist mir teurer als Vater und Mutter. Du hast nun den Tod gekostet, den Allah über dich verhängt hat. Nach diesem Tode wirst du unsterblich sein!” Er deckte dann sein Gesicht wieder mit dem Mantel zu, trat heraus und sagte zu dem noch immer sprechenden Umar: “Nur sachte, Umar, höre mich an!” Umar aber ließ sich nicht unterbrechen, sondern fuhr mit seiner Rede fort. Als Abu Bakr sah, daß er nicht schweigen wollte, richtete er sich direkt an das Volk. Als man sein Wort vernahm, wandte man sich ihm zu und verließ Umar.

Abu Bakr lobte Allah und sagte dann: “O ihr Leute! Wer Muhammad angebetet hat, der wisse, daß er gestorben ist. Wer aber Allah anbetet, nun, der lebt noch und wird nie sterben!” Dann las er folgenden Vers vor: “Muhammad ist nur ein Gesandter, schon vor ihm sind andere Gesandte gestorben. Wollt ihr euch auf euren Fersen umdrehen, wenn er stirbt oder getötet wird? Wer dies tut, fügt Allah keinen Schaden zu, aber Allah belohnt die Dankbaren” (Sure Al 'Imran 3,144). Und bei Allah, es war, als hätten die Leute von der Offenbarung dieses Verses nichts gewußt, bis ihn Abu Bakr an jenem Tage vorlas. Die Leute nahmen ihn von Abu Bakr an und führten ihn fortan im Munde.

Abu Huraira berichtet: “Umar sagte: ‘Bei Allah, sobald ich hörte, wie Abu Bakr diesen Vers las, war ich ganz zerknirscht, so daß meine Füße mich nicht mehr tragen konnten und ich umfiel. Ich erkannte nun, daß der Gesandte Allahs tatsächlich gestorben war.’”*

* Diese Berichte spiegeln die Turbulenzen zwischen den Moslemführern wegen der von Muhammad ungeklärten Nachfolgefrage wider. Die nüchterne Aussage Abu Bakrs, daß die Anbetung Allahs weiter gehe und Muhammad nur sein zeitlicher Gesandter gewesen sei, beeindruckte das Volk. Abu Bakr hat das theokratische Weltbild des Islam bestätigt – falls dieser Bericht echt ist und keine nachträgliche Retuschierung des Nachfolgerstreits.

11.03.11 -- Was sich im Vorhof der Banu Sa'ida ereignete

Als Muhammad verstorben war, versammelte sich dieser Stamm der Hilfsgenossen (aus Medina) bei Sa'd ibn Ubada in einem Vorhofe der Banu Sa'ida. Ali, Zubair und Talha zogen sich in die Wohnung Fatimas zurück. Die übrigen Auswanderer (aus Mekka) begaben sich zu Abu Bakr. Bei ihnen war auch Usayd ibn Hudhair mit den Banu Abd al-Aschhal. Da kam jemand zu Abu Bakr und Umar und sagte: “Dieser Zweig der Hilfsgenossen ist mit Sa'd ibn Ubada im Vorhofe der Banu Sa'ida versammelt, und schon haben sie sich ihm angeschlossen. Wenn ihr daher nach der Herrschaft trachtet, so begebt euch zu ihnen, ehe in dieser Sache etwas entschieden wird.” Muhammad lag noch in seiner Wohnung. Man war noch nicht fertig mit ihm, und seine Familie hatte die Tür hinter ihm geschlossen. Da sagte Umar zu Abu Bakr: “Laß uns zu unsern Brüdern, den Hilfsgenossen, gehen, um zu sehen, was sie vorhaben.”

Die Versammlung der Hilfsgenossen im Vorhof verlief nach dem Bericht von Abd Allah ibn Abi Bakr, der ihn von Zuhri hat, dem 'Ubaid Allah ibn Abd Allah ibn 'Utba ibn Mas'ud ihn überliefert hat, wie folgt; Abd Allah ibn 'Abbas habe ihm erzählt: “Ich war in der Wohnung von Abd al-Rahman ibn Auf in Mina und wartete, bis er von Umar zurückkam. Es war zur Zeit seiner letzten Pilgerfahrt und ich las ihm manchmal den Qur’an vor. Als er zurückkam und mich sah, sagte er: ‘Hättest du doch gesehen, wie ein Mann zum Fürsten der Gläubigen gekommen ist und zu ihm gesagt hat: ,O Fürst der Gläubigen, was sagst du zu dem und dem, der gesagt hat: “Bei Allah, wenn Umar stirbt, werde ich dem und dem huldigen? Bei Allah, die Huldigung Abu Bakrs war nur eine Überraschung, die darin bestätigt wurde.”‘ Umar geriet in Zorn und sagte: ,So Allah will, werde ich an diesem Abend die Leute warnen, die dem Volk in seiner Regierung Gewalt antun wollen.’ Ich sagte: ,O Fürst der Gläubigen, tue es nicht, denn beim Fest ist allerlei schlechtes Volk versammelt, das sich zunächst in deine Nähe drängen wird; wenn du dich erhebst und eine Rede hältst, so werden diese Leute sie nach allen Seiten verbreiten, ohne sie recht aufgenommen und richtig aufgefaßt zu haben. Warte lieber, bis du nach Medina an den Ort der heiligen Lehren kommst, wo du ausschließlich von Gesetzeskundigen und edlen Männern umgeben bist. Was du in Medina sagst, wird bleiben. Die Gesetzeskundigen werden deine Worte aufbewahren und richtig deuten!’ Umar sagte: ‘Bei Allah, so Allah will, werde ich bei meiner ersten Rede in Medina mich dafür erheben!’”

“Wir kamen” – so berichtet Ibn 'Abbas – “Ende Dhu al-Hidjdja (12. Monat) nach Medina. Am ersten Freitag eilte ich zur Moschee, sobald die Sonne ihren Höhepunkt erreicht hatte. Sa'id ibn Zaid ibn Amr Nufail saß bereits an dem Pfeiler der Kanzel. Ich setzte mich ihm gegenüber, so daß mein Knie das seinige berührte, und wich nicht von ihm bis Umar kam. Dann sagte ich zu Sa'id: ‘Er wird heute Abend auf dieser Kanzel eine Rede halten, wie er keine, seit er Kalif ist, gehalten hat.’ Sa'id wollte es nicht glauben und sagte: ,Was kann er schon sagen, das er nicht bereits früher gesagt hätte?’ Umar setzte sich auf die Kanzel und – als die Gebetsausrufer schwiegen – erhob sich, pries Allah in gebührender Weise und sagte: ,Ich will euch heute nach Allahs Bestimmung etwas sagen, denn ich weiß nicht, ob ich es in meiner Todesstunde noch sagen kann. Wer es begreift und auswendig lernt, der verbreite es, soweit ihn sein Kamel trägt; wer fürchtet, es nicht recht zu wissen, der hüte sich, mir etwas Unwahres anzudichten. Allah hat Muhammad gesandt und ihm das Buch geoffenbart. Zu dieser Offenbarung gehörte ein Vers, der vom Steinigen handelt.* Wir haben ihn gelesen, gelernt und auswendig gewußt. Muhammad selbst hat steinigen lassen, und wir haben es ihm nachgetan. Dennoch fürchte ich, daß nach langer Zeit jemand sagen könnte: “Wir finden nichts über das Steinigen im Buch Allahs!” Man wird also ein von Allah geoffenbartes Gesetz nicht einhalten. Denn nach dem Buche Allahs ist es geboten, Ehebrecher zu steinigen, wenn Beweise dafür da sind. Auch bei einem Geständnis des Mannes oder der Frau, sowie bei Schwangerschaft muß die Steinigung durchgeführt werden.’

* Umar wollte zunächst die Moslems auf seine Seite ziehen und brachte vergessene Verse aus den Offenbarungen Muhammads in Erinnerung. Er wollte sich als radikaler und konsequenter Rechtsgelehrter profilieren. Die Steinigung einer Ehebrecherin ist nur durch die Sunna belegt; ob es in einer früheren Fassung des Qur’ans den “Steinigungsvers” gegeben hat, ist umstritten.

Es heißt unter anderem: ,Wendet euch nicht von euren Vätern ab, denn es ist Unrecht (Gottlosigkeit), wenn ihr dies tut.’ Auch hat Muhammad gefordert: ,Vergöttert mich nicht, wie 'Isa, der Sohn Maryams, vergöttert worden ist. Nennt mich Diener und Gesandter Allahs!’”*

* Umar warnte vor der Vergottung Muhammads und zog Jesus als warnendes Beispiel dafür heran. Damit hat Umar Jesus verkannt und den antichristlichen Kampf des Islam im Geist Muhammads weitergeführt.

Ferner habe ich gehört, N. N. habe gesagt: “Bei Allah, wenn Umar stirbt, so huldige ich N.N.” Es sei aber niemand so verblendet, zu sagen, die Huldigung Abu Bakrs sei ein Handstreich gewesen. Es war allerdings so, aber Allah hat Schlimmes dadurch abgewendet, denn es war niemand unter euch, vor dem man sich mehr beugte als vor Abu Bakr. Wer aber einem Manne ohne Beschluß des Rates der Moslems huldigt, dessen Huldigung ist ungültig, ebenso die Huldigung dessen, der es aus Furcht, getötet zu werden, tut. Wir haben gehört, als Allah Muhammad zu sich nahm, daß die Hilfsgenossen (aus Medina) sich trennten und mit ihren Häuptern sich im Vorhof der Banu Sa'ida versammelten, auch Ali, Zubair und ihr Anhang blieben von uns weg, während die Ausgewanderten (aus Mekka) sich bei Abu Bakr versammelten. Da sagte ich zu Abu Bakr: “Laß uns zu unseren Brüdern, den Hilfsgenossen gehen!” Auf dem Wege trafen wir zwei rechtschaffene Männer, die uns das Übereinkommen der Leute mitteilten und uns fragten, wohin wir wollten. Wir sagten: “Zu unseren Brüdern, den Hilfsgenossen.” Da sagten sie: “Nähert euch ihnen nicht, ihr Ausgewanderten. Vollzieht selbst, was ihr vorhabt!” Ich entgegnete: “Bei Allah, wir gehen zu ihnen!” Wir begaben uns in den Vorhof der Banu Sa'ida, und fanden in ihrer Mitte einen verhüllten Mann. Wir fragten: “Wer ist der Mann?” Man antwortete uns: “Sa'd ibn Ubada.” Ich fragte: “Was hat er?” Man antwortete: “Er ist krank!” Als wir uns niedergelassen hatten, begann ihr Redner mit dem Glaubensbekenntnis und dem Lob Allahs. Dann sagte er: “Wir sind die Hilfsgenossen Allahs und das Heer des Islam. Ihr Ausgewanderten gehört zu unserem Geschlecht. Eine Schar von euch ist herangestürmt und will uns von unserer Wurzel wegreißen und uns der Herrschaft berauben.” Als er schwieg, wollte ich sprechen. Ich hatte bereits eine Rede vorbereitet, die mir gefiel und die ich vor Abu Bakr vortragen wollte, weil ich an ihm etwas Schärfe vermißte. Er aber sagte: “Sachte, Umar!” Ich wollte ihn nicht erzürnen und ließ ihm den Vortritt. Als er dann sprach, waren seine Worte gelehrter und gewichtiger als die meinen und, bei Allah, er ließ kein Wort von dem weg, was ich mir zu sagen vorgenommen hatte. Er drückte es nur anders oder noch besser aus. Er sprach: “Ihr verdient gewiß alles Gute, das ihr von euch selbst sagt, doch die Beduinen erkennen die Herrschaft nur den Quraisch zu. Dieser Stamm ist der Mittelpunkt der Araber, sowohl was ihre Herkunft als auch was ihren Wohnsitz anbetrifft. Ich schlage euch einen dieser beiden Männer vor, huldigt, wem ihr wollt!” Bei diesen Worten faßte er meine Hand und die von Abu Ubaida ibn al-Djarrah. Bei Allah, wenn man mich zur Hinrichtung geführt hätte, ohne ein Verbrechen begangen zu haben, wäre es mir lieber gewesen, als einem Volk vorgesetzt zu werden, unter dem sich Abu Bakr befand.

Da sagte ein Sprecher der Hilfsgenossen: “Ich bin der Stamm, an dem sich das Kamel kratzt und der gut gestützte Dattelbaum. Es soll ein Emir von uns und einer von euch Quraischiten gewählt werden.” Hierauf erhob sich ein großer Lärm. Die Stimmen wurden laut und lauter, so daß ich eine Spaltung befürchtete. Da sagte ich zu Abu Bakr: “Strecke deine Hand aus!” Als er sie ausstreckte, huldigte ich ihm. Alsdann huldigten ihm die Ausgewanderten und die Hilfsgenossen. Dann fielen wir über Sa'd ibn Ubada her, so daß einer von ihnen rief: “Ihr bringt Sa'd um!” Ich erwiderte aber: “Allah töte ihn!”*

* Die einheimischen Moslems sammelten sich im Hause eines der Ihrigen, Sa'd ibn Ubada, und versuchten die Herrschaft an sich zu reißen. Der nachgiebige, junge Ali hatte sich mit seinen Anhängern ins Haus seiner Frau Fatima zurückgezogen. Abu Bakr aber ging mit Umar mitten in die Versammlung der Moslems aus Medina hinein. Abu Bakr deutete in seiner Rede die Gefahr des Abfalls und von Überfällen der Beduinen an, falls der Nachfolger Muhammads nicht von den Quraisch stammen würde.
Als die Hilfsgenossen aus Medina zwei Kalifen vorschlugen – einen aus ihrer Mitte und einen aus der Gruppe der Quraisch – begann Umar Abu Bakr durch einen Handstreich zu huldigen und zog die Mehrheit mit sich zu Abu Bakr.
Muhammad war noch nicht beerdigt, da brachen schon die Kämpfe um Muhammads Nachfolge aus. Es ging dabei weder um die richtige Anbetung Allahs, noch um die Trauer wegen Muhammads Tod, sondern allein um die Macht. Diese Vorgänge spiegeln den Geist des Islam deutlich wider.
Jesus hatte seine Jünger nach seiner Himmelfahrt für zehn Tage in die Gebetsstille gesandt, bis der Heilige Geist auf sie fallen würde. Petrus war schon früher von Jesus als Vorsteher der Apostel bestimmt worden. Der Heilige Geist bestätigte diese Berufung. Es ging an Pfingsten nicht um eine politische Machtergreifung, sondern um den Empfang der Kraft Gottes. Die Jünger selbst hatten Jesus vor der Himmelfahrt wegen der Aufrichtung der Gottesherrschaft im alttestamentlichen Volk gefragt. Aber Jesus schob ihre irdische Denkweise beiseite und verhieß ihnen den Heiligen Geist, der ein geistliches Reich – die Gemeinde Jesu Christi – bauen würde.

11.03.12 -- Umars Rede am Tage der allgemeinen Huldigung

Zuhri berichtet von Anas ibn Malik: “Am Tage nach der Huldigung im Vorhof setzte sich Abu Bakr auf die Kanzel. Da erhob sich Umar und sagte (nachdem er Allah gepriesen hatte, wie es sich ziemt): ,O ihr Leute! Ich habe gestern Worte an euch gerichtet, die ich nicht im Buche Allahs gefunden habe und die mir auch der Gesandte Allahs nicht aufgetragen hat. Ich war der Meinung, Muhammad werde unsere Angelegenheiten durch sein letztes Wort leiten. Aber Allah hat sein Buch unter euch gelassen, das die Leitung seines Gesandten enthält. Wenn ihr daran festhaltet, so leitet euch Allah dadurch, wie er ihn geleitet hat.*

* Umar legte die islamische Gemeinde auf den Qur’an, das eigentliche Erbe Muhammads, fest.

Allah hat euch um den Besten unter euch vereinigt, um den Gefährten des Gesandten Allahs, der mit ihm als Zweiter in der Höhle war. Erhebt euch und huldigt ihm!’ Da huldigte die Gemeinde Abu Bakr nochmals.”*

* Durch diese zweite Huldigung in der Moschee wurde Abu Bakr offiziell zum ersten Kalifen bestimmt. Er sollte der Vorbeter und Fürst aller Gläubigen sein und damit das geistliche und weltliche Amt in seiner Person vereinigen.

11.03.13 -- Abu Bakrs Rede

Abu Bakr hielt (nachdem er Allah gelobt hatte) folgende Rede: “O ihr Leute! Ich bin zu eurem Herrn eingesetzt worden, obgleich ich nicht der Beste unter euch bin. Handle ich recht, so leistet mir euren Beistand; handle ich schlecht, so biegt mich zurecht! Wahrheit ist Treue, Lüge ist Verrat. Der Schwache unter euch ist stark vor mir, bis ich ihm, so Allah will, sein Recht verschaffe.

Der Starke ist schwach vor mir, bis ich, so Allah will, dem Rechte Genugtuung verschaffe. Nie hat ein Volk es unterlassen, auf dem Pfade Allahs zu kämpfen, ohne daß Allah es der Verachtung preisgegeben hätte, und es sind nie Schändlichkeiten in einem Volke begangen worden, ohne daß Allah ein Unglück über es gebracht hätte. Gehorcht mir, solange ich Allahs und seines Gesandten Befehle gehorche. Handle ich ihnen zuwider, so seid ihr mir keinen Gehorsam schuldig. Erhebt euch zum Gebet, Allah erbarme sich über euch!”*

* Die geschickte Rede Abu Bakrs, des Gütigen, enthielt eine erneute Rückbesinnung auf die Offenbarung Allahs an Muhammad und die Versicherung der gerechten Rechtssprechung. Es ging bei den Reden Abu Bakrs und Umars jedoch nicht um Buße, Heil, Vergebung und ewiges Leben, sondern um den Qur’an, um Recht und um Macht.

11.03.14 -- Die Ausstattung und Beerdigung Muhammads

Nachdem man Abu Bakr gehuldigt hatte, nahm man am Dienstag die Bestattung Muhammads vor. Ali, 'Abbas und dessen Söhne Fadl und Qutham, Usama ibn Zaid und Schuqran, ein Freigelassener Muhammads, besorgten die Waschung. Aus ibn Khauli rief von draußen: “Ich beschwöre dich bei Allah und unserem Anteil an Muhammad!” Ali hieß ihn eintreten. Aus trat ein, setzte sich und wohnte der Waschung bei. Ali lehnte Muhammad an seine Brust. 'Abbas und dessen Söhne halfen beim Umdrehen. Usama und Schuqran gossen Wasser über seinen Leib, und Ali wusch ihn, während er ihn an seine Brust lehnte. Muhammad hatte sein Unterkleid an. Ali rieb darüber, ohne ihn mit der Hand zu berühren. Ali sprach: “Wie schön bist du, lebendig und tot!” Man nahm an Muhammad nichts von dem wahr, was man an anderen Leichen festzustellen pflegt. Aischa erzählt: “Als man Muhammad waschen wollte, war man sich uneinig darüber, ob man ihn wie andere Leichen entkleiden oder ihn mit seinem Gewand waschen sollte. Da ließ Allah alle einschlafen. Das Kinn sank ihnen auf die Brust. Dann sagte jemand von einer Seite des Hauses her (niemand wußte, wer es war): ,Wascht den Propheten in seinem Gewand!’ Da wuschen sie ihn in seinem Unterkleid. Sie gossen Wasser darauf und rieben seinen Leib so, daß sich das Unterkleid zwischen ihm und ihren Händen befand. Als die Waschung vollzogen war, hüllte man ihn in drei Kleider, in zwei von Suhar* und einen gestreiften Mantel, in den er eingewickelt wurde.”

* Suhar war ein Ort im Jemen.

Ibn 'Abbas erzählt: “Als man das Grab für Muhammad ausheben lassen wollte, schwankte man zwischen zwei Totengräbern: Nämlich Abu Ubaida ibn al-Djarrah, dem Totengräber der Mekkaner, der das Grab mitten in der Gruft grub, und Abu Talha Zaid ibn Sahl, der es an einer Seite der Gruft grub. Da rief 'Abbas zwei Männer herbei. Den einen sandte er zu Abu Ubaida und den andern zu Abu Talha. 'Abbas sagte: ,Allah! Wähle das rechte Grab für deinen Gesandten!’ Der zu Abu Talha Geschickte kam zuerst zurück. Er brachte Abu Talha mit. Dieser machte die Grube an der Seite der Gruft.”

Als Muhammad ausgestattet war, legte man ihn in seiner Wohnung auf sein Bett. Man stritt darüber, wo er beerdigt werden sollte. Die einen wollten ihn in der Moschee bestatten, die anderen bei seinen Gefährten. Da sagte Abu Bakr: “Ich habe gehört, wie Muhammad gesagt hat: ,Jeder Prophet ist an der Stelle beerdigt worden, wo er gestorben ist!’” Man hob den Teppich auf, auf dem Muhammad gestorben war und hob darunter ein Grab aus.* Dann kamen die Leute truppenweise, um für Muhammad zu beten; zuerst die Männer, dann die Frauen, schließlich die Kinder, ohne daß sie jemand dazu angehalten hätte.

* Muhammad wurde im Hause Aischas beerdigt. Ihr Vater hatte es so vorgeschlagen. Damit wurde das Haus Aischas zu einem Wallfahrtszentrum für alle Moslems.

Muhammad wurde mitten in der Nacht zum Mittwoch bestattet. Aischa erzählte: “Wir wußten nichts von der Beerdigung Muhammads. Mitten in der Nacht zum Mittwoch hörten wir plötzlich das Geräusch von Hacken. Dasselbe hat mir auch Fatima berichtet. Ali, Fadl ibn 'Abbas, Quthum und Schuqran stiegen in das Grab hinab. Da rief Aus ibn Khauli zu Ali hinab: ,Ich beschwöre dich bei Allah und unserem Anteil am Gesandten Allahs.’ Da sagte Ali: ,Komm herunter!’ Aus ibn Khauli stieg zu den andern ins Grab hinab. Schuqran hatte, als er Muhammad ins Grab legte, den Umhang genommen, in den Muhammad sich stets eingehüllt hatte, ihn zerrissen und mitbeerdigt. Er sagte: ‘Bei Allah! Diesen Umhang soll niemand mehr nach dir anziehen!’ Mughira ibn Schu'ba behauptet, er sei zuletzt mit Muhammad in Berührung gekommen. Er erzählt: ,Ich warf meinen Siegelring in das Grab und rief: “Ich habe ihn fallen lassen!” Ich habe ihn jedoch absichtlich hineingeworfen, um den Gesandten Allahs als Letzter zu berühren.’”

Aischa erzählt weiter: “Muhammad hatte während seiner Krankheit eine Decke auf sich liegen, mit der er sich das Gesicht bedeckte und die er zuweilen wieder wegzog. Dabei sagte er: ,Allah, bekämpfe ein Volk, das die Gräber seiner Propheten zum Bethaus macht!’ Er fürchtete nämlich, sein Volk möchte dies tun.”

Aischa erzählte auch, die letzten Worte Muhammads seien gewesen: “Es sollen auf der Arabischen Halbinsel nicht zwei Religionen geduldet werden.”*

* Diese letzte Anweisung Muhammads – durch den Mund Aischas überliefert – führte zur Vertreibung und Vernichtung der christlichen und jüdischen Stämme auf der Arabischen Halbinsel. Sollten diese Worte tatsächlich von Muhammad stammen, so hatte er vor dem Einfluß der Juden und Christen auf seine Anhänger Angst, zumal er wußte, daß sie in Lehre und Lebenswandel ein weit höheres Niveau besaßen.

Als Muhammad starb, kam großes Unglück über die Moslems. Aischa sagte: “Als Muhammad starb, wurden die Beduinen abtrünnig. Das Judentum und Christentum erhob sich, und die Heuchler zeigten sich offen. Die Moslems glichen wegen des Verlustes ihres Propheten einer nassen Herde in einer Winternacht, bis sie Allah um Abu Bakr scharte.”*

* Die Rückeroberung der Arabischen Halbinsel, die Vertreibung der Juden und Christen von ihr und der explosionsartige Vorstoß der Moslems in den Mittelmeerraum war eine Folge des Todes Muhammads. Die Konsolidierung und Ausbreitung des Islam geschah nicht auf geistliche Weise, sondern durchs Schwert. In nur hundert Jahren eroberten die Moslems ein Gebiet größer als Europa. Auch heute noch sind über 95 Prozent der Bevölkerung in diesen eroberten Ländern Moslems.

11.04 -- Ausklang

Hassan hat im folgenden Gedicht Muhammad beweint:

Verkündige den Armen, der Segen habe sie verlassen
am Morgen, als der Prophet sich von ihnen wandte.
Bei wem war mein Aufenthalt?
Bei wem kehrte mein Kamel ein?
Wer versorgte meine Familie,
wenn der Regen nicht hold war?
Wer hat zurechtgewiesen,
ohne daß wir Unheil befürchten mußten,
wenn die Zunge irrte oder strauchelte?
Er war die Flamme und das Licht, dem wir folgten,
nach Allah. Er war unser Auge und unser Ohr.
Hätte doch Allah am Tage, als man ihn ins Grab legte
und Erde darüber warf, keinen von uns zurückgelassen,
so daß nach ihm kein Mann und keine Frau mehr lebte!
Gebeugt sind die Nacken der Banu al-Nadjdjar –
so hatte es Allah verhängt.
Die Gabe wurde unter allen Menschen verteilt,
aber die meisten zerstreuten sie nutzlos, ohne Hehl.
Hassan ibn Thabit hat ebenfalls über Muhammads Tod gedichtet:
Ich schwöre bei Allah einen wahren,
keinen falschen Eid. Es war unter allen Menschen,
die je ein Weib getragen und geboren,
keiner so eifrig für Allahs Sache wie der Gesandte,
der Prophet und Führer seines Volkes.
Kein Geschöpf Allahs war dem Schutzgenossen treuer
und erfüllte pünktlicher sein Versprechen als der,
welcher unsre Leuchte war
und unser Segen,
der Gerechte und zum Rechten Führende.
Deine Frauen verlassen ihre Wohnungen und
schlagen keine Pfähle mehr hinter den Zelten ein.
Wie Mönche kleiden sie sich in Lumpen,
denn sie erkennen ihre Not nach offenbarem Wohlstand.
O bester der Menschen! Ich befand mich in einem Fluß
und bin jetzt wie ein Durstiger und Verstoßener.*

* Kein Fluß steigt höher, als seine Quelle liegt. Kein Moslem kann, nach islamischem Verständnis, besser sein, als Muhammad war. Wer anfängt Muhammad zu erkennen, wird die Motive seiner Anhänger besser verstehen.
Das islamische Gesetz wurde aus vier Quellen geformt: dem Qur’an, der Sunna (die Lebensweise Muhammads), dem Qiyas (der Analogieschluß) und dem Konsens der islamischen Gelehrten. Die Lebensweise Muhammads ist damit zum Maßstab für alle Moslems geworden. Jeder soll leben, wie Muhammad lebte. Er muß sozusagen mit Muhammad überkleidet werden. Nur wenn er “in” Muhammad ist, wird er ein guter Moslem sein.
Christen können gleichermaßen nicht besser werden als Jesus war und ist. Sie sind aufgerufen im Glauben und durch Selbstverleugnung ihm nachzufolgen und in ihn hineinzuwachsen. Kein Gesetz zwingt sie ihren Herrn und Heiland wie ein neues Gewand anzuziehen, vielmehr erfüllt sie der Geist Christi mit seiner Liebe, so daß Jesus “in” ihnen bleibt und sie “in” ihm.
Wer die gravierenden Unterschiede zwischen Jesus und Muhammad bedenkt, fängt an die Kräfte und Ziele der Kirchen- und Islamgeschichte der letzten 2000 Jahre zu erkennen, und ahnt, welche zukünftigen Entwicklungen auf uns zukommen.
Muhammad ist tot – Jesus lebt!
Wer Muhammad folgt, folgt einer Religion des Todes.
Wer Jesus nachfolgt, lebt ewig!

Wer an den Sohn glaubt,
hat ewiges Leben.
Wer aber dem Sohn nicht gehorcht,
wird das Leben nicht sehen,
sondern Gottes Zorn bleibt über ihm.

(Johannes 3,36)

11.05 -- TEST

Lieber Leser,
wenn Sie dieses Heft aufmerksam studiert haben, können Sie die folgenden Fragen leicht beantworten. Wer 90 Prozent der Fragen in den elf Heften dieser Reihe richtig beantwortet, kann von unserem Zentrum ein Zeugnis bekommen über:

Fortgeschrittene Studien
zum Leben Muhammads aus der Sicht des Evangeliums

als eine Ermutigung für seine zukünftigen Dienste für Christus.

  1. Was sagte Muhammad auf seiner Kanzelrede während der Abschiedswallfahrt in Mekka?
  2. Wieviele Feldzüge hat Muhammad selbst geleitet? Wieviele militärische Aktionen sind von Stellvertretern Muhammad angeführt worden?
  3. Warum wurde der Jude Yusair ibn Rizam in Khaybar ermordet? Welche List wandten die Muslime an, um ihn unschädlich zu machen?
  4. Warum und wozu mußte Abu Bakr den vom Christentum zum Islam bekehrten Raafi' ibn Abi Raafi' ermahnen?
  5. Warum wurde Asma', die Tochter Marwans ermordet?
  6. Was geschah mit Thumama?
  7. Wieviele Frauen hat Muhammad geheiratet? Wieviele von ihnen lebten noch, als er starb?
  8. Woran und wo ist Muhammad gestorben?
  9. Was waren Muhammads letzte Worte?
  10. Was haben Umar und Abu Bakr nach dem Tode Muhammads gesagt?
  11. Wo und wie wurde Muhammad beerdigt?

Jeder Teilnehmer an diesem Test darf zur Beantwortung dieser Fragen jedes beliebige Buch, das ihm zur Verfügung steht, benutzen und jede ihm bekannte vertrauenswürdige Person fragen. Wir warten auf Ihre schriftlichen Antworten, inklusive Ihrer vollständigen Adresse auf Papier oder per e-mail. Wir beten für Sie zu Jesus, dem lebendigen Herrn, daß er Sie berufe, sende, leite, stärke, bewahre und mit Ihnen sei an jedem Tag Ihres Lebens!

Im Dienst Jesu verbunden
Abd al-Masih und Salam Falaki

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